Neueröffnung mit frischem Blut und rauchigem Whisky

Eigentlich wollte Kerstin Uhlmann ihren Laden für Herrenbekleidung schon schließen. Nun feierte die Zschopauerin die Neueröffnung - mitsamt ihrer Nachfolgerin und einem neuen, hochprozentigen Angebot.

Zschopau.

Manchmal liegt die Lösung eines Problems direkt um die Ecke. Im Fall von Kerstin Uhlmann sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Zschopauerin, die das 1932 von ihrem Schwiegeropa Conrad Schmidt eröffnete, gleichnamige Modegeschäft auf der Ludwig-Würkert-Straße altersbedingt schon schließen wollte, hat nach zunächst vergeblicher Suche nun doch eine Nachfolgerin gefunden. Nur ein paar Häuser weiter Richtung Markt wohnt Cindy Mai, für die der Laden eine willkommene Herausforderung darstellt. "Ständig am Schreibtisch zu sitzen, war nichts für mich", sagt die gelernte Bürokauffrau, die sich am Samstag bei der Neueröffnung des Herrenausstatters einen Eindruck von ihrem künftigen Berufsalltag verschaffte.

Auch das Füllen von Gläsern mit alkoholischen Getränken dürfte öfter zu den Aufgaben gehören. Denn das wurde am Samstag nicht nur getan, um auf die Neueröffnung anzustoßen. 25 Whisky- und neun Weinsorten gehören jetzt zum festen Angebot im Geschäft. Außen prangt weiter der Namenszug "Conrad Schmidt", doch innen hat sich während der einmonatigen Renovierung einiges verändert. "Wir haben die Wände gestrichen, die Schränke neu aufgeteilt und eine gemütliche Ecke für die Whisky-Verkostung eingerichtet", erzählt Kerstin Uhlmann, die schon 2018 auf diese Idee kam. "Damals hatten wir uns aus dem Urlaub Whisky mitgebracht. Weil unsere Bekannten so begeistert waren, wollte ich nachbestellen und kam mit dem Anbieter ins Gespräch", berichtet die 62-Jährige, die vom Konzept einer Whisky-Verkostung samt Verkauf sofort begeistert war. In Schottland und Wales sei das für echte Gentlemen in einem Kleiderladen nichts Außergewöhnliches. Und auch im Erzgebirge ist Nachfrage vorhanden. 300 Flaschen gingen bisher über den Ladentisch: "Es gab Tage, da habe ich mehr Whisky verkauft als Oberhemden." Dies bestärkte Kerstin Uhlmann darin, ihrer Nachfolgerin ein zweites Standbein zu hinterlassen.

Hauptgeschäft bleibt aber natürlich die Herrenbekleidung. "Vor allem die Hochzeitsberatung ist ein wichtiger Zweig geworden", betont die Noch-Ladeninhaberin, die Cindy Mai ein Jahr lang einarbeiten und unterstützen will. "Dieses Geschäft läuft. Es wird mehr geheiratet", sagt die Zschopauerin, die für solche Anlässe Extra-Termine vergibt, um sich mit ihren Kunden für das festliche Sortiment viel Zeit nehmen zu können. Gezielt kann sie dann auf die Wünsche eingehen, was übrigens auch meist im Alltag der Fall sei. "Männer sind Bedarfskäufer, Frauen eher Frustkäufer", findet Kerstin Uhlmann, die im Frühjahr meistens mehr zu tun hat, weil die Saison der Festlichkeiten beginnt. Dem Höhepunkt im Mai folge jedoch stets das Sommerloch. "Es ist immer ein saisonales Auf und Ab", sagt die gelernte Pharmazieingenieurin. Mitunter habe sie es bereut, von der Apotheke auf Herrenbekleidung umgestiegen zu sein. Doch wie ihre Schwiegereltern, die es zu DDR-Zeiten schwer hatten, meisterte auch sie jede Krise.

"Es gibt ja auch die vielen schönen Momente. Manchmal habe ich sogar Tränen in den Augen, wenn sich die Kunden nach einer Hochzeit bedanken", berichtet Kerstin Uhlmann, die damit zugleich ihre Nachfolgerin motiviert. Doch Cindy Mai braucht das eigentlich gar nicht, denn sie ist auch so voller Vorfreude und Tatendrang. Wie ihr Mann Sebastian Mai, der einen Online-Handel für Mountainbikes und eine Food-Company betreibt sowie als Franchisenehmer einer großen Fleischerei tätig ist, wagt sich auch die 28-Jährige voller Mut in die regionale Wirtschaft. Gut sei, "nicht bei Null anzufangen, sondern auf eine Stammkundschaft bauen zu können". Zu der gehört Jonny Kücker, der am Samstag mal wieder im Laden vorbeischaute. "Es ist schön, nicht extra nach Chemnitz fahren zu müssen", sagt der Zschopauer, der es diesmal auf einen universellen Anzug abgesehen hatte - und dabei gleichzeitig einen Blick auf das neue Whisky-Sortiment werfen konnte.

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