Reisetagebuch

Norbert Braumüller aus Wolkenstein ist mit dem Interrailpass einen Monat in Europa unterwegs. Hier berichtet er von seinem Reiseabenteuer auf Schienen:

Seit Helsinki regnet es ständig oder es ist bewölkt. Aber es nervt, wenn man den nächsten Tag nicht richtig planen kann und so viele Alternativen bedenken muss. Hier gibt es keine offiziellen Hostels (Jugendherbergen). Das Eisenbahnwesen ist noch nicht entwickelt. In sowjetischer Zeit ging alles West-Ost. So gibt es keine Verbindung der baltischen Staaten untereinander. Und auch nach Polen ist alles nicht klar. Interrail bietet in seiner App auch keine Verbindungen. Und wenn ich etwas gefunden habe, dann wird online meine Kreditkarte nicht akzeptiert. Heute Nacht war ich im Acht-Bettzimmer nur mit Männern. Es war die unruhigste Nacht. Frauen scheinen da rücksichtsvoller zu sein.

(Mittlerweile ist Norbert Braumüller in Polen angekommen, A. d. Red.) Ich bin wieder mit dem Bus unterwegs. Ich bin ja heute extra ein Stück Bahn von Vilnius nach Kaunas gefahren. Das war sehr erholsam. Ich weiß jetzt auch, warum die Auskunft nur so wenige Züge angibt. Es wird gebaut: die Eisenbahn, auch Straßen. In Suwalka konnte ich nur ein Hotelzimmer reservieren (anderes gibt es nicht). Da kann ich mich mal pflegen. Im wahrsten Sinne des Wortes, bevor es in Warschau wieder ins 13-Mann-Zimmer (nicht mixed) geht.

Übrigens: Der Natur scheint es auf dem Land gut zu gehen. Überall sieht man Störche. Nun noch kurz zu Kleipeda, ehemals Memel, gegenüber der kurischen Nehrung gelegen. Kleipeda ist eine interessante Stadt, sodass auch große Kreuzfahrtschiffe Halt machen. Am Bahnhof habe ich das Denkmal für die (deutschen) Auswanderer, also die Evakuierten, Geflüchteten und Vertriebenen gesehen. Gut, dass wir in der EU verbunden sind und die Geschichte hinter uns lassen können.

Es war schon toll, auf der kurischen Nehrung herumzulaufen und herumzufahren. Der nördliche Teil gehört zu Litauen, der Rest zu Russland. Leider habe ich das Thomas-Mann-Haus in Nidda nicht sehen können, und der Zugang zum Leuchtturm war geschlossen. Auch wenn gerade in Nidda viele Touristen sind (nach den Autoschildern zu urteilen, hauptsächlich litauische), ist der Rest der Halbinsel erkundenswert. Aber dafür ist mehr Zeit nötig, als ein Interrail-Reisender hat.

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