Residiert der FC Erzgebirge bald offiziell am Gerd-Schädlich-Platz?

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Auf eigene Faust haben Fans der Auer Fußballer vor Kurzem einen Teil des Stadiongeländes nach der Trainerlegende benannt. Sie fordern jedoch eine richtige Umwidmung und eine Änderung der Vereinsanschrift. Und das könnte klappen.

Aue.

Gute Nachricht für die Anhänger des FC Erzgebirge Aue: Es ist ein bürokratischer Akt, aber viel mehr steht der von der aktiven Fanszene geforderten offiziellen Umwidmung der bereits in Gerd-Schädlich-Platz umbenannten Flächen am Erzgebirgsstadion offenbar nicht im Weg. Zudem scheinen die involvierten Akteure willens zu sein, den Akt zu meistern. Das haben Recherchen der "Freien Presse" ergeben.

So hätte Aue-Bad Schlemas Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) zunächst einmal überhaupt nichts gegen einen Gerd-Schädlich-Platz in seiner Stadt einzuwenden. "Er war eine bedeutende Persönlichkeit. Wir sind bereit, und die Fans haben sich ja schon an Aues Ortsvorsteher Thomas Colditz gewandt", sagt Kohl. Da Colditz (CDU) ohnehin aktiv geworden sei, könnte zum Beispiel der Ortschaftsrat einen entsprechenden Antrag auf Widmung stellen. "Wir stehen dem nicht entgegen."

Es gebe da allerdings ein Pro-blem: "Wir können nur Straßen und Plätze widmen, die öffentlich im eigentlichen Sinne sind. Hier handelt es sich aber um Eigentum des Landkreises", erläutert der Oberbürgermeister. Der Adressat sei also zunächst einmal der Landrat, der der Stadt die Widmung gestatten muss. "Eigentlich müssten wir diesen Teil des Geländes dazu dann auch erwerben. Wir wären bereit, das zu tun. Die Sache sollte sich zwischen uns und dem Landkreis ohne große finanzielle Belastung lösen lassen", spielt Heinrich Kohl den Ball in Richtung Annaberg-Buchholz.

Von da kommt ein Rückpass. Wobei auch der Landkreis erst einmal darauf hinweist, dass für die betroffenen Flächen - also sowohl den Platz direkt hinter dem Haupteingang des Stadions oberhalb der großen Freitreppe, als auch den unterhalb davon hinter der Westtribüne - derzeit eine straßenrechtliche Öffentlichkeit im Sinne des Sächsischen Straßengesetzes nicht gegeben ist. Es handle sich um ein an den FCE verpachtetes Privatgrundstück des Landkreises. Sollte aber seitens der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema Interesse an einer Widmung zum beschränkt-öffentlichen Platz in eigener Straßenbaulast bestehen, könne nach Antragstellung und bei Zustimmung des FCE als Pächter auch von der Zustimmung des Landkreises ausgegangen werden, so ein Sprecher weiter. Und zwar ohne dass der Landkreis auf den Kauf des Grundstücks durch Aue-Bad Schlema bestehen würde. "Ein Verkauf ist straßenrechtlich für eine Widmung letztlich auch nicht zwingend erforderlich."

Die Überlegungen, den Stadionvorplatz in "Gerd-Schädlich-Platz" umzubenennen, sind aus Sicht des Landkreises im Sinne des Gedenkens an den verdienstvollen Trainer nachvollziehbar. "Der faktisch bereits vollzogenen, im Grunde symbolischen Benennung des Stadionvorplatzes stehen unsererseits als Eigentümer des Grundstücks keine Bedenken entgegen", erklärt der Landkreissprecher. Dagegen seien offizielle Straßenumbenennungen und Adressänderungen - wie in diesem Fall für die Geschäftsstelle des FCE - grundsätzlich Sache der jeweiligen Kommune, bedürften letztlich also eines Ratsbeschlusses. "Sollte das seitens der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema und seitens des FCE gewünscht sein, stehen unsererseits keine grundsätzlichen Bedenken entgegen."

FCE-Geschäftsführer Michael Voigt erklärt zunächst einmal, dass der Verein ebenfalls nichts gegen eine solche Ehrung von Gerd Schädlich einzuwenden hat. "Insofern sehen wir auch die Aktivität unserer Fans positiv", sagt Voigt. Allerdings gebe es einige Dinge zu bedenken. Da sei zum einen die Tatsache, dass die Familie der Trainerlegende möglichst wenig Aufhebens wollte. Zum anderen gebe es eben einen sehr großen Unterschied zwischen einer internen Umbenennung und einer offiziellen Umwidmung, die sich die Veilchen-Anhänger zum Ziel gesetzt haben.

Denn die Änderung der postalischen Adresse bringt laut Voigt ein Antragsverfahren mit sich, dass bis zu zwei Jahren dauern kann. "Und am Ende steht meist eine Ablehnung. Das wurde uns zumindest gesagt, weil es sich in unserem Fall um keine zwingend erforderliche Umbenennung handeln würde wie bei Doppelbezeichnungen, die zum Beispiel bei Eingemeindungen immer wieder vorkommen", erläutert der Geschäftsführer und fügt an: "Wir hatten deswegen schon mal im Zusammenhang mit einer ähnlichen Idee der Aufstiegsmannschaft von 2003 nachgefragt."

Dass eine offizielle Adressänderung - die des FCE lautet derzeit Lößnitzer Straße 95 - in Gerd-Schädlich-Platz 1 den Verein auch Geld kosten würde, sieht Voigt dagegen als gar nicht so dramatisch an. Vieles geschehe ja heute schon im Internet. Für eine andere Anschrift müsse zwar immer einiges geändert werden, was Kosten mit sich bringen würde. "Aber den wirtschaftlichen Aspekt will ich gar nicht so herausstellen. Das würden wir sicher alle gemeinsam stemmen können und wollen, wenn alle es sich wünschen", sagt Voigt.

Letztlich jedoch bleibe das Ändern der Adresse zunächst einmal in erster Linie ein reines Rechtspro-blem. "Wir sind keinesfalls dagegen, aber aus unserer Sicht war das halt bisher ein bürokratischer Akt mit wenig Aussicht auf Erfolg. Jetzt steht natürlich die Frage, was passiert, wenn mehr Leute Druck machen und das Vorhaben unterstützen", sagt Voigt mit Blick auf Stadtrat, Stadtverwaltung und Landkreis.

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