Neue Postkarte für Gornau: Ein Motiv steht schon fest

Das Haus von Monika und Bernd Morgenstern wird Teil des neuen Aushängeschildes für den Ort. Es handelt sich um eines der ehemaligen sechs Neubauerngüter, die nach der Bodenreform für Umsiedler gebaut wurden.

Gornau.

Das moderne Ortsbild der Gemeinde Gornau soll alle Welt kennenlernen. Dafür könnte eine neue Postkarte sorgen, die von der Gemeindeverwaltung in Auftrag gegeben wird. "Was sich genau auf dem neuen Aushängeschild des Ortes befindet, wissen wir derzeit noch nicht", erklärt Bürgermeister Nico Wollnitzke (CDU) auf Anfrage. Die Idee sei spontan bei der Auswertung für die drei am schönsten geschmückten Häuser anlässlich des Schul- und Heimatfestes entstanden. "In unserem Ort hat sich gegenüber der jüngsten, acht Jahre alten Ansichtskarte viel verändert. Dem wollen wir Rechnung tragen", so der Ortschef.

Doch ein Motiv stehe derzeit schon fest, verweist Wollnitzke auf das Haus von Monika und Bernd Morgenstern, die erst zur Abschlussveranstaltung im großen Festzelt von ihrem Glück erfuhren. "Wir wussten bis dahin nicht, dass eine neue Postkarte in Auftrag gegeben wird", so die Besitzer des Schmuckstücks.

Das Haus gehört zu den sechs Neubauerngütern, die nach der Bodenreform für Umsiedler auf den Grund des ehemaligen Lehngutes gebaut wurden. Streng gedrittelt in Wohnhaus, Stall und Scheune gaben die Bauern mit der LPG-Gründung ihren Landwirtschaftsbetrieb auf und verkauften die Anwesen. "Mein Vater erwarb unser Häuschen 1961, wechselte vom Polizisten zum Landwirt und beherbergte im Stall alles, was vier Beine hatte", erinnert sich Monika Morgenstern und lacht. Nach dem Tod von Hans Lorenz im Jahr 1989 zog die gebürtige Gornauerin mit ihrem Ehemann Bernd und den inzwischen erwachsen gewordenen Kindern aus dem Chemnitzer Lutherviertel zurück nach Gornau. "Ich möchte die Jahre in Chemnitz nicht missen, doch etwas Sehnsucht nach der ländlichen Idylle hatte ich all die Jahre schon." Auch die Mutter wollte man nicht alleinlassen.

Aus Stall und Scheune wurde das Wohnhaus der Morgensterns. "Außer dem Dach erinnert heute nichts mehr an das Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Neubauernhauses", erklärt Bernd Morgenstern. Mit Landwirtschaft hatte das Ehepaar nichts im Sinn. "Die Alpakaherde auf der Wiese am Grundstück dient in erster Linie der Wollgewinnung", stellt die 63-Jährige klar, zeigt ihren Webstuhl und das alte Spinnrad in der kleinen Bauernstube, die im ehemaligen Wohnhaus eingerichtet ist.

Die Paarhufer aus Peru sind im weitesten Sinne auch verantwortlich für das Wandbild an der neuen Häuserfront. "Bei einem befreundeten Züchter habe ich eine Fassadenmalerei gesehen und war hin und weg", blickt die ehemalige Fußpflegerin zurück. Schnell war der Kontakt zu Matthias Nestler hergestellt. Der Illusions- und Lüftlmaler aus Geyer fand die gewünschte Hausfront für seine Kunst geeignet und nahm den Auftrag an. Seine Bedingung: Die Motivwahl sei Sache der Morgensterns. An die frühere Bestimmung des Hauses sollte die Magd beim Füttern der Tiere erinnern, der Vater und sein Pferdefuhrwerk sollten nicht fehlen und das Spinnrad ein historisches Handwerk verbildlichen, das heute noch im Haus gepflegt wird.

Nur mit einer Skizze in der Hand habe der Künstler das Gemälde Schicht für Schicht mit einer Putzfarbe aufgetragen. "Innerhalb von drei Wochen war die Sache gegessen", erinnert sich Bernd Morgenstern. Mit "Das Bild überlebt euch", habe Matthias Nestler die Haltbarkeit seiner Arbeit zugesichert. Das war 2003, und noch immer leuchten die Farben hell und klar wie am ersten Tag. "Sehr zur Freude der Spaziergänger, die seitdem vor unserem Haus stehen bleiben und den Fotoapparat zücken."

Voraussichtlich im Frühjahr soll die neue Ansichtskarte von Gornau in Druck gehen. Spätestens dann steht fest, wer sich außer Monika und Bernd Morgenstern noch über neugierige Zaungäste freuen darf.

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