Mit bröselndem Asphalt wächst in Wilischthal der Frust

Nach Anwohnerprotest wurde die marode Plattenstraße vor acht Jahren notdürftig geflickt. Seitdem ist nichts mehr passiert. Doch nun kommt Bewegung in die Sache.

Zschopau/Drebach.

"Wann wird hier endlich mal etwas gemacht?" Das ist eine Frage, die sich neben Joachim Franke noch andere Bewohner in Wilischthal stellen. Der 86-Jährige hat eine Garage an der Plattenstraße zum ehemaligen Federnwerk und bangt jedes Mal um sein Auto, wenn er auf der löchrigen Fahrbahn unterwegs ist. "Vor lauter Schlaglöchern weiß man nicht mehr, wo man hinfahren soll", sagt er.

Während die Gemeinde Drebach die Anliegerstraße für drei Mehrfamilienhäuser auf ihrem Territorium in den 1990er-Jahren öffentlich gewidmet und erneuert hat, ist auf dem über Zschopauer Flur führenden Abschnitt weiter unklar, wer für die Unterhaltung aufkommt. Denn die Plattenstraße gehört der Bahn.

Ziemlich genau vor acht Jahren ließ Drebach die Holperpiste trotzdem ausbessern. Damals hatte sich die Gemeinde mit der Stadt Zschopau darauf verständigt, während des Ausbaues der Scharfensteiner Straße die Löcher auf der Plattenstraße flicken zu lassen und sich in die Kosten zu teilen. Drebachs Bürgermeister Jens Haustein (Mandat CDU) sprach damals von einem Teilerfolg für die Anwohner, die mit einer Unterschriftensammlung auf den miserablen Zustand der Zufahrt aufmerksam gemacht hatten. Heute zerbröselt der Asphalt, mit dem die Löcher notdürftig geflickt wurden.

"Der Zustand ist katastrophal", räumt Jens Haustein auf Nachfrage ein. Zuckt aber mit den Schultern auf die Frage, was die Gemeinde tun könne, um daran etwas zu ändern. Weil sich das stark beschädigte Straßenstück auf Zschopauer Flur befindet, müsse die Initiative von der Stadt ausgehen. Drebach habe schon mehrfach vergeblich Anlauf genommen, diesen Teil der Plattenstraße in kommunales Eigentum zu übernehmen, fügt er hinzu.

Nach Anfragen von "Freie Presse" an beide Kommunen scheint allerdings wieder Bewegung in die Sache zu kommen. Am Rande eines Termins haben sich am Mittwoch Jens Haustein und Zschopaus Oberbürgermeister Arne Sigmund (parteilos) auf ein baldiges Treffen verständigt. "Wir müssen uns zusammensetzen und die nächsten Schritte beraten", sagt Haustein. Das bestätigt auch Zschopaus Stadtsprecher Uwe Gahut. Es müsse zudem ein Weg gefunden werden, die Bahn als Eigentümerin einzubinden. "Der Wille ist da, die Sache zu klären", bekräftigt Gahut.

Das sah vor acht Jahren noch anders aus. Zumindest sah die Stadt damals keinen Grund, die Privatstraße öffentlich zu widmen und sich damit Kosten für Instandsetzung und Unterhaltung aufzubürden. Die frühere Bauamtsleiterin Kerstin Buschmann gab damals den schwarzen Peter den Anwohnern zurück. Die hätten schließlich wissen müssen, worauf sie sich einließen, als sie im Jahr 2000 ihre Häuser von der Bahn kauften, argumentierte sie. Das Verkehrsunternehmen hatte mehreren Käufern ein Geh- und Fahrrecht als Grunddienstbarkeit eingeräumt und darin festgelegt, dass die Unterhalts- und Verkehrssicherungspflicht ausschließlich den Begünstigten obliegt. Das ging aus einem Schriftstück der DB Services Immobilien GmbH hervor. In dem Papier erklärte die Bahn auch, dass sie das Grundstück nicht mehr nutzt und keine Instandsetzungsmaßnahmen beabsichtige.

Die Kommune stehe zudem nicht zwingend in der Pflicht, einen Weg mit nur wenigen Anliegern öffentlich zu widmen, lautete die Lesart der Stadt. Zschopau hatte allerdings die Anwohner auf der Drebacher Seite außer Acht gelassen, die den Weg auch nutzen.

Ihren Teil der Zufahrt hatte die heute zu Drebach gehörende Gemeinde Grießbach 1993 öffentlich gewidmet und damit die Baulast übernommen. In den Folgejahren wurde die Straße asphaltiert und in die Erneuerung der Straßenbrücke investiert.

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