Naturbad oder Kulturhalle? - Eine Frage für den neuen Stadtrat

Was aus den Zukunftsprojekten der Stadt Zschopau wird, dürfte das Gremium erst in der nächsten Wahlperiode entscheiden. Nicht alle Gruppierungen haben schon eine klare Position.

Zschopau.

Naturbad oder Kulturhalle? Die Frage, welches von beiden Zukunftsprojekten die Stadt Zschopau zuerst in Angriff nehmen sollte, bleibt weiter offen. Oberbürgermeister Arne Sigmund (parteilos) ist mit seinen Bemühungen gescheitert, noch in der alten Wahlperiode vom Stadtrat eine Antwort zu erhalten. Eigentlich wollte der Verwaltungschef im neuen Doppelhaushalt 2019/2020 die Weichen stellen, um eines der Projekte in den Jahren 2021/22 umsetzen zu können. Doch der Entwurf, über den der Stadtrat am 8. Mai abstimmen soll, enthält keinen Cent - weder für ein Naturbad, noch für eine Kulturhalle.

Der OB selbst lässt seine Präferenz für die Kulturhalle durchblicken und verweist gern auf eine Absichtserklärung des Sächsischen Innenministeriums, die Investition im Gegensatz zum Naturbad mit einem 70-prozentigen Zuschuss zu bedenken. Demgegenüber steht ein Ratsbeschluss von 2014 zum Bau des Naturbades. In einem "Freie Presse"-Interview zu Jahresbeginn ließ Sigmund zuletzt offen, ob es sich die Stadt überhaupt leisten kann, Naturbad und Kulturhalle künftig parallel zu betreiben.


Der am 26. Mai neu zu wählende Stadtrat wird sich weiter mit dem Thema befassen müssen. In den Wahlaussagen der Parteien und Wählervereinigungen spiegelt sich das mehr oder weniger wider. Eine Umsetzung der Projekte könne der Bund Freier Wähler (BFW) zum jetzigen Zeitpunkt nicht befürworten, erklärt Sprecher Mirko Caspar und nennt eine Vorbedingung: "Da derzeit die Jahresabschlüsse seit 2013 fehlen, kann niemand eine belastbare Einschätzung über die tatsächliche finanzielle Lage der Stadt geben. Bevor die Jahresabschlüsse nicht vorliegen, ist eine verantwortungsvolle Entscheidung über derart hohe und langfristige Investitionen nicht möglich."

Für ein reines Freibad, das nur saisonal nutzbar ist, sieht der BFW keinen Bedarf. "Es existieren genügend Alternativen für verschiedene Interessen in und um Zschopau/Krumhermersdorf", begründet Mirko Caspar. In jedem Falle müsse für das Areal ein Nutzungskonzept her, das eine ganzjährige Nutzung beinhaltet. Ein Bad könne Teil davon sein.

Einen Veranstaltungssaal für Zschopau und Umgebung halten auch die Freien Wähler für sinnvoll. Allerdings sollten vor der Planung eines Neubaus Alternativen geprüft werden - etwa der Ausbau des Obergeschosses im Jugendklub "High-Point" oder eine Anpassung der Turnhalle, so Caspar. Neben der Erarbeitung eines Finanzierungskonzeptes müssten sämtliche Konsequenzen wie höhere Steuerhebesätze als Bedingung für Kreditaufnahmen öffentlich diskutiert werden.

Weder zur Kulturhalle noch zum Naturbad wollen sich Christdemokraten vor der Wahl äußern. "Wir warten noch auf einen ausgeglichenen Haushalt. Vorher wollen wir nichts in die Welt setzen", sagt Wilfried Heidl, der auf der CDU-Liste auf Platz 1 rangiert. Zunächst seien die Pflichtaufgaben der Kommune sicherzustellen. "Was darüber hinaus übrig bleibt, wird sich zeigen."

