Mit dicken Füßen und heiserer Stimme zurück

850 Mitglieder militär-historischer Vereine haben vor 30.000 Gästen am Originalplatz an die Schlacht von Königgrätz vor 150 Jahren erinnert. Mit dabei auch 26 Sachsen, für die die Exkursion gelebte Erbepflege darstellt.

Hradec Králové/Oelsnitz.

Zwei Dutzend Eichensetzlinge gedeihen jetzt im Wald von Bor: Mit einem symbolischen Pflanzakt haben die sächsischen Teilnehmer der Feierlichkeiten aus Anlass der 150. Wiederkehr der Schlacht bei Königgrätz, dem heutigen Hradec Králové, an die gefallenen und verwundeten Soldaten aus dem Königreich Sachsen gedacht. "Die Setzlinge stammen aus verschiedenen Regionen des Freistaats, darunter aus dem Erzgebirge, und wachsen nun an jener Stelle im Vorland des Riesengebirges, an der 1866 die königlich-sächsischen Jäger in Gefechtshandlungen verwickelt waren", erzählt Thomas Pechmann. Der Oelsnitzer führte als Leutnant die 4. Kompanie des I. Bataillons an, die an der Darstellung der Geschehnisse am ersten Juliwochenende 1866 beteiligt waren.

"Erinnern und Gedenken ist für uns ein Stück erlebter Erbepflege", so der Militärchronist. "Wir haben an einer Reihe von Gedenkveranstaltungen und Kranzniederlegungen teilgenommen. In Tschechien wird an diesen historischen Termin schon lange würdevoll gedacht. Gräber und Gedenksteine werden gepflegt. Und es ist längst nicht so, wie es hiesige Zeitgenossen unterstellen, dass wir allein wegen des Waffenhandwerks das Brauchtum pflegen", so der 39-Jährige, der maßgeblich an der Organisation des neuerlichen Chronikprojektes beteiligt war.

Teilnehmer von Darstellungsvereinen aus ganz Europa und den USA weilten in Tschechien. Veranstalter sprechen von 850 Uniformierten, darunter Reiter und Artillerie. Alle unterwarfen sie sich einem straffen Programm, wenngleich, so die Beobachter, die Deutschen erneut die Tugend der Pünktlichkeit bewiesen. "Für uns Sachsen begann die Exkursion auf der Festung Königstein", erklärt Thomas Pechmann mit belegter Reibeisenstimme wenige Stunden nach Rückkehr. Permanenter Befehlston über vier Tage hat die Stimmbänder strapaziert. Geschwollene Füße gehören bei so manchem Landjäger zum Mitbringsel vom Marsch.

"Die hiesigen Truppen wurden damals vom Sachsenkönig Johann verabschiedet. Wir stellten auf der Festung auch eine Szene nach, die Geschichtsforscher verwundert: Die damals schmucken neuen Tschakos wurden abgesetzt und gegen gewöhnliche Feldmützen getauscht. Man fragt sich, was der Landesvater einst damit bezwecken wollte", hat der Fachmann schon die Akten in Staatsarchiven auf der Suche nach einer Antwort durchstöbert.

"Auf einem imposanten, als Schaubühne bestens geeigneten Feldstück bei Hradec Králové haben wir unsere Zelte aufgebaut", erzählt Pechmann weiter. 26 Jäger zu Fuß, dazu zwei Geschütze mit neun Artilleristen, dieses Kontingent befehligte der im Berufsleben als Sicherheitsingenieur tätige Erzgebirger. "7 Uhr morgens wurde geweckt, ab 8 Uhr nahm mit der Visitation das Militärmanöver seinen Verlauf." Höhepunkte waren die täglichen, nach historischer Vorlage einstudierten Gefechtshandlungen. Ein schweißtreibendes Ereignis: "Wie überliefert, herrschten auch heuer dauerhafte Hitzegrade, das Nass aus Feldflaschen reichte nicht, für Erfrischung zu sorgen, daher tarnten wir in Leinensäcken Wasserflaschen. Eine Ausnahme, sonst wurde alles möglichst so praktiziert wie vor 150 Jahren, bis hin zur Verpflegung."

Am Sonntag, zum Finale, war besonders das Können der Pyrotechniker gefragt. Markante Objekte, wie die frühere Mühle und Bauerngüter, wurden nachgebaut und brandvoll in Szene gesetzt. "Mit dem Sieg gegen Österreich schwang sich Preußen zur Großmacht auf und erlangte im Deutschen Reich die Vorherrschaft, der schicksalprägende Baustein der nachfolgenden wechselvollen Geschichte", so Thomas Pechmann.

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