Opas Puppenklinik in Gelenau begeistert Enkelinnen

Gabor Zsitva hat sich aus Leipzig auf den Weg ins Erzgebirge zum Depot Pohl-Ströher gemacht. Im Schlepptau Marie und Emma, die unbedingt wiederkommen möchten.

GELENAU.

Dass Opa und Oma in Leipzig einmal auf einer großen Opernbühne vor den Augen vieler Zuschauer getanzt haben, wissen die fünfjährige Marie und ihre drei Jahre ältere Schwester Emma aus den Erzählungen ihrer Eltern. "Und danach haben sie in einer richtigen Puppenklinik als Doktor gearbeitet", berichten die Mädchen. Allerdings konnten sie sich bislang nicht richtig vorstellen, wie Opa Gabor Zsitva und seine Ehefrau Heidemarie als "Dr. Pupp" in Leipzig Puppen geheilt haben.

Seit einem Besuch mit ihrem Großvater zur diesjährigen Sommerschau im Gelenauer Depot Pohl-Ströher wissen sie mehr. Dort steht das Vermächtnis der Großeltern und erinnert auch an Oma Heidemarie, die 2011 einem Krebsleiden erlag und ihre Enkeltöchter nicht kennenlernen durfte. "Die Puppenklinik in der ersten Etage unseres Depots war der Anfang unserer lebendigen Ausstellungsgeschichte zur ersten Weihnachtsschau im Jahr 2010", erinnert sich Michael Schuster und freute sich über die unangemeldeten Gäste aus der Messestadt. "Wir haben uns seit dieser Zeit nicht wiedergesehen."

Mit mobilen Schaukästen, die acht Berufe der historischen Spielzeugherstellung erklären und heute noch in Gelenau zu bewundern sind, ist der Depotleiter damals in sächsischen Großstädten unterwegs gewesen, um noch vor dem Start der ersten Schautage in großen Einkaufszentren auf die einmalige Sammlung der Schweizerin Erika Pohl-Ströher aufmerksam zu machen. "Schnell war die Idee geboren, die Darstellungen mit der Arbeit eines richtigen Puppendoktors zu ergänzen."

Heidemarie und Gabor Zsitva waren in Leipzig keine Unbekannten und hatten sich als Restauratoren und mit dem Verkauf von Puppen und Teddys renommierter Hersteller wie Steiff, Schildkröt oder von Käthe Kruse längst einen Namen gemacht. "Begeistert waren wir von der Idee nicht", blickt Gabor Zsitva zurück. "Uns fehlte schlicht die Zeit für solche Aktionen." Außerdem trug sich das Ehepaar mit dem Gedanken, das Geschäft aufzulösen, die Puppenwerkstatt samt Zubehör zu veräußern und den verdienten Ruhestand anzutreten. "Bei mir läuteten sofort die Alarmglocken", sagt Michael Schuster und wurde sich schnell mit Erika Pohl-Ströher über den Ankauf einig. Auch für das Ehepaar Zsitva war das Zusammentreffen ein Glücksumstand. "Auf diese Weise ist unsere Puppenklinik als Ganzes erhalten geblieben und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich", freut sich der 76-Jährige noch nach zehn Jahren.

Heute herrscht Miriam Richter über das Reich des gebürtigen Ungarn und seiner Frau Heidemarie. Schier endlos ist der Bestand an Ersatzteilen und Zubehör, auf den die Puppendoktorin während ihrer Schauvorführungen im Gelenauer Depot noch immer zurückgreifen kann und der die Enkelinnen von Gabor Zsitva in Erstaunen versetzte. In den alten Truhen, Schränken und Regalen entdeckten sie Tausende Puppenersatzteile - Gliedmaßen, Perücken, Puppenbekleidung, Klangkörper aus dem Inneren von Teddys oder auch strahlende Puppenaugen, die auf eine Transplantation warten. Selbst Opas leim- und farbbeschmierte Arbeitsschürze hängt heute noch neben seiner alten Werkbank.

"Für uns war die Puppenklinik von Heidemarie und Gabor Zsitva essenziell für den Depotstart", bekräftigt Schuster und hofft auf ein baldiges Wiedersehen mit dem ehemaligen Besitzer. Marie und Emma hat er auf seiner Seite. "Wir wollen bald wiederkommen und auch unsere Eltern mitbringen", versicherten die Mädchen zum Abschied.

Die Sommerschau im Gelenauer Depot Pohl-Ströher, Emil-Werner-Weg 96 ist bis 12. August Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

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