Neben Erinnerungen und Fotos blieb auch ein echter Blaumann

Heute vor 50 Jahren verunglückte Hans Weber bei einer Geländefahrt in Harrachov tödlich. Reginald Weber aus Venusberg hält das Vermächtnis seines Onkels in Ehren.

Venusberg.

Zwei Offiziere der Nationalen Volksarmee (NVA) seien in der Nacht gekommen, um seinen Eltern die Nachricht zu überbringen. Auch an die Beerdigung seines Onkels könne er sich noch ganz gut erinnern. "Die Trauerfeier war fast wie ein Staatsbegräbnis - so viele Leute waren auf den Friedhof nach Drebach gekommen", sagt Reginald Weber, der Neffe des am 24. Mai 1969 bei einer Geländefahrt in Harrachov tödlich verunglückten Motorradgeländefahrers Hans Weber. Die DDR-Mannschaft hatte daraufhin den Wettbewerb abgebrochen.

Der gebürtige Ehrenfriedersdorfer gehörte in den 1960er-Jahren zu den besten Geländefahrern des Landes. Nachdem Hans Weber 1960 als 19-Jähriger bei "Rund um die Dittersdorfer Höhe" sein erstes Rennen bestritt, wurde er im Jahr darauf bereits Dritter der DDR-Meisterschaft. Bis 1967 schaffte es der für den Armeesportklub (ASK) Vorwärts Leipzig startende Motorsportler mit seiner 250er-MZ dann sogar viermal ganz hinauf aufs nationale Siegertreppchen.


Doch der Haudegen aus dem Erzgebirge schrieb auch an der internationalen Erfolgsgeschichte der grobstolligen Zweitakter aus Zschopau ein bedeutendes Kapitel mit. 1963 gehörte Hans Weber zur legendären Mannschaft, die bei der Internationalen Sechstagefahrt in Spindlermühle im tschechischen Riesengebirge den ersten Sieg für die DDR einfuhr. Und auch bei den vier darauffolgenden Triumphen der DDR-Trophy in Erfurt, auf der Isle of Man, im schwedischen Villingsberg und in Zakopane zählte der MZ-Pilot zum siegreichen Six-Days-Sextett.

1967 - nach dem fünften internationalen Meisterstück in Folge - wurde das von Walter Winkler geleitete Trophy-Team, zu dem neben Hans Weber Peter Uhlig, Werner Salevsky, Karlheinz Wagner, Klaus Teuchert und Klaus Halser gehörten, in der DDR zu den "Sportlern des Jahres" gewählt. Uhlig, Halser, und Teuchert trainierten wie Weber als NVA-Angehörige beim ASK Vorwärts Leipzig, Salevsky und Wagner waren als Werksfahrer bei MZ angestellt.

"Ich habe meinen Onkel noch fahren sehen", berichtet Reginald Weber. "Er war ein prima Kerl. Ich erinnere mich, dass er immer genau wusste, was er wollte", sagt der 57-Jährige und zeigt auf eine große eingerahmte Tafel mit Fotos des Geländefahrers und Sportsoldaten. Neben den Kindheitserinnerungen, den Schwarz-Weiß-Aufnahmen und Zeitungsausschnitten hat der Venusberger unter anderem auch noch jede Menge Medaillen und einen "Blaumann" seines Onkels - "mit Original-ASK-Aufschrift". Das Kinderfahrrad, das ihm der Bruder seines Vaters von einem Rennen aus Italien mitgebracht hat, besitze er ebenfalls noch.

Heinz Weber war wie sein Bruder Hans Rennfahrer. "Das Gelände war allerdings nicht so sein Ding. Er fuhr mehr Straßen- und Bergrennen sowie Skikjöring", berichtet Reginald Weber von seinem Vater, der bis zu einem schweren Unfall als Versuchsfahrer bei MZ gearbeitet hat. "Nach dem Tod seines Bruders ist mein Vater innerhalb eines Jahres grau geworden", erinnert sich Reginald Weber.

Das tragische Unglück am 24. Mai 1969, als Hans Weber am ersten Tag des Europameisterschaftslaufes in Harrachov schwer stürzte und wenig später - neun Tage nach seinem 28. Geburtstag - im Krankenhaus verstarb, habe aber auch sein eigenes Leben beeinflusst, glaubt Reginald Weber. Er sei zwar auch Motorrad- und Motorsport-Fan, mag es jedoch um Längen ruhiger als der Onkel und der Vater, sagt der leidenschaftliche Oldtimer-Freund und Besitzer von mehreren vier- und zweirädrigen Raritäten.

Ruhe wird der Venusberger auch heute suchen - am Grab seines Onkels auf dem Friedhof in Drebach. Im Schlosshof von Schloss Wildeck in Zschopau steht ein Gedenkstein für Hans Weber sowie zwei weitere verstorbene Mitglieder der damaligen Mannschaft, Peter Uhlig (1940 - 1971) und Werner Salevsky (1940 - 1991).

In einem Fachvortrag im Hasensaal im Schloss Augustusburg berichten Bernd Uhlmann (dreifacher Six-Days-Sieger) und Christian Steiner (MZ-Historiker) am heutigen Freitag über die großen Renn- und Geländesporterfolge von MZ in den 1960er-Jahren und die herausragende Rolle des Chefs des MZ-Rennkollektives, Walter Kaaden. Beginn ist 16 Uhr, Einlass ab 15.30 Uhr.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...