Papphühner gesellen sich zu echten Tieren

In der Turnhalle der Evangelischen Oberschule in Großrückerswalde geht es am Wochenende hoch her. Doch was haben Bruteier damit zu tun?

Großrückerswalde.

Es gackert, kräht und raschelt wieder in der Turnhalle der Evangelischen Oberschule in Großrückerswalde. Verursacht wird die Geräuschkulisse am Wochenende aber nicht von den Schülern der Einrichtung, sondern vom rassigen Geflügel und den rassigen Kaninchen, die der Großrückerswalder Rassegeflügelzüchterverein gemeinsam mit den Kaninchenzüchtern heute und morgen dort zur Schau stellt.

"Außerdem sind 25 Hühner aus Pappmaschee zu sehen", so der Vorsitzende des Rassegeflügelzüchtervereins, Gottfried Schreiter, schmunzelnd. Angefertigt haben diese kunstvollen Exemplare Schüler der fünften Klassen der Evangelischen Oberschule "Erhard und Rudolf Mauersberger". "Im Frühjahr dieses Jahres haben Vereinsmitglieder den Schülern Bruteier zur Verfügung gestellt, die dann in der Schule ausgebrütet wurden. Als Dankeschön dafür bereichern die Schüler jetzt unsere Schau", so Schreiter.

Die Tiere aus Fleisch und Blut, die von den Züchtern ausgestellt werden, sind bereits gestern von insgesamt sieben Wertungsrichtern begutachtet und bewertet worden. Einer von ihnen war Andreas Stephan aus Leubsdorf, der selbst seit mehr als 40 Jahren Zwergenten züchtet. "Auf der letzten Hauptsonderschau habe ich für fünf meiner Tiere jeweils das Prädikat 'V' für ,Vorzüglich' bekommen", so der 57-Jährige stolz. Seit dem Jahr 2000 agiert er selbst als Wertungsrichter für Hühner, Zwerghühner sowie Wassergeflügel.

"Etwa 80 Tiere bewertet jeder Juror bei einer Ausstellung wie hier. Ich nehme jedes der Tiere etwa drei bis vier Minuten in Augenschein", berichtet Andreas Stephan, der sich vor Beginn der Bewertung erst einmal einen Überblick über alle Tiere in der Halle verschafft hat. Grundlage der Bewertung ist der sogenannte Rassestandard, in dem die charakteristischen Merkmale, die als Zuchtziel angestrebt werden, definiert und festgeschriebenen sind. Dank der Bewertung eines dafür qualifizierten Richters bekommt der Aussteller ein Bild davon, inwieweit sein Tier diesem Standard entspricht - je höher die Punktzahl, desto näher kommt das Tier dem im Rassestandard beschriebenem Ideal.

Bei der Bewertung werden zum Beispiel Kriterien wie die Größe, der Körperbau und die -haltung mit dem Ideal verglichen. 97 Punkte sind das Maximum und werden mit dem Prädikat "Vorzüglich" bewertet. 96 Punkte ergeben ein "Hervorragend"; 93 bis 95 Punkte ein "Sehr gut".

Am Beispiel eines Huhns der Rasse Thüringer Bartzwerge erläutert der Wertungsrichter weitere Kriterien: "Die Tupfenzeichnung sowie die Form der Federn sind die Hauptrassemerkmale: Die Tupfenzeichnung soll rund und die Federn breit sein. Das Tier muss zudem, wie dieses, sauber sein", sagt Andreas Stephan und vergibt die Höchstwertung "Vorzüglich". "Wenn ich dieses Prädikat vergebe, muss ein weiterer Wertungsrichter das Tier begutachten", erklärt Andreas Stephan.


Züchter kommen auch aus umliegenden Orten

Die Großrückerswalder Rassegeflügelzüchter veranstalten ihre 83. Vereinsschau; zum 26. Mal gemeinsam mit den Kaninchenzüchtern. Gezeigt werden knapp 500 gefiederte Tiere in mehr als 80 Rassen und Farbenschlägen. An der Schau sind 28 Geflügelzüchter beteiligt.

Die 39 Vereinsmitglieder kommen nicht nur aus Großrückerswalde, sondern auch aus umliegenden Orten wie zum Beispiel Wolkenstein, Gebirge, Kühnhaide, Zöblitz und Marienberg. Dort gibt es keine eigenen Geflügelzüchtervereine mehr.

Zu sehen sind in der Turnhalle der Evangelischen Oberschule neben dem Rassegeflügel auch 85 Rassekaninchen. Die Tiere stammen von 14 Rassen ab und werden von 15 Züchtern aus Großrückerswalde, Streckewalde und Mauersberg präsentiert. "Im vergangenen Jahr waren es mit 71 Tieren viel weniger", so der Vereinsvorsitzende Gottfried Schreiter.

Die Schau ist heute von 10 bis 20 Uhr und morgen von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 2 Euro, Kinder haben freien Eintritt. (faso)

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