Rennteam erfüllt weiter Herzenswünsche

Bald donnern krebskranke Kinder wieder als Beifahrer in PS-Boliden über den Asphalt. "Nascar hilft" geht in die nunmehr achte Saison. Dabei hätte das einzigartige Projekt fast ein bitteres Ende gefunden.

Wolkenstein.

Krebs macht nicht einfach Halt. Das hat Jan Wätzig vor fast genau zwei Jahren gesagt. Doch genauso hartnäckig setzen er und sein Team sich noch immer für den Kampf gegen die Krankheit ein. Es ist bereits die achte Saison, in die das Projekt "Nascar hilft" in wenigen Monaten starten wird. Dann wollen der Wolkensteiner und seine Mitstreiter wieder krebskranken Kindern und ihren Familien unvergessliche Momente auf dem Lausitz- und den Sachsenring bieten. Aber die Helfer sind selbst auf Unterstützung angewiesen. Sonst droht dem Renntaxi das Aus.

Seit nunmehr acht Jahren arbeitet die Crew aus dem Erzgebirge mit dem Elternverein krebskranker Kinder "Sonnenstrahl" Dresden eng zusammen. Hunderte an Krebs erkrankte Kinder durften seither als Beifahrer in den PS-Boliden über den Asphalt donnern und gemeinsam mit ihren Angehörigen in der Boxengasse neue Kraft tanken. Allein im vergangenen Jahr waren es 170 Fahrten an acht Tagen auf den beiden Rennstrecken. "Manche Kinder erhalten einen Schub für die nächste Chemotherapie. Adrenalin kann durchaus zum Heilungsprozess beitragen und Symptome ausschalten", sagt Jan Wätzig. "Doch leider gibt es auch die Kinder, denen wir einen letzten Wunsch erfüllen", erklärt der zweifache Familienvater.

Rennsport kostet allerdings Geld. Viel Geld. Nur dank der Hilfe von mittelständischen Unternehmern aus der Region kann das einzigartige Projekt seit Jahren am Leben gehalten werden. Trotzdem drohte 2019 fast das Aus. "Bisherige Partner konnten uns nicht mehr so unterstützen wie geplant. Zum Glück sprangen andere ein. Es ist ein Kampf, das Projekt jedes Jahr aufs Neue zu finanzieren", sagt der Wolkensteiner. Diese Erfahrung hält ihm vor Augen, wie schnell es mit "Nascar hilft" auch vorbei sein kann.

Deshalb ist Wätzig für jede Unterstützung dankbar. Die erhält er auch von der Stadt Wolkenstein und ihrer Kirchgemeinde. Schon zwei Mal kamen die Erlöse der Veranstaltung "Leuchtender Advent" krebskranken Kindern von "Sonnenstrahl" zu Gute. 2018 waren es 830 Euro, 2019 weitere 700 Euro. "Bei Jan sehen wir, wie viele Menschen sein Ehrenamt wertschätzen. Das Projekt ist etwas Besonderes - für die Kinder und ihre Familien", sagt Bibliotheksleiterin Uta Liebing, die den "Leuchtenden Advent" mit organisiert.

Nicht nur finanziell hat "Nascar hilft" neue Unterstützung bekommen. Seit vergangenem Jahr zählt Jan Schmieder zum 14-köpfigen Rennteam, hilft als Mechaniker aus. Dabei haben er und seine Ehefrau Elke vor eineinhalb Jahren selbst ein rasantes Abenteuer am Sachsenring erlebt. 2013 wurde ihr 14-jähriger Sohn Philip nach fünfmonatigem Kampf gegen einen Hirntumor aus dem Leben gerissen. Die Familie suchte sich Hilfe. Über den Dresdner Elternverein entstand auch Kontakt zu Jan Wätzig. Der Wolkensteiner nahm die Schmieders 2018 mit auf die Rennstrecke, um Schmerz und Trauer zu verarbeiten. Sie schwärmten von den Erlebnissen und der Atmosphäre. Nun gehören sie selbst zum Team, das in schweren Zeiten schnelles Glück ermöglicht. "Wir fahren eben nicht nur im Kreis. Es ist auch das familiäre Miteinander, das zählt", betont Wätzig.

In diesem Jahr sind ab Mai wieder neun Renntage geplant. Dann sorgt neben einem 520 PS starken BMW V8 Star und einem Nascar Typ Dodge Charger mit 857 Pferdestärken ein weiterer PS-Bolide für strahlende Kinderaugen. "Massimo Santarossa unterstützt uns mit einem Nissan GTR mit 750 PS. Zu den Events reist er extra aus der Schweiz an", erklärt Wätzig. Er und sein Team wollen in den nächsten Monaten zudem einen erneuten Anlauf starten, "Nascar hilft" umzustrukturieren, um das Projekt für Sponsoren und Partner künftig noch attraktiver zu machen.


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