Nach Bürgerladen-Debakel: Bahnhof bekommt stylishes Café

Das Geschäft der zahlungsunfähigen und inzwischen aufgelösten Genossenschaft in Scharfenstein stand nur kurze Zeit leer. Ein erfolgreicher Jungunternehmer hatte eine Idee - und setzte diese prompt um.

Scharfenstein.

Noch zu Jahresbeginn drohte die Pleite der Genossenschaft "Bürgerläden Scharfenstein-Venusberg" auch für Drebach zu einem Debakel zu werden. Die Gemeinde hatte mit Fördergeld kräftig in die Gestaltung der Ortsmitte und den Umbau des Bahnhofsgebäudes investiert. Sogar in die Bistro-Küche des Geschäfts. Im Frühjahr ist das Insolvenzverfahren über das Vermögen der inzwischen aufgelösten Genossenschaft eröffnet worden. Ein längerer Leerstand des Bahnhofladens hätte auch auf die Gemeinde ein schlechtes Licht geworfen. Doch soweit kam es nicht.

Der Gemischtwarenladen ist Geschichte, die Bahnhofshalle zu einem stylishen Café mutiert. In einem Ambiente, das eher in einer Großstadt als auf dem Dorf zu erwarten wäre. Großzügig eingerichtet mit edler Möblierung, die Akzente setzt. Jedes Detail wohlüberlegt platziert. Sechs Wochen benötigte Dominic Heiße, um sein Projekt umzusetzen - mit Handwerkern, Vater, Onkel, vor allem aber in Eigeninitiative. Oft arbeitete der Venusberger nachts bis zum nächsten Morgen. Danach blieben noch ein paar Stunden Zeit zu schlafen.


Am Tag arbeitet Dominic Heiße mit seinen Mitarbeitern in seiner Werkstatt für seine Modemarke Lumipöllö. Was mit Mützen, Shirts und Accessoires begann, hat sich in den vergangenen Jahren in Merchandising-Produkten für Sportvereine und Firmen manifestiert. Das Label steht für einen sportlichen Lebensstil, insbesondere für Qualität.

"Natürlich hätte man bei der Ausstattung des Cafés viel weniger Aufwand betreiben können", räumt der 29-Jährige ein. Doch das sei nicht sein Ding. In der Einrichtung spiegelt sich sein Produktdesign-Studium wider, das er an der Weimarer Bauhaus-Universität absolvierte.

Aber warum eröffnet der Jungunternehmer ein Café in der Provinz? "Wie wohl viele andere in ihrem Leben habe ich auch schon einmal mehr oder weniger ernsthaft darüber nachgedacht. Die Entscheidung, das jetzt in Scharfenstein durchzuziehen, folgte aber eher aus dem Bauch heraus", antwortet Heiße. Mit der Lumipöllö-Lounge - so der Name des Cafés - möchte er auch für die Modemarke werben. "Unseren Kunden wollen wir den einzigartigen Lifestyle vermitteln, den wir damit verbinden."

Dominic Heiße erzählt von einer nicht mehr ganz jungen Grießbacherin, der es hier so gut gefallen habe, dass sie sich gleich im Lumipöllö-Store gegenüber der Venusberger Gartengerätefabrik Mogatec ein Shirt gekauft habe. Das Café sieht der Firmenchef zugleich als Ausgangspunkt für neue Formate, die er ausprobieren möchte - etwa für die Übertragung sportlicher Großereignisse. Und: "Ich hatte einfach Lust auf etwas Neues", nennt er einen weiteren Grund.

Die Einrichtung im Bahnhofsgebäude hat der Venusberger mit eigenem Kapital bestritten. Auch gebe es keinerlei vertragliche Bindungen an Lieferanten. "Damit bin ich flexibel und kann immer mal etwas Neues versuchen." Gäste werden an der Bar bedient. Neben Cocktails und Kaffeespezialitäten gibt es etwa Panini oder frisch gebackene Waffeln mit Eis. In Spitzenzeiten habe die Bedienung hinter der Theke gut zu tun. Schon zum heutigen Zeitpunkt rechne sich das Geschäft.

Dabei hat Heiße seit der Eröffnung in der ersten Juli-Woche kaum geworben. "Nur ein wenig im sozialen Netzwerk." Er erinnert sich noch daran, mit welchem Tamtam der Bürgerladen im Frühjahr 2016 eröffnet wurde. Bei einem großen Eisenbahnfest kamen damals so viele Besucher wie später nie wieder. Dominic Heiße will es genau umgekehrt machen und das Geschäft langsam hochfahren. "Schließlich kommen wir nicht aus der Gastronomie und müssen erst lernen." Er setzt auf gemischtes Publikum: Leute aus dem Dorf und der Umgebung, Ausflügler, die zu Fuß, per Rad oder mit der Bahn kommen.

Geöffnet hat die Lumipöllö-Lounge im Scharfensteiner Bahnhof Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 15 bis 21 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 13 bis 19 Uhr.

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