Schnelles Internet rückt in Großolbersdorf langsam näher

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Großolbersdorfs Bürgermeister Uwe Günther spricht in Interview über Glasfaserkabel, die untere Buntsocken-Brache und den Riss durch die Gesellschaft.

Großolbersdorf.

Die Planungen für den Breitbandausbau in Großolbersdorf seien so weit fortgeschritten, dass im Spätsommer oder Herbst Baubeginn für das 20-Millionen-Euro-Projekt sein könnte, sagt Bürgermeister Uwe Günther im Gespräch mit Holk Dohle. Das neue Feuerwehrdepot im Ortsteil Hohndorf soll dagegen noch in diesem Jahr fertig werden.

Freie Presse: Wofür soll in diesem Jahr in Großolbersdorf das meiste Geld ausgegeben werden?

Uwe Günther: Für den Zugang zum schnellen Internet. Die Planungen für den dafür erforderlichen Glasfaserausbau sind weit fortgeschritten. Noch haben wir keinen Betreiber, doch die Ausschreibung läuft. Wir sind auf einem guten Stand. Baubeginn könnte im Spätsommer oder Herbst sein. Rund 20 Millionen Euro, die zu 100 Prozent gefördert werden, sind für den Ausbau in Großolbersdorf und Drebach veranschlagt. Eine stolze Summe. Klar, für das Verlegen der Leitungen und Anschlüsse müssen ja auch ganze Dörfer umgegraben werden.

Wird es weitere Baustellen in der Gemeinde geben?

Ja, zum Beispiel in der Grundschule. Der erste Abschnitt der brandschutztechnischen Sanierung des Gebäudes soll mit den Sommerferien beginnen. Die Ertüchtigung des ersten Rettungsweges, wofür Arbeiten an den Eingängen, im Hausflur und in Klassenzimmern erforderlich sind, soll bis zum Ende des ersten Schulhalbjahr dauern. Die Klassen ziehen in dieser Zeit in das Mehrzweckgebäude. Eine Nachmittagsbaustelle wäre deutlich teurer geworden. Außerdem können durch den Umzug in das ehemalige Mittelschulgebäude die Klassen weiterhin in einem Gebäude unterrichtet werden. Rund 100.000 Euro sind für den ersten von insgesamt drei Bauabschnitten vorgesehen. Fördermittel liegen auch für Arbeiten am Abwassernetz vor. Dazu müssen Schleusen im Bereich der Kindertagesstätte und des Mehrzweckgebäudes verlegt werden. 65 Prozent der Kosten in Höhe von etwa 112.000 Euro kommen aus dem Landesfördertopf für Entwicklung des ländlichen Raumes. Und am neuen Feuerwehrgerätehaus in Hohndorf wird natürlich auch weiter gebaut, sobald es das Wetter zulässt. Der Neubau an der Alten Marienberger Straße soll noch in diesem Jahr übergeben werden. Das alte Feuerwehrgerätehaus war im Juni 2016 bei einem Brand zerstört worden. Seitdem müssen die Kameraden mit einem Provisorium leben. Der Landkreis hatte 2019 in Abstimmung mit dem Staatsministerium eine 90-prozentige Sonderförderung des 1,3-Millionen-Euro-Projektes durchsetzen können.

Hinter welchen Vorhaben steht noch ein Fragezeichen?

Hinter der Erschließung von Baugrundstücken. Wir haben momentan kein gemeindeeigenes Bauland. Da wollen wir unbedingt kurz- und mittelfristige Lösungen finden. Zwischen der Landesdirektion, dem Landkreis und uns hat es dazu bereits Absprachen gegeben. Vielleicht können wir ja schon Ende 2021 Grundstücke zum Kauf anbieten.

Was wird mit dem "Unteren Buntsockenwerk"? Die Industriebrache verschandelt nicht nur weiter den Ort, ihr Zustand wird auch immer gefährlicher.

Es liegt eine Abrissverfügung für einen Teil der Gebäude vor, nicht für den gesamten Komplex. Die Kosten für den Abriss werden auf 650.000 Euro geschätzt. Zwar gibt es eine 90-prozentige Förderung, ein Eigenanteil bleibt dennoch. Und vor dem Hintergrund, dass es bei Abrissarbeiten immer zu Überraschungen kommen kann, sind 650.000 Euro möglicherweise zu tief angesetzt. Wenn etwa auf belasteten Boden gestoßen wird, kann das richtig teuer werden. Zudem ist in diesem Fall die Lage so, dass wir wohl keine Chance haben, vom Eigentümer Geld für die durch den Abriss erfolgte Wertsteigerung des Grundstücks zu bekommen. Der Besitzer kann quasi nicht zur Kasse gebeten werden. Im ersten Halbjahr wird der Gemeinderat darüber abstimmen, ob abgerissen werden soll oder nicht.

Bei der Bürgermeisterwahl im September haben Sie sich mit 65,1 Prozent der Stimmen gegen den CDU-Kandidaten Michael Wolf (34,9) durchgesetzt. Behalten Sie den Kurs Ihrer ersten Legislaturperiode bei?