Ein klares Zeichen kommt von den Linken mit Jürgen Hetzner an der Spitze. "Schaffung des Naturbades in Zschopau als Erholungsort" steht im Flyer geschrieben - einer von sechs Punkten zur Verbesserung der Infrastruktur. Der Kultursaalbau spielt im Wahlprogramm keine Rolle.

Klipp und klar für den Bau eines Bürgersaals auf dem Gelände des ehemaligen Filmecks spricht sich dagegen Niels Sigmund aus, der die Liste der Bündnisgrünen anführt. In ihrem Programm verweisen die Bündnisgrünen auf die 2014 erfolgte Aufnahme des Projektes in das Stadtentwicklungskonzept und auf die Förderzusage des Freistaates. "Jetzt muss gehandelt werden, denn dieses Förderprogramm läuft nur noch bis 2022!" Eine Aussage, die im Programm fett unterstrichen ist.

Für das ehemalige Freibadgelände gelte es, noch eine passende Nutzung zu finden - etwa als Freizeitstätte, Caravanstellplatz oder Bauland. Die Bündnisgrünen können sich zugleich eine Zwischennutzung des Geländes vorstellen, um es bei entsprechender Finanzausstattung für ein späteres Naturbad freizuhalten.

Auch für die neue Wählervereinigung "Wir - die Vereine" rangiert der Kultursaal vor dem Naturbad. Zielstellung im Wahlprogramm: "Baubeginn eines für unsere Stadt ausreichenden Bürgersaales am ehemaligen Standort der Stadthalle." Allerdings wolle man keinen Glaspalast für acht Millionen Euro hinsetzen, schränkt Klaus Baumann, der die Liste anführt, ein. Das Naturbad könne vielleicht später wieder auf die Tagesordnung kommen, nicht aber in den nächsten fünf Jahren.

Vage in ihren Aussagen bleibt die SPD. In dem bald vorliegenden Flyer spielen das Naturbad und der Kultursaal keine Rolle, erklärt Spitzenkandidat Richard Ringeis. Beide Vorhaben halte er aber für wichtig. Falls er entscheiden müsse, welches Projekt umgesetzt werden soll, würde er für den Bau des Kultursaals stimmen. Eher zur Kulturhalle als zum Naturbad tendiert auch Clemens Heydrich, der für die FDP ins Rennen geht: "Im Moment sehen wir das aber als Zusatzaufgabe, die uns nicht so relevant erscheint." Zukunftsvisionen seien zwar sehr schön. Zuerst gelte es jedoch, städtische Pflichtaufgaben zu erfüllen. Da sieht Clemens Heydrich Nachholbedarf.


Naturbad auf dem Freibadgelände

Die geschätzten Kosten für den Bau eines Naturbades betragen 2,3 Millionen Euro. Momentan gibt es laut Stadt dafür keine Fördermittel. Gerechnet wird mit jährlichen Folgekosten (mit Abschreibung, Zins und Tilgung) von knapp 314.000 Euro. Die Einnahmen werden auf 18.400 Euro geschätzt - Eintrittsgelder, die vom Besucheraufkommen abhängen.

Der mögliche Neubau ist laut Stadtratsbeschluss von 2014 als Naturbad geplant. Das bedeutet den Verzicht auf chemische Wasseraufbereitung. Ein massives Becken ist aber geplant.


Kulturhalle auf der Kino-Brache

Die Investition beläuft sich auf etwa 7,6 Millionen Euro. Laut Absichtserklärung aus dem Sächsischen Innenministerium kann der Freistaat 70 Prozent Fördermittel zuschießen. Der Eigenanteil der Stadt würde somit auf rund 2,2 Millionen Euro reduziert. Für den Betrieb (mit Abschreibung, Zins und Tilgung) sind jährliche Ausgaben von knapp 331.000 Euro kalkuliert.

Mit Einnahmen von rund 70.000 Euro wird gerechnet. Der Kreis hat laut Stadt Interesse bekundet, die Musikschule anzusiedeln und sich finanziell zu beteiligen.

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