Mit dem "Wunschauto" zum Einheitsjubiläum

30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung wird auch in Zschopau gefeiert. Unter anderem wurde dafür ein fast 50 Jahre alter Film aus dem Archiv geholt.

Zschopau.

Aus der großen Festveranstaltung mit Vertretern aller Partnerstädte wird nichts. Die Entwicklung der Corona-Zahlen hat auch Einfluss auf die Zschopauer Feier anlässlich des Jubiläums "30 Jahre deutsche Einheit". Statt des geplanten großen Festakts in der Nexö-Turnhalle wird am Samstag in abgespeckter Form im Hof von Schloss Wildeck gefeiert. Unter freiem Himmel lässt sich trotz der Pandemie ein Programm für die Öffentlichkeit auf die Beine stellen. Neben der Ehrung verdienter Bürger und Stadträte sowie Live-Musik gehören dazu auch zwei Filmvorführungen, die das Publikum auf Zeitreisen mitnehmen.

Führt der Dokumentarfilm "Ausgerechnet Bananen" die Zuschauer am Freitagabend in die Nachwendezeit, so geht es am Samstag mit dem "Wunschauto" deutlich weiter zurück. Der gleichnamige Defa-Kinderfilm wurde 1960/61 in Zschopau gedreht - und wäre für Peter Buschmann fast zum Sprungbrett geworden. "Heutzutage würde man es wohl ein Casting nennen", sagt der 73-jährige Zschopauer über die Vorauswahl, die ihm eine der drei Hauptrollen einbrachte. "Wir mussten etwas vortragen. Am Ende blieben nur noch Sabine Günter, Gottfried Fritsche und ich übrig." Es folgten interessante Monate.

"Weil die Beleuchtungstechnik noch nicht so weit war, wurden wir immer aus dem Unterricht abgeholt, sobald die Sonne schien", erzählt der damalige Sechstklässler. "Da waren andere schon mal neidisch." Doch während der Dreharbeiten durfte fast jeder zumindest als Statist mal vor die Kamera. Schließlich ging es nicht nur um das Trio, das sich nach einem missglückten Seifenkistenrennen aus einem verrotteten Oldtimer ein eigenes "Wunschauto" bauen will. Nein, am Ende stand - wie immer in der DDR - die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Im Film kommen die Klassenkameraden dem Trio bei seinem scheiternden Versuch auf die Schliche - und finden eine Lösung.

"Dank der Unterstützung der Patenbrigade von MZ haben wir den ,Blauen Pfeil' doch noch zum Fahren gebracht", verrät Peter Buschmann das Ende des Films, der trotz der langen Dreharbeiten nur 32 Minuten dauert. "Viele Szenen wurden weggelassen", sagt der Darsteller, der nur zu sehen, aber nicht zu hören ist. "Weil sie von unserem erzgebirgischer Dialekt nicht so viel wissen wollten, wurde der Film noch vor der Premiere am 4. November 1961 im Filmeck synchronisiert", berichtet der 73-Jährige, der statt Schauspieler zunächst Hauer für Erzbergbau bei der Wismut wurde. Als Instrukteur für Umwelt und Sport sowie als Sozialpädagoge blieb er in Zschopau und trat höchstens mal im Arbeitertheater des VEB MZ auf. Auf seine kurze Filmkarriere blickt Buschmann dennoch gern zurück - auch am Samstag im Schlosshof.

Feier im schlosshof Freitag, 19 Uhr: Filmvorführung "Ausgerechnet Bananen"; Samstag, 12.30Uhr: Schlossführung, 13.30Uhr: Ehrungen, 15 Uhr: Familienbasteln am Schlossbrunnen, 15.30 Uhr: Akkordeonorchester "Die Fröhlichen Harmonikaspatzen", 17.45 Uhr: Auftritt von "The Barflies", 19.30 Uhr: Filmvorführung "Das Wunschauto", 20.30 Uhr: Auftritt der Band Delikat

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