Ich denke, mit diesem Ergebnis kann man im Wesentlichen so weiter machen wie bisher. Seit meinem Amtsantritt 2013 ist es uns gelungen, die Gemeinde aus der finanziellen Schieflage zu führen. Diese erfolgreiche Arbeit möchte ich weiterführen. Denn eigenständig können wir nur mit geordneten Finanzen bleiben. Nun haben wir wieder Planungssicherheit für sieben Jahre. Der Wahlsieg ist eine Bestätigung für meine bisher geleistete Arbeit. So schlecht kann sie also nicht gewesen sein. Das baut auf. Ich weiß, dass es Leute gibt, die mit meiner Art nicht klarkommen. Aber damit kann ich leben.

Welche Folgen hat Corona für die Gemeinde?

Die finanziellen Auswirkungen sind noch nicht genau absehbar. Ich glaube jedoch nicht, dass sie so dramatisch sein werden, dass sie uns umhauen. Da haben wir schon andere Phasen überstanden. Viel mehr Sorgen mache ich mir über den Riss, der durch unsere Gesellschaft geht. Seit fast einem Jahr scheint sich alles nur noch um Corona zu drehen. Wir werden mit ständig wechselnden Zahlen und deren Auslegung, Vermutungen und Weisheiten überschüttet. Doch was ist richtig, was falsch? Menschen mit Ansichten, die nicht dem Mainstream entsprechen, werden oft in die Ecke gestellt. Doch wer ist gut, wer böse? Die Gesellschaft polarisiert sich. Wir als Gemeinde, gerade auf dem Land, sollten dem gegensteuern und versuchen, den Riss wieder zu schließen. Wir waren vor Corona auf einem guten Weg, da müssen wir wieder hin. Das sehe ich als wichtigste Aufgabe in der nahen Zukunft.

Dafür ist es wichtig, dass auch das Vereins- und Dorfleben wieder in Schwung kommen.

Mit den Festlichkeiten anlässlich der Jubiläen "150 Jahre SV Großolbersdorf" und "25 Jahre FSV Scharfenstein/Großolbersdorf", oder auch der Hauptversammlung der Feuerwehr, bei der eine neue Leitung gewählt werden sollte, sind 2020 bedeutsame Veranstaltungen ausgefallen. Ich hoffe, dass sie in diesem Jahr stattfinden können, genau wie unser Dorffest mit Motorradfahrergottesdienst. Sollten die Auflagen im Frühsommer jedoch noch zu groß sein, würde ich die Termine lieber schieben. Denn ein Fest soll auch ein Fest sein.

Die Großolbersdorfer Leichtathleten haben im Jubiläumsjahr erneut Anlauf genommen, um den Plan von einem neuen Sportplatz voranzutreiben. Wie ist der Stand?

Das Projekt liegt aktuell auf Eis. Der Umbau würde rund 1,5 Millionen Euro kosten. Ohne eine mindestens 90-prozentige Förderung ist das nicht machbar. Mehr lässt die Haushaltslage nicht zu. Der Verein hat zwar viel Geld gesammelt, doch ein Eigenanteil von 160.000 bis 200.000 Euro für die Gemeinde ist momentan nicht drin. Für ein neues Sportplatzförderprogramm stellt Sachsen 2021 rund sieben Millionen Euro für den gesamten Freistaat in Aussicht. Davon werden wir sicher nichts abbekommen.

Nicht auf Eis liegen dagegen die Pläne von der B 174-Ortsumgehung. Inzwischen ist schon eine Trasse durchs Gemeindegebiet abgesteckt worden, deren Verlauf einmal mehr für Pro und Kontra sorgte.

Am geplanten Trassenverlauf wird sich nichts mehr groß ändern, denke ich. Die Gemeinde hat darauf auch wenig Einfluss. Ich sehe mich auch außer Stande zu beurteilen, welche Variante besser ist. Der Lärm wird nicht verschwinden. Es muss eine Kompromisslösung geben. Dass die Straße aus dem Ort raus muss, das steht fest. Da das aber sicher noch mindestens zehn Jahre dauern wird, werden wir uns weiter für Zwischenlösungen einsetzen, um vor allem in Hohndorf die Belastung und die Gefahr durch die Bundesstraße zu verringern. Etwa durch eine andere Schaltung der Fußgängerampel, nachts nur Tempo 30, Flüsterasphalt oder nur einspurige Fahrbahnen durch Hohndorf. Eine dafür vorgesehene, jedoch wegen Corona ausgefallene Verkehrsschau mit dem Landratsamt soll nachgeholt werden. Tempokontrollen der Polizei haben erneut gezeigt, dass etwas passieren muss. Ein Autofahrer raste mit 98 Sachen durch Hohndorf. (hd)

Zur Person

Uwe Günther (61) ist seit 2013 Bürgermeister von Großolbersdorf. Zuvor sammelte er ab 2009 in der Kommunalpolitik als Gemeinderat Erfahrungen. Günther ist Diplom-Ingenieur und als Versicherungsgeneralagent tätig. Der Großolbersdorfer ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Hobbys: Motorradfahