Regelmäßig mit dem Rad in den Schacht

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Zum heutigen 75. Geburtstag des FC Erzgebirge Aue wünschen Fans sich und dem Traditionsverein, dass endlich wieder Zuschauer ins Stadion dürfen. Ein Anhänger kann es kaum erwarten, dafür wieder in die Pedale zu treten.

Hennersdorf.

Bei fast jedem Heimspiel tritt Rico Kluge (großes Bild mit Sohn Tom) mit voller Kraft in die Pedale. Denn der Fußball-Fan reist meist mit dem Rennrad an. Dabei geht es mächtig rauf und runter. "Über Waldkirchen, Gornau, Dittersdorf, Kemtau, Burkhardtsdorf, Thalheim, Dorfchemnitz und Lößnitz", beschreibt Kluge die Strecke. "Von der Haustür bis zum Stadion sind es genau 45 Kilometer - im Sommer wie im Winter", so der sattel- und wetterfeste Anhänger des FC Erzgebirge Aue.

Eine Stunde und 30 Minuten benötige er für die Tour in den Schacht. "Zurück auch mal fünf Minuten mehr, je nach dem wie sie gespielt haben", berichtet der Hennersdorfer, der an besonders steilen Anstiegen auch schon mal das Steigerlied auf den Lippen hat. Ansonsten werde "Glück Auf, der Steiger kommt" bei jeder Familienfeier angestimmt. Mindestens einmal. "Bei uns sind alle Aue-verrückt."

Die Leidenschaft für den Kumpel-Verein habe er von seinem Vater geerbt. "Er war ein großer Fan", berichtet Kluge. Schlüsselerlebnis für ihn sei der gemeinsame Besuch eines Spiels in Karl-Marx-Stadt gewesen. "FCK, mit Bähringer und so, gegen Wismut. Aue gewann, 3:1 glaube ich. Ab da war ich angefixt", erinnert sich der 54-Jährige, der in seiner Jugend selbst Fußball gespielt hat. "Auf allen Positionen, allerdings nicht besonders gut." Bei den Männern zählte er zu den Stützen der "Zweiten" der VSG Marbach/Schellenberg.

Als dann Familie, Arbeit und Haus dazukamen und die Freizeit etwas knapper wurde, kam der sportbegeisterte Erzgebirger aus dem Augustusburger Ortsteil auf die Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. So wechselte der "Allrounder" vom Fußballplatz zu den Radballern und gehört seit Jahren zu den Stammgästen des Radball-Fanturniers in Großolbersdorf. Zudem verband der Mitarbeiter bei Porsche in Schwarzenberg die ausgedehnten Radtouren mit den Heimspielen der Lila-Weißen. "So kann ich die Natur genießen, mich fit halten und meine Mannschaft sehen. Und nicht zuletzt erspare ich mir den ganzen Stress mit der Parkplatzsuche", sagt Kluge.

Außerdem könne er sich bei der Anreise mit dem Drahtesel auch schon voll auf die 90 Minuten im Erzgebirgsstadion einstimmen. "Je näher man kommt, desto mehr Fahnen hängen in den Vorgärten, überall stehen Fans an der Straße. Die Region zeigt ihre Verbundenheit zum Verein. Das macht stark", schwärmt der Hennersdorfer. Bescheidenheit, Bodenhaftung, Leistungsbereitschaft und Kämpfertum seien auch die Eigenschaften, die seinen Verein auszeichneten. "Mich macht es stolz, wenn irgendwo in Deutschland vom Erzgebirge geredet und die Region dabei mit dem Fußball in Aue in Verbindung gebracht wird." Selbst im Urlaub in der Türkei sei er schon von einem Kellner auf den FCE angesprochen worden.

Zum heutigen 75. Geburtstag der Veilchen wünscht Kluge (sich und) dem Traditionsverein, dass endlich wieder Zuschauer ins Stadion dürfen, und mindestens noch einmal ebenso viele Jahre in der 2. Bundesliga - "ohne es jedes Mal immer bis zum Schluss spannend zu machen". Über mehr regionale Derbys würde er sich ebenfalls freuen. "Es wäre doch nicht schlecht, wenn neben Dresden irgendwann auch Chemnitz oder Zwickau wieder hochkommen würde." Ungefragt erwähnt der Hennersdorfer allerdings auch den 1. FC Union Berlin und den FC Augsburg. "Beides Mannschaften, mit denen wir in der 2. Liga lange auf Augenhöhe waren und die sich jetzt in der 1. Bundesliga etabliert haben", träumt der "radelnde Schachter" offenbar auch insgeheim vom Oberhaus.

Wie oft Rico Kluge bis dahin noch die 45 Kilometer bis zum Erzgebirgsstadion zurücklegen muss, dürfte dem Hennersdorfer erst einmal egal sein. Hauptsache, er kann wieder rein. Fest steht dagegen, dass, sobald es wieder möglich ist, Sohn Tom (13) mitkommt. Selbstverständlich ebenfalls mit dem Rad. Vererbt ist vererbt.

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