Oberlaube soll Leben eingehaucht werden

Anne-Desiree und Jens Daniel lieben alte Häuser. Nun haben sie ein besonderes historisches Gebäude in Falkenbach erworben. Was damit passieren soll? Ideen haben die Eigentümer genügend.

Falkenbach.

Sie ist alt und nicht gerade eine Schönheit. Trotzdem strahlt die Oberlaube im Wolkensteiner Ortsteil Falkenbach etwas aus. Anne-Desiree Daniel und ihr Ehemann Jens haben das historische Gebäude, das sich nur ein paar Meter von ihrem Wohnhaus entfernt befindet, gekauft. Doch warum legt sich ein Ehepaar ein altes, unter Denkmalschutz stehendes Haus zu? Und was passiert mit der im Ort für Zusammenkünfte gern genutzten Oberlaube?

"Wir lieben alte Gebäude, denn die haben Charakter und eine eigene Geschichte. Darum haben wir es gekauft. Nicht nur für uns, sondern für das gesamte Dorf", sagt Anne-Desiree Daniel. Das Ehepaar besitzt bereits ein altes Wohnhaus mit Fachwerk und Scheune - nur ein paar Meter von der Oberlaube entfernt. "Das haben wir selbst wieder aufgebaut, natürlich nur mit tatkräftiger Hilfe", erzählt Jens Daniel. Seine Frau arbeitet als Bankbetriebswirtin. Er war im ersten Beruf als gelernter Zimmerer tätig, wechselte aber von den groben Spänen zu den kleinen Daten und verdient seine Brötchen seither als Systemelektroniker. Das Ehepaar hat zwei gemeinsame Kinder. Und seit Ende 2018 auch die zwei Häuser in Falkenbach.

Anne-Desiree und Jens Daniel sind gebürtige Erzgebirger, sie stammt aus Arnsfeld, er aus Ehrenfriedersdorf. Ihre Kinder waren ausschlaggebend für die Wahl des heutigen Heimatortes. Und ins dörfliche Leben in Falkenbach haben sie sich gut integriert. Unter anderem baute Jens Daniel eine Laufgruppe beim SV Falkenbach auf.

"Wenn man mit der Kinderkutsche durch das Dorf geht, kommt man schnell ins Gespräch", sagt Anne-Desiree Daniel. Genau bei so einem Spaziergang kamen die Daniels zwangsläufig an der Oberlaube vorbei. Das Gebäude ist in den 1990er-Jahren aufwändig saniert worden, als es noch im Besitz der Stadt Wolkenstein war. Hier wurden auch Stadtratssitzungen abgehalten. Die Besonderheit des Fachwerkhauses: ein Laubengang, von dem aus alle Räume abgehen. Dieser Baustil war schon im alten Rom und in Ländern Südeuropas verbreitet, bevor dieser in Deutschland von den Bauhaus-Architekten eingesetzt wurde. In Falkenbach war das Haus Teil des Ensembles eines Vierseitenhofes. Heute sind zwei Seiten des Hofes - darunter das alte Erbgericht - dem Verfall preis gegeben.

Anne-Desiree und Jens Daniel hatten die Oberlaube wiederentdeckt, als das Gebäude im Amtsblatt zum Verkauf angeboten wurde. Vor einem Jahr kaufte das Ehepaar die Oberlaube schließlich für einen niedrigen fünfstelligen Betrag. Fördermittel gab es dafür keine, sagt Jens Daniel. Vielmehr seien die Kosten für die Vermessung noch dazugekommen.

Im Inneren beherbergt das historische Gebäude unter anderem ein Herrenzimmer mit einem einen Billard- und einem Skattisch sowie ein Mädelsraum, der als Bastelstube genutzt wird. Und davon soll auch weiterhin das Dorf profitieren. Visionen, was mit dem Gebäude passieren soll, haben die Daniels viele. "Ich hatte im Hof schon einen Krempelmarkt organisiert, der fortgesetzt werden soll. Ein Fest anlässlich 30 Jahre Oberlaube wollen wir ebenfalls organisieren. Das Bastelangebot für Kinder soll weitergehen, das Gebäude könnte auch zum kulturellen Zentrum des Ortes werden - inklusive Musikveranstaltungen. Es muss Leben hinein, dann bleibt so ein altes Gebäude auch erhalten", sagt Anne-Desiree Daniel.

Ihr Ehemann will alles über die Geschichte des Hauses erfahren. "Uns ist nicht einmal das Jahrhundert bekannt, in dem die Oberlaube erbaut wurde. Die Unterlagen dazu sind in Annaberg-Buchholz im Archiv, aber das wird umstrukturiert und dadurch war noch keine Recherche möglich", sagt Jens Daniel.


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