"Rund um Zschopau": Lisbeth macht das Rennen zum Volksfest

Die Geländefahrer wurden von über 13.500 Zuschauern zum Teil frenetisch gefeiert - obwohl der Sieger kein Erzgebirger war.

Zschopau.

Es schien, als sei die ganze Region auf den Beinen. Oder besser: auf den Rädern. Denn allein ein Blick auf die als Sonderparkplätze ausgewiesenen Flächen in Waldkirchen ließ erahnen, welche Zuschauermengen sich im Hübler-Busch den Enduro-Test nicht entgehen lassen wollten.

Während zum Auftakt der diesjährigen Ausgabe von "Rund um Zschopau", beim Prolog am Freitagabend in Hohndorf, noch einige Zuschauer trotz langer Unterhosen gefröstelt haben dürften, herrschte am Samstag bei spätsommerlichen Temperaturen beinahe T-Shirt-Wetter. So lockte der vorletzte Lauf der Internationalen Deutschen Enduro-Meisterschaft nicht nur hartgesonnene Fans an die Strecke, sondern animierte zum Familienausflug. Hoch "Lisbeth" sorgte für Volksfeststimmung.

Diese ließen sich die laut Veranstalterangaben rund 13.500 Besucher auch nicht von Theophile Espinasse vermiesen. Obwohl mit dem Junioren-Vizeweltmeister zum zweiten Mal nach Christophe Nambotin (2014) ein Franzose den Gesamtsieg beim Enduro-Klassiker im Erzgebirge einfuhr. Den 21-jährigen Sherco-Werksfahrer, der in Zschopau vom Team des Flöhaers Marcus Kehr unterstützt wurde, feierten die Zuschauer genauso wie die Lokalmatadoren im über 300 Fahrer starken Starterfeld.

Positive Nachrichten konnte auch die Polizeidirektion Chemnitz am Tag nach der Veranstaltung vermelden. Vom Prolog am Freitag bis zur Race-Partie am Samstagabend habe es keine Vorkommnisse gegeben, vermeldete der Diensthabende am gestrigen Sonntag. Damit dürfte die Vorfreude aufs WM-Finale im Herbst 2020 weiter steigen.

Peter Fröhlich

"Rund um Zschopau gehört zum Erzgebirge", sagt Peter Fröhlich. "Die wahren Fans kommen nun mal von hier", so der Gornsdorfer weiter. "Ich interessiere mich seit ich denken kann für den Geländesport", sagt der 61-Jährige, der 1975 als Lackierer bei MZ begann: "Die Halle, in der jetzt der Prolog stattfindet, wäre einmal mein Arbeitsplatz geworden. Ab 1980 habe ich die Motorräder unserer glorreichen MZ-Fahrer lackiert."

Karlheinz Werzner

Karlheinz Werzner aus Pockau ist Stammgast bei Rund um Zschopau: "Ich fahre von Kindesbeinen an Motorrad. Seitdem ich mir 1956 das erste Motorrad kaufte, bin ich als Zuschauer dabei", berichtet der 79-Jährige. "Dass im Hübler-Wald eine Sonderprüfung ist, finde ich große Klasse. Ich wünsche mir, dass der Test auch im kommenden Jahr bei der WM mit drin ist. Ganz besonders freut mich, dass viele aus Pockau-Lengefeld mitfahren."

Eric Lehm

Eric Lehm stand mit Weste und Fahne an der Strecke. "Ich wollte schon immer mal Streckenposten machen", sagt der 15-jährige Gymnasiast. 2011 habe er seinen Vater, der Mitglied beim MC MEK ist, das erste Mal gefragt. "Da war ich aber noch zu klein." Nun sei er schon Streckenposten beim GCC in Venusberg gewesen. "Da mir das gefallen hat, habe ich auch gleich noch bei Rund um Zschopau mitgemacht. Bei der WM bin ich auf alle Fälle wieder dabei."

Mike Trapp

Er komme seit 1998 nach Zschopau, sagt Mike Trapp. "Die Veranstaltung hat einfach Tradition. Zudem kenne ich Harald Sturm, habe mit Jens Scheffler Lehrgänge gemacht und fahre selbst gern Motorrad. Da kommt man gern her", berichtet der Dresdner. Diesmal hatte der 44-Jährige seinen Sohn Marnique (4) dabei. "Er will unbedingt zum Schlammloch in Börnichen und in den Steinbruch. Und die WM 2020 lassen wir uns natürlich nicht entgehen."

Bernd Richter

Bernd Richter (l.) hat mit Schwiegersohn Thomas Vobig und Enkel Charlie - hier am Schlammloch in Börnichen - einen Familienausflug an die Strecke gemacht. "Ich war in den 1960er-Jahren schon bei ,Rund um Zschopau‘. Vor zwei Jahren ist unsere Familie nach Börnichen gezogen, und da ist es doch klar, dass wir an die Strecke gehen. Zum Hübler-Busch wollen wir auch noch, das sind ja alles keine Entfernungen."

Jens Scheffler

Der ehemalige MZ-Werksfahrer Jens Scheffler schaute genau hin, wie die Fahrer die technisch anspruchsvollen Passagen im Hübler-Busch meisterten. Für eine Sonderprüfung sei die Strecke eigentlich nicht geeignet, meint der 59-Jährige. "Wenn vor dir einer steht, kannst du nichts machen. Die Uhr läuft weiter", so der vierfache Europameister und Trophysieger. "Knackig war die Auffahrt in Witzschdorf", so der Chef einer Enduro-Schule.

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