Mehrere Unfälle, 40 Verletzte: Retter trainieren für den Ernstfall

Laut Szenario sind unter anderem ein Linienbus und Gefahrgutlaster bei Schindelbach verunglückt. Selbst an Gaffer wurde bei der Übung gedacht.

Schindelbach.

Später Nachmittag, ein Unfall auf der nach Schindelbach führenden Straße: Ein Auto ist gegen einen Baum gefahren. Dieser liegt nun auf der Fahrbahn. Ein mit Gefahrgut beladener Laster fährt auf das Auto auf. Damit nicht genug: Ein Linienbus ist in den Unfall hineingefahren, ein roter Pkw von der Straße abgekommen. Letzterer droht einen Hang hinunter zu stürzen. Mit diesem aufwendigen Szenario haben Rettungskräfte am Freitagabend den Ernstfall geprobt.

Aus dem Linienbus dringen Schmerzensschreie, einige Insassen klopfen an die Fenster. "Warum hilft uns denn niemand", ruft eine junge Frau. Die Stimme ist durch die Fenster nur dumpf zu hören. Ein Mann irrt um das Fahrzeug herum, sein Gesicht ist blutverschmiert, er herrscht die Feuerwehrleute an: "Im Bus sind meine Frau und meine Tochter, helft uns doch endlich!" Auf der Straße und im nahen Wald liegen Verletzte. Schaulustige behindern die Feuerwehrleute, halten mit ihren Handys auf Verletzte. Die Rettungskräfte scheinen mit der Situation überfordert. Einige Gaffer, die die Feuerwehrleute behindern, können ihr Unwesen treiben, ohne fortgeschickt zu werden.


Was sich am Freitag bei Schindelbach abgespielt hat, war ganz nah an der Realität: Das Referat Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz des Landratsamtes Erzgebirgskreis hat die Übung mit Kräften des Katastrophenschutzes im Regionalbereich Mittleres Erzgebirge organisiert. Zum Einsatz kamen Ortsfeuerwehren, dazu eine ganze Armada von Spezialkräften.

"Wir haben einen sogenannten Massenanfall von Verletzten, es waren insgesamt 40 Verletzte, die gerettet werden mussten", schildert Danilo Wötzel, stellvertretender Kreisbrandmeister und Sachbearbeiter im Referat sowie "Drehbuchschreiber" der Übung. Ein Frühjahrsgewitter mit Sturm und Hagel sei über die Region hinweggezogen, der Gefahrguttransporter sei auf den Hagelkörnern ins Rutschen gekommen, und der Bus sei von unten kommend in die Unfallstelle hineingefahren, erklärt der Experte gegenüber "Freie Presse".

91 Helfer kommen zum Einsatz, ein Behandlungsplatz wird eingerichtet, zu dem die Verletzten gebracht werden. Dann treffen immer mehr Rettungskräfte mit Atemschutzgeräten ein, eine Dekontaminierungsdusche wird eingerichtet, aber Mirko Haustein liegt immer noch auf der Straße, eine Glasscherbe steckt in seinem Kopf. "Laut Anweisung bin ich vom Auto angefahren worden, das war aber schon vor einer ganzen Weile. Zum Glück habe ich mir etwas Dickes unter meine Jacke angezogen, die Straße wird mit der Zeit doch ziemlich kalt."

Danilo Wötzel zieht das Resümee: "Die Erstaufnahme hätte besser funktionieren können, ansonsten wurden keine groben Schnitzer gemacht. Die Rettungskräfte hielten 50 Meter Abstand, weil sie erst die Gefährdung einschätzen mussten. Auch das war richtig. Außenstehenden dauert es zu lang, es war aber von der Dauer her in Ordnung."

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