Reisender erinnert an Wert Europas

Einen Monat lang auf Schienen unterwegs durch Europa. Viele Begegnungen mit Menschen und Zeit zum Nachdenken. Was macht das mit einem Reisenden?

Wolkenstein.

"Interrail ist noch ein echtes Abenteuer", sagt Norbert Braumüller. Der Wolkensteiner war mit dem Bahnticket einen Monat lang in Nord- und Osteuropa unterwegs, nun ist er zurückgekehrt. Als Rucksacktourist älteren Semesters übernachtete er in Hostels und kam auf seiner Reise mit Menschen aus der ganzen Welt ins Gespräch: Russland, Australien, USA, Ukraine, Griechenland. Und er hat zahlreiche Städte und Orte des Kontinents kennengelernt. Welche Eindrücke bleiben zurück?

"Bei aller unterschiedlicher Ausgangslage ist die Idee von Europa etwas, wofür es sich einzusetzen lohnt", sagt Braumüller. Die Länder Europas seien zwar verschieden. "Aber die Menschen, die dort leben, haben Frieden und Freiheit verdient. Wir sind in unseren Bedürfnissen gleich", resümiert der 66-Jährige. Damit meint er vor allem den Wunsch nach Freiheit in Bezug auf Lebensgestaltung, Glaube, Liebe, Reisen und Meinungsäußerung.

Zugleich, so Braumüller, habe er gespürt, wie wichtig es ist, übereinander zu wissen. "Fast alle Länder Ost- und Südosteuropas feiern dieses Jahr ihre hundertjährige Unabhängigkeit, die mitunter wegen Besetzung oder Eingliederung durch Nazideutschland und die Sowjetunion unterbrochen wurde." Gleichzeitig sei der Wolkensteiner auf seiner Reise auch immer wieder an das Schicksal der Juden im vergangenen Jahrhundert erinnert worden und stellt fest: "Denkmäler und Synagogen mahnen uns heute, dass Respekt und Toleranz die Leitkultur Europas prägen müssen."

Auch das viele und mitunter lange Reisen selbst hat dem Rucksacktouristen viel Freude bereitet. Mit der Eisenbahn zu fahren sei "eine wunderbare Sache und sehr stressfrei". So habe er während der Fahrten stets Gelegenheit gehabt, die Landschaft zu bestaunen, sich mit Mitreisenden zu unterhalten oder die nächsten Stationen zu planen. Auch zu Interrail hat sich Braumüller Gedanken gemacht - für den Eisenbahnpass wird einmalig gezahlt und er kann über einen längeren Zeitraum genutzt werden: "Die Eisenbahninfrastruktur in Ost- und Südosteuropa sollte verbessert und die baltischen Staaten angeschlossen werden." Generell sollte Interrail auf ganz Europa ausgeweitet werden, da es noch nicht in allen Ländern nutzbar sei.

Doch davon abgesehen erklärt Braumüller zuletzt über seine Reise auf Schienen: "Ich habe das gern gemacht. Es war schön, manchmal anstrengend, aber immer erfüllend." Mancher würde vielleicht sagen, er habe während des Monats seine Komfortzone verlassen. Im Hinblick auf die Erfahrung fügt Braumüller hinzu: "Ich hatte trotzdem genug Komfort - jeden Tag."

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