Premiere weckt großes Interesse und schöne Erinnerungen

Wie gern und wie gut auch Rentner noch tanzen, ist beim ersten Gelenauer Tanzkaffee zu erleben gewesen. Für einige Gäste erwies sich die Veranstaltung sogar als Reise in die eigene Vergangenheit.

Gelenau.

An jenen Tag vor 60 Jahren kann sich Werner Schmidt noch genau erinnern. "Da hat das Gerhard-Decker-Tanzorchester hier gespielt", erzählt der Gelenauer, der damals im Gasthaus "Zur Katze" seine Frau Christine kennenlernte. Mit ihr nun an gleicher Stelle wieder tanzen zu dürfen, war für Schmidt ein tolles Erlebnis. Auch wenn statt Gerhard Decker diesmal Schlager-Sängerin Mirella aus Amtsberg auf der Bühne stand. Trotzdem war der Rentner begeistert von der Premiere des Gelenauer Tanzkaffees, das reichlich 100 Senioren in die "Katze" lockte.

Das erste Lied hatte noch nicht einmal begonnen, da gab es schon viele innige Umarmungen. "Wir fahren doch sonst nur aneinander vorbei", sagte zum Beispiel eine Besucherin und drückte eine andere herzlich. Während einige sich länger nicht gesehen hatten und daher auch die Gespräche genossen, kamen andere gleich als Gruppe. "Wir sind zwei Ehepaare, die mindestens einmal im Monat ausgehen", sagte Annemarie Seidel aus Jahnsbach stellvertretend für ihre Begleiter.


Gelegenheiten bieten sich einige, denn zum Beispiel im Thumer Volkshaus gibt es einige Angebote für die ältere Generation. Auch in Orten wie Annaberg, Zschopau oder Marienberg treffen sich regelmäßig Fans des Seniorentanzes. "Man braucht etwas, um aktiv zu bleiben", erklärt Christia Fritzsch, die dafür sogar weite Fahrten in Kauf nimmt. Mit ihrem 91-jährigen Lebensgefährten kommt sie jedes Mal aus Raschau, um die Gesellschaft zu genießen und auf der Tanzfläche Rhythmusgefühl zu beweisen.

"Aber mancherorts sind solche Veranstaltungen wieder eingeschlafen", gibt Annemarie Seidel zu bedenken, was mitunter auch am eigenen Anspruch liegen könnte. "Rentner wollen es nun einmal niveauvoll", sagt die Jahnsbacherin schmunzelnd. Und genau deshalb sei sie vom Tanzkaffee in Gelenau so beeindruckt gewesen: "Wenn das Niveau so hoch bleibt, wird hier immer viel los sein." Die räumlichen Gegebenheiten in der "Katze" kamen bei vielen ebenso gut an wie die Bewirtung und die Musik.

Solche Komplimente hört Knut Schreiter gern. "Wir sind überwältigt von der Resonanz", sagt der Gelenauer Bürgermeister, der anfangs noch mit Zweifeln kämpfte. Lange hatte er versucht, einen privaten Veranstalter für solch einen Tanzkaffee zu finden. Die Bemühungen waren jedoch vergeblich. "Irgendwann haben wir uns dann als Gemeinde gesagt, wir probieren es selbst", so Schreiter. Weil früher in der "Katze" so viel los gewesen sei, habe es oft Anregungen aus der Bevölkerung gegeben, diese Tradition wiederzubeleben. Nun zeigte sich, dass die Nachfrage tatsächlich groß ist. Trotzdem verfällt der Bürgermeister nicht in Euphorie. Obwohl ihn einige Gäste überzeugen wollten, das Tanzkaffee vielleicht sogar alle zwei Wochen anzubieten, reichen nach Ansicht des Bürgermeisters erst einmal zwei Veranstaltungen pro Jahr. "Es soll ja etwas Besonderes bleiben", erklärt er.

Gut möglich aber, dass sich Knut Schreiter noch einige Überredungsversuche anhören muss. Denn unter anderem ist auch Werner Schmidt der Meinung, dass regelmäßige Veranstaltungen für die ältere Generation zum Leben im Dorf dazugehören sollten. "Da müssen wir auf jeden Fall dran bleiben", sagt der Gelenauer, der gern öfter in die "Katze" gehen würde. Schließlich hat er auf der dortigen Tanzfläche schon unvergessliche Momente erlebt.

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