Pokal für beste Vorleser steht weiter in Johanngeorgenstadt

Lesen können, das ist für die Mädchen und Jungen aus Schulen mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung nicht selbstverständlich. Aber möglich. Ein Können, das nicht nur sie selbst beflügelt.

Johanngeorgenstadt.

Die Aufregung ist groß, aber laut ist es nicht im Kirchgemeindehaus von Johanngeorgenstadt. Ganz im Gegenteil. Die meisten Mitstreiter des Wettbewerbs und ihre mitgereisten Fans sitzen still und hoch konzentriert auf den Stühlen und warten.

Die mittlerweile siebente Auflage des Vorlesewettbewerbs beginnt am Dienstagmorgen mit leichtem Zeitverzug. "Die Marienberger sind noch nicht da, aber wir wollen auf sie warten", erklärt Peter Werner. Der promovierte Pädagoge ist der Leiter der Brünlasbergschule in Aue. Auch aus seiner Schule sind zwei Starter im Wettbewerb, zudem gehören die Johanngeorgenstädter als Außenstelle ebenfalls zu seinen Schützlingen.


Die Idee, einen Vorlesewettbewerb für Schüler der Schulen mit dem speziellen Förderschwerpunkt geistige Entwicklung überhaupt zu initiieren, stammt von Angela Kreher. Die Lehrerin aus dem Förderschulzentrum Oelsnitz stieß damit auf offene Ohren bei vielen Kollegen. "Wir wollen damit eigentlich zeigen, dass es sehr wohl möglich ist, dass unsere Schützlinge lesen lernen können", betont sie. Das wiederum sei keineswegs selbstverständlich, aber eben möglich. Diese Leistung sei nicht hoch genug zu würdigen. An jeder Schule mit diesem Förderschwerpunkt gebe es Lesegruppen. Und diese sind als Publikum mitgereist. "Wir haben außerdem gemerkt, dass der Wettstreit die Schüler zusätzlich zum Lesen animiert", meint Angela Kreher und sieht damit das Anliegen ihrer Initiative schon gut erfüllt. Dass sich mittlerweile alle sechs dieser Einrichtungen aus dem Erzgebirgskreis beteiligen, sei besonders toll.

Inzwischen sind die Marienberger da. Das Warten hat ein Ende. Zwei Lieder, dargeboten von den Gastgebern, lockern die Gäste nochmals auf, dann wird die Jury vorgestellt. Fünf völlig unabhängige Zuhörer - darunter auch eine Schülerin des Elite-Gymnasiums des Sports Oberwiesenthal und die Bibliothekarin der Bergstadt - nehmen an einem langen Tisch Platz. Das Mikrofon und das Lesepult werden in Positur gebracht: Nico-Joel Köhler aus Oelsnitz macht den Anfang. Ihm ist die Aufregung kaum anzumerken. Mit fester Stimme liest er aus dem Buch "Mein Beschützer, der Wolf".

Jeder der zwölf Vorleser, darunter Tom Neubert und Benjamin Knab von der Johann-Ehrenfried-Wagner-Schule in Marienberg, muss zunächst einen Text lesen, den er sich selbst aussuchen und vorher üben konnte. Lesezeit etwa drei Minuten. Dem einen gelingt es mehr, dem anderen weniger, die Zuhörer mitzunehmen. Aber alle packen das. Genauso wie die zweite Herausforderung: Das Lesen eines unbekannten Textes.

Am Ende ist es nur ein Punkt, der zwischen Platz 1 und Platz 2 entscheidet. Marie Jenett sichert mit diesem knappen Vorsprung den Johanngeorgenstädtern den gläsernen Wanderpokal für ein weiteres Jahr. Platz 2 und 3 gehen an Maja Schikora und Josephine Forner von der Brünlasbergschule in Aue.

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