Nach dem Krankenhaus hat Tim wieder Spaß an Bewegung

Vier- bis fünfmal pro Woche kommt Physiotherapeutin Anett Richter zu dem schwerst mehrfach geschädigten Jungen. Der Zwölfjährige genießt diese Form der Mobilisierung. Diese Woche hat er gute Fortschritte verzeichnet.

Zschopau.

Es ist eine gute Woche für Tim Grund gewesen. Nach einem erneuten Krankenhausaufenthalt wegen akuter Atemprobleme infolge einer chronischen Bronchitis in den Tagen zuvor - mehr als 70 Mal musste der Zwölfjährige insgesamt schon stationär betreut werden - fühlt sich Tim zuhause wieder wohl. Und genießt ganz offensichtlich die nahezu täglichen Behandlungen und Übungen mit Physiotherapeutin Anett Richter.

Der Junge hat unübersehbar Spaß an den Übungen und der Massage. Sanft bewegt die 53-Jährige, die den Jungen vor sich sitzen hat, seinen Kopf, die Arme und die Hände. Tim strengt sich an, hält die Füße fest auf dem Boden, versucht immer wieder, den Kopf zu heben. Anett Richter kontrolliert dabei die Motorik und vor allem die Reaktion des Jungen in einem großen, vor den beiden aufgestellten Spiegel. Seine auf einem Monitor ablesbaren Vitalwerte hat sie ebenfalls stets im Blick, damit sie das Kind nicht überfordert. Der Zwölfjährige wird nach einer Weile sogar selbst aktiv, seine sonst eher leblosen Finger beginnen vorsichtig zu tasten: Er greift nach einem Tuch, hebt die Hände von selbst über den Kopf, zupft Annett Richter an den Haaren, umfasst ihre Beine und krabbelt sie. Das alles ist für ihn richtig anstrengend - aber er lächelt.

Vier- bis fünfmal pro Woche kommt die Mitarbeiterin der ganzheitlichen Zschopauer Physiotherapie Grit Seidel eine halbe Stunde zu Tim. Anett Richter betreut den Jungen seit rund zehn Jahren, kennt ihn vom Kindergartenalter an. Mit meist sanften Berührungen bewegt sie seine Gelenke, unterstützt ihn bei seinen motorischen Versuchen, verhilft ihm zu freierem Atmen. Die Kindertherapeutin freut sich mit ihm, seiner Mutter Mandy Grund und den ihn pflegenden Schwestern, die ihn rund um die Uhr betreuen, über jeden noch so kleinen Fortschritt. Denn nicht immer ist Tim so gut drauf, wie in dieser Woche. In den vergangenen Jahren verlief seine Entwicklung nicht immer positiv, waren auch Rückschritte zu verkraften. Doch seit einem Jahr seien zunehmend wieder kleine Erfolge zu beobachten, sind sich seine medizinischen Begleiterinnen einig. Und Anett Richter ist sich sicher: "Tim hat noch viel Potenzial."

Ganze zwei Stunden hat die Therapeutin, die seit 25 Jahren besondere Kinder begleitet, am Montag mit ihm geübt: "Die Wintermonate sind für Tim aufgrund seines schwachen Immunsystems besonders schlimm. Um so mehr freue ich mich, dass er unmittelbar nach dem Krankenhaus so gut mitmacht, lächelt und sein Wohlbehagen auch akustisch äußert. Es ist ein schönes Gefühl, diese zunehmende Mobilisierung mitzuerleben. Es gibt Tage, da hat er so viel Spaß, dass er bei den Übungen laut lacht."

Mobilität ist für den schwerst mehrfach geschädigten Jungen wichtig und in mehrfacher Hinsicht erstrebenswert. Damit er mit seinem großen Spezialrollstuhl die Wohnung mit Mutter und Pflegekräften überhaupt regelmäßig verlassen kann, haben ihn seine Pflegerinnen der Chemnitzer Heim gGmbH für die Aktion "Leser helfen" der "Freien Presse" vorgeschlagen. Mit Leserspenden soll ein Auto gekauft werden, in das Tim mit seinem Rollstuhl und auch dem Sauerstoffgerät passt. Damit er mit seiner Mutter und den betreuenden Schwestern Ausflüge beispielsweise zu den Großeltern unternehmen kann. Die Spendenbereitschaft, damit dieser Wunsch in Erfüllung gehen kann, ist beachtlich. Ende dieser Woche wies das Spendenkonto der Aktion "Leser helfen" allein für Tim einen Stand von reichlich 18.000 Euro aus.

Unterstützung erhält Mandy Grund auch in der Arbeit. Chefarzt, Verwaltungsleiter und Personalratsvorsitzende der Warmbader Knappschaftsklinik, in der sie als Serviererin arbeitet, bitten die Belegschaft in einem offen aushängenden Brief um Spenden für den Sohn ihrer Kollegin. "Da wir die Marienberger und Zschopauer Ausgabe der ,Freien Presse' im Foyer ausliegen haben, ist die Aktion in unserem Haus Gesprächsthema. Deshalb hoffen wir auch auf Unterstützung unserer Mitarbeiter", begründet der stellvertretende Verwaltungsleiter Frank Hänel. "Ich habe selbst Nachbarn, denen mit der Aktion der ,Freien Presse' geholfen werden konnte. Das ist wirklich eine gute Sache."


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