Rund um den Wok glüht die Luft

HOCHSOMMER: Wie kommt der Erzgebirger mit Hitze zurecht, wenn er arbeiten muss und keinen Urlaub hat? Heute: Gastronom Hang Truong Kim Minh.

Gornau.

Gefühlt müssen es weit mehr als 50 Grad Celsius sein - dort, wo Hang Truong Kim Minh seine beiden Woks ständig mit Nudeln, Gemüse, Hühnerfleisch und Reis füllt. Eine Pause einlegen kann er nicht, weil die Schlange an seinem Kiosk von mittags bis weit nach 18 Uhr einfach nicht abreißen will. Die Besucher, die es in diesen Tagen der Hitze so zahlreich ins Gornauer Freibad verschlägt, haben nun mal Hunger und Durst.

Die Hitze in seiner Küche wäre für andere nahezu unerträglich, aber der 60-Jährige ist diese Bedingungen gewöhnt. Schließlich bedient er seit Jahrzehnten täglich seinen Wok. "Als Jugendlicher bin ich vor 44 Jahren in die DDR gekommen", erzählt er. Er wurde zum Elektromechaniker ausgebildet, doch dieser Beruf gefiel ihm nicht so ganz. Also schulte er um. Als Koch leitete er später seine eigene Gaststätte, dann einen Asia-Imbiss.

Die Zubereitung der Speisen prägt gefühlt schon eine Ewigkeit den Alltag von Hang Turong Kim Minh. Neu ist jedoch, dass er der dabei entstehenden Hitze sofort entkommen könnte. Tür auf und nur drei Schritte - schon könnte er ins Becken des Gornauer Freibades springen. Obwohl auch das dortige Wasser 26 Grad warm ist, bietet es immer noch eine Abkühlung zur heißen Luft. "Ich gehe gern schwimmen, aber dafür habe ich leider keine Zeit", erklärt er und widmet sich dem nächsten der wartenden Kunden. Dieser Aufgabe hat er sich seit vergangenen Samstag verschrieben.

Weil der vorherige Betreiber im Herbst in Ruhestand gegangen war, suchte die Gemeinde nach einer Lösung. Zunächst vergeblich. "Ein Badegast aus Chemnitz gab uns den entscheidenden Tipp", berichtet Schwimmmeister Jens Beyer. Weil er schon so oft gefragt wurde, wie es denn mit dem Kiosk weiterginge, kümmerte er sich gleich selbst um diese Angelegenheit: "Nach einem Telefonat hat er sich vor Ort mal umgeschaut und zugesagt." Gleich der erste Tag wurde für den 60-Jährigen fast im wahrsten Sinne des Wortes zur Feuertaufe. Obwohl so viele Besucher wie noch nie zuvor in diesem Jahr gekommen waren, kümmerte sich Hang Truong Kim Minh allein um die Verpflegung der 550 Gäste.

Inzwischen steht ihm seine Frau zur Seite. Eine wichtige Hilfe, denn seit Dienstag steht der Jahresrekord bei 640 Badegästen. Sie kassiert und kümmert sich um Bockwurst, Wiener und Pommes. Besonders gefragt sind allerdings Bratnudeln und Bratreis mit Hühnerfleisch und Gemüse. "Seine Speisen kommen sehr gut an. Wir haben viel Positives von den Gästen gehört", sagt Jens Beyer. Gelegenheit, sich über das Lob zu freuen, hat der Koch allerdings nicht. "Abends falle ich immer todmüde ins Bett", berichtet der 60-Jährige.

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