Prominenten Vorfahren auf der Spur

Dank Gisela Uhlig wissen viele Großolbersdorfer über ihre familiären Wurzeln gut Bescheid. Die Ortschronistin, der gerade eine große Ehre zuteil wurde, ist aber auch eine Expertin für alte Häuser.

Großolbersdorf.

Es ist nicht irgendein Gebäude, in dem Gisela Uhlig wohnt und ihrer Leidenschaft nachgeht. "Mein Urgroßvater hat das Haus 1902 und 1903 als Kaiserliche Post gebaut", erklärt die 66-jährige Großolbersdorferin. Doch Heinrich Theodor Reichel kümmerte sich nicht nur um Briefe und Pakete: "Er war auch Ortsvorsteher und Standesbeamter." Gemeinderatssitzungen wurden deshalb an der Hauptstraße 52 ebenso abgehalten wie Trauungen. "Gleich nebenan", sagt Gisela Uhlig und zeigt auf die Tür. Aus dem einstigen Standesamt ist mittlerweile das Schlafzimmer geworden. Sie selbst sitzt gerade in der ehemaligen Post, das nun als ihr Arbeitszimmer dient. Zahlreiche Stunden verbringt sie dort, um die Historie von Gebäuden aufzuarbeiten. Neben dem eigenen geht es dabei auch um so ziemlich jedes andere Haus im Ort.

Für ihre Verdienste im Ehrenamt ist Gisela Uhlig, die seit 2011 als Vorsitzende der Ortschronisten fungiert, nun von der Gemeinde ausgezeichnet worden. Schließlich hat sie die Geschichte von rund 400Großolbersdorfer Gebäuden recherchiert, dokumentiert, digitalisiert - und im Amtsblatt vorgestellt. "Mit den Häusern, die bereits 1843 gestanden haben, sind wir durch. Jetzt kommen die, die später gebaut wurden", erklärt die Hobby-Forscherin.

Viele Details entnahm sie dem Mitte des 19. Jahrhunderts erstellten Grund- und Hypothekenbuch. Um tiefer in die Geschichte vorzudringen, suchte sie in erster Linie nach Kaufverträgen, fand aber noch vieles mehr. "Zum Beispiel ist dokumentiert, wer wie viele Äpfel von einem bestimmen Baum bekommen soll." Auch in den Staatsarchiven Chemnitz und Dresden hat die Erzgebirgerin schon gestöbert. Dabei führten einige Dokumente zu Erkenntnissen, die in die Zeit um 1600 zurückreichen. "Aber es gibt auch große Lücken", gesteht Gisela Uhlig: "Manche Sachen verschwinden nun mal."

Wer der Großolbersdorferin zuhört, könnte meinen, sie beschäftige sich schon ihr ganzes Leben mit dieser Thematik. Allerdings bedurfte es erst ihres Onkels, um den entscheidenden Anstoß zu liefern. Als dieser ihr 2001 sagte, dass die Ortschronisten frisches Blut gebrauchen könnten, überlegte Gisela Uhlig nicht lange. In der Geschichte zu stöbern, habe sie schon immer fasziniert. Dabei ging es der gelernten Kontrolleurin, die lange bei MZ arbeitete, aber zunächst um Ahnenforschung.

Die Wurzeln ihres Mannes habe sie bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgt. Bei ihr selbst reichte es zwar "nur" bis 1540, aber auch das brachte interessante Informationen ans Tageslicht. So sei Markus Röhling, der sich während des 16. Jahrhunderts einen Namen im Bergbau machte, ein Vorfahre von ihr. Bei anderen Großolbersdorfern führt die Spur sogar zu Adam Ries. Dies weiß die 66-Jährige, weil sie gerade an einem Ortsfamilienbuch arbeitet und immer gern hilft. "Es sind zum Beispiel schon Nachfragen aus Brasilien und den USA bei uns eingegangen", sagt Gisela Uhlig über Menschen, die mehr über familiäre Verbindung ins mittlere Erzgebirge herausfinden wollen. Ihnen Auskunft geben zu können, sie eine große Motivation für die Ortschronistin, die in der ehemaligen Kaiserlichen Post so gut wie nie zur Ruhe kommt.

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