Rehakliniken beklagen Benachteiligung

Mit einem offenen Brief haben sich ein Dutzend Rehabilitationskliniken zu Wort gemeldet. Sie fordern Veränderungen und politische Unterstützung. Fachkräftemangel ist dabei nur ein Punkt.

Wiesenbad/Warmbad.

Die Rehabranche hat keine Lobby wie sie beispielsweise Krankenhäuser haben, sagt Ricarda Lorenz. Sie ist Geschäftsführerin der Thermalbad Wiesenbader Gesellschaft für Kur und Rehabilitation und einer der Unterzeichner eines Statements, das von der Initiative "Eine Reha-Stimme für Sachsen" an Politiker und Vertreter der Gesundheitsbranche versendet wurde. Neben der Klinik gehören unter anderem auch die Knappschaftsklinik Warmbad, die Sachsenklinik Naunhof, die Paracelsusklinik Bad Elster, die Heliosklinik Schloss Pulsnitz und die Klinik Bavaria Kreischa zu der Initiative. Eine Initiative, die es so bisher noch nicht gegeben hat, sagt Lorenz. Früher betrachteten sich die Rehakliniken eher als Konkurrenten. Das habe sich gewandelt, weil man erkannt habe, dass man nur dann, wenn mit einer gemeinsamen Stimme gesprochen wird, auch gehört wird.

Im Herbst 2018 kam es zu einem ersten Treffen in Thermalbad Wiesenbad. Nun meldet sich die Initiative "Eine Reha-Stimme für Sachsen" öffentlich zu Wort. Aktuelles Thema: der Fachkräftemangel. "Wir sehen den im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel stehenden immer stärker werdenden Fachkräftemangel, vor allem im Bereich des Ärztlichen und Therapeutischen Dienstes sowie Pflegedienstes, mit großer Sorge", heißt es in dem Statement. Die Patientenversorgung werde dadurch "in sehr hohem Maße gefährdet". Die Rehabilitationseinrichtungen würden gegenüber dem Krankenhausbereich bei der adäquaten Refinanzierung dringend benötigten Personals vernachlässigt. So sichere das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz den Krankenhausträgern die Finanzierung zusätzlich eingestellten Pflegepersonals, solange dies am Markt akquiriert werden kann. In den Augen der Chefs der Rehakliniken eine Wettbewerbsverzerrung. "Bei dem Gesetz hat man uns einfach vergessen", sagt Ricarda Lorenz. Gehaltsdifferenzen von bis zu 1000 Euro würden die Folge sein.


Auf der anderen Seite steigen die Belastungen der Rehakliniken, sagt Lorenz. Zum einen werden die Menschen immer älter, sollen bis 67 arbeiten. Ohne Rehakliniken werde das nicht zu schaffen zu sein, so Ricarda Lorenz. Und sie weist noch auf etwas anderes hin: Die Liegezeiten in den Krankenhäusern haben sich deutlich verringert. "Früher kamen die Patienten 20 Tage nach der OP zu uns, jetzt sind es sechs Tage." Dadurch steige der pflegerische Aufwand. Und das bei schon jetzt vorhandenem Fachkräftemangel. In dem Statement verweisen die Unterzeichner daher auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die im Jahr 2030 "fast 500.000 offene Stellen im Pflegedienst" vorhersagt. Um diese Lücken schließen zu können, sei ein qualifizierter Zuzug aus dem Ausland notwendig. Das müsse mit einem deutlichen Abbau bürokratischer Hürden einhergehen. So komme es bei der Visaerteilung zum Teil zu inakzeptablen Wartezeiten. Auch brauche es eine deutliche Anhebung der Tagessätze, um eine bessere Refinanzierung im Rehasektor zu erreichen. Der Ausbau der Digitalisierung im Gesundheitswesen, eine bessere Außendarstellung Sachsens und ein klares Bekenntnis zum Fachkräftemangel sind weitere Forderungen der Initiative.

Dabei sei die Branche auf Hilfe, Türenöffner angewiesen, sagt Lorenz. Ändere sich nichts, werde es aus ihrer Sicht zu einer Ausdünnung des Angebots kommen. Aktuell seien in Thermalbad Wiesenbad alle Stellen besetzt. Das soll auch so bleiben, weshalb es wichtig sei, gemeinsam dafür zu kämpfen.

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