Mit Naturfasern gegen die Plastikflut

Pflanzen wie Lein und Hanf können dazu beitragen, Kunststoffe zu ersetzen und die Umwelt zu schonen. Doch noch gibt es Hürden, die es zu überwinden gilt.

Wolkenstein.

Verpackungen, Alltagsgegenstände, Industriematerialien - in nahezu allen Lebensbereichen lässt sich inzwischen Kunststoff antreffen. Was so günstige Eigenschaften wie Flexibilität und geringe Kosten aufweist, bringt jedoch einen maßgeblichen Nachteil mit sich: Plastik verrottet kaum. Dass es auch anders geht und dass es Alternativen gibt, beweist derzeit etwa der Markkleeberger Verein Sachsenleinen. Im Schönbrunner Ambrossgut stellte nun dessen Vorsitzender Torsten Brückner nachhaltig hergestellte Produkte vor. Zugleich erklärte er, warum es einen langen Atem braucht.

Die simple Idee: Naturfasern etwa aus Lein und Hanf sollen Kunststoff ersetzen, so wird die Umwelt weniger belastet. Schon jetzt sei dies möglich, erklärte Brückner, der zugleich Geschäftsführer der Sachsenleinen-Gesellschaft ist. Nach Schönbrunn hatte er einige Produkte mitgebracht, die schon heute aus Naturfasern bestehen wie Koffer, sowohl für Musikinstrumente als auch zum Verreisen. Ein anderes Beispiel: Verkleidungen für den Automobilbau. "Im neuen VW Golf beispielsweise sind diese Türverkleidungen aus Naturfasern verbaut."

Torsten Brückner ist sich sicher: Viele Plastikprodukte haben angesichts der Umweltfolgen bald ausgedient. Um sie zu ersetzen, brauche es seine Zeit. Was Torsten Brückner am meisten Sorge bereitet: "Die Bauern sind leider noch zu sehr in ihrem alten Denken verhaftet. Sie bauen lieber wie seit Jahrzehnten Weizen, Mais und Raps an und halten Kühe, weil sie dafür noch genug Geld bekommen." Dabei sei es wichtig, dass sich angesichts der vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten zunehmend auch Pflanzen wie Lein auf den Feldern finden lassen. "Der Druck zum Anbau nachhaltiger Produkte ist immer noch nicht groß genug, doch das wird nicht auf ewig so bleiben", ist sich der Diplom-Agraringenieur sicher.

Sachsenleinen sieht sich als Bindeglied zwischen Forschung und Industrie sowie als Dienstleister rund um den Anbau, die Ernte und die Verarbeitung pflanzlicher Fasern. Den Kunden werde eine breite Palette an Produkten geboten, vom Saatgut bis zum textilen Gewebe oder technischen Bauteil, so Brückner. In der Regel handle es sich nicht um Standardprodukte. "Die Angebote werden den Kundenanforderungen entsprechend angepasst."

Im Schönbrunner Ambrossgut wurden in diesem Jahr verschiedene Leinsorten angebaut. Dies war ein Teil des Projekts Enzedra (Einheimische Nutz- und Zierpflanzen zur Erhöhung der regionalen Artenvielfalt), das sowohl auf deutscher wie auch auf tschechischer Seite Partner hat. Die auf dem Versuchsbeet in Schönbrunn angebauten Sorten wie Deutscher Öllein, Faserlein und Violetter Lein sind demzufolge Ergebnisse eines grenzüberschreitenden Projektes. (mit geom)

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