Schillernde Silberhochzeit einer Zweckehe

Als sich drei Gemeinden vor 25 Jahren zusammenschlossen, gab es zunächst reichlich Zweifel. Was folgte, war eine positive Entwicklung, die sich nun im Jubiläum der Gemeinde Amtsberg widerspiegelte.

Amtsberg.

Der Liebe wegen sei er einst nach Amtsberg gezogen. Dass Mathias Thum in der Weißbacher Sport- und Freizeithalle vor rund 250 geladenen Gästen derartige Einblicke in sein Privatleben gewährte, hatte seinen Grund. Denn der stellvertretende Bürgermeister war als Moderator einer Veranstaltung auserkoren worden, die ihn in gewisser Weise an sein eigenes Leben erinnerte. Wie er selbst mit seiner Frau, so feierte nun auch die Gemeinde Amtsberg "eine Art Silberhochzeit" - 25 Jahre, nachdem die Kommunen Dittersdorf, Weißbach und Schlößchen inklusive Wilischthal sozusagen den Bund fürs Leben eingegangen waren.

Beim Blick zurück stellte Mathias Thum fest, dass es nicht die gesamte Zeit über Parallelen zu seiner eigenen Ehe gab - speziell am Anfang. Hatte er aus Liebe geheiratet, so stellte der Zusammenschluss der vorher eigenständigen Gemeinden "wohl eher eine Zweckehe" dar. Sich von größeren Städten der Umgebung abgrenzen und die Kräfte bündeln, lautete damals das Motto, das nicht bei allen Bürgern auf Zustimmung traf. "Obwohl viele gezweifelt haben, war es die richtige Entscheidung", stellte Günter Müller fest. Wie die anderen Ortsvorsteher hielt auch der Weißbacher eine Rede - und zog wie seine Kollegen zur Silberhochzeit eine positive Bilanz. Liebe auf den zweiten Blick, sozusagen.

Schon mit der musikalischen Eröffnung wurde ein Zeichen gesetzt: Ein farbenfroher Auftritt des Grundschulchors, der symbolisch steht für die vielen Vertreter der jungen Generation, die durch die rasante Entwicklung der Wohngebiets- und Gewerbeflächen in Amtsberg aufwächst. Dann war da noch die große Zahl an Gästen, erst recht deren Lobeshymnen. Schließlich konnten die Amtsberger neben den Vertretern vieler umliegender Kommunen auch Gäste aus ihren Partnergemeinden begrüßen, mit denen seit Jahren kooperiert wird. Egal, ob Gornaus Oberhaupt Nico Wollnitzke oder die Bürgermeister der befreundeten Kommunen Zapfendorf (Bayern) und Kirchheim am Ries (Baden-Württemberg), die Amtsbergs Ortsteile einst durch die Wirren der 1990er-Jahre begleitet hatten: Sie alle hatten Positives zu berichten. Und auch wenn der einstige Gemeindevertretervorsteher der polnischen Partnerstadt Cekow und heutige Vizemarschall der Wojewodschaft Großpolen, Krzysztof Grabowski, mit seinen Botschaften und Präsenten fast den Zeitrahmen sprengte, so freuten sich doch alle über seinen Besuch. Noch mehr Beifall erhielt nur der etwas später eintreffende sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer, der die Historie von Amtsberg so zusammenfasste: "Eine Geschichte von Menschen, die sich eingesetzt haben, um gemeinsam etwas zu erreichen."

Obwohl Kretschmer den Amtsberger Bürgermeister als "wichtigen Ratgeber" bezeichnete und weitere Unterstützung für die Stärkung des ländlichen Raums zusagte, so musste sich der Ministerpräsident von Sylvio Krause auch einige kritische Fragen gefallen lassen. Ob sich denn all die Fördermittelverfahren nicht auch wesentlich unbürokratischer realisieren ließen, wollte das Gemeindeoberhaupt wissen, woraufhin Kretschmer versprach: "Künftig wird mehr mit Pauschalen gearbeitet." Es war wie ein kleines von vielen Geschenken für die Amtsberger, die in ihrer weiteren "Ehe" an die Vergangenheit anknüpfen wollen. Trotz der anfängliche Skepsis stellte Mathias Thum fest: "Es ist so manches Pflänzchen gewachsen, das inzwischen große Früchte trägt."

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