Ökopunkte: Das "Gold" für Kommunen

Ein Novum für die Stadt: Marienberg investiert fast 186.000 Euro in sogenannte Ökopunkte. Doch was hat es damit auf sich?

Marienberg.

Oberbürgermeister André Heinrich (parteilos) bezeichnet sie als Goldbarren für Marienberg. Damit meint er sogenannte Ökopunkte, die die Stadt erstmals überhaupt erworben hat - für einen sechsstelligen Betrag. Der Stadtrat stimmte mehrheitlich bei einer Gegenstimme der außerplanmäßigen Ausgabe und dem Kauf von einem privaten Forstunternehmen zu. Das Investment, das aus der Liquiditätsreserve gedeckt wird, beläuft sich auf fast 186.000 Euro. "Wir haben uns im Stadtrat noch nie mit dieser Problematik auseinandergesetzt", sagt Heinrich. Doch was hat es mit den Ökopunkten auf sich?

Will eine Kommune ein neues Bauprojekt angehen, bei dem Fläche versiegelt wird, müssen in der Regel Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden - das heißt, Pflanzungen oder Renaturierungen vornehmen. Alternativ kann die Stadt sich aber auch ein Ökokonto anlegen und mit Punkten füllen. Wandelt ein Privatunternehmer beispielsweise einen Acker in eine Streuobstwiese um, kann er sich Ökopunkte gutschreiben lassen, die er wiederum an Kommunen oder einem anderen Bauträger verkaufen darf. Die Kommune wiederum kann diese Punkte bei Bedarf als Ausgleich für ein Bauprojekt einsetzen.

Marienbergs OB nennt als Beispiel den geplanten Radweg entlang des alten Bahndamms von der Bergstadt nach Reitzenhain. Die Ökopunkte könnten als Ausgleichsmaßnahme dafür eingesetzt werden. Der Freistaat Sachsen erkenne dieses Vorgehen an, erklärt Heinrich. "Wir können die Punkte aber auch selbst wieder veräußern und zu Geld machen. Auf Anfrage von AfD-Stadtrat Johannes Wolf erläutert der Oberbürgermeister, dass es nicht günstiger wäre, würde die Stadt selbst renaturieren. Trotzdem wolle die Verwaltung genau hinschauen, wo sie selbst Ökopunkte sammeln könne - wie beim Brachenabriss.

Grünen-Stadtrat Kay Meister begrüßt das Vorgehen. Denn oft würden Eingriffe in die Natur im Erzgebirge woanders ausgeglichen. "Wir haben den Schaden im Erzgebirge, andere in den Städten den Nutzen." Lediglich René Schubert von der AfD erachtet die Methode als widersprüchlich: "Die Stadt versiegelt immer mehr Flächen, baut demnächst in Lauta ein neues Wohngebiet auf einer Ackerfläche voll. Das passt für mich nicht zusammen."

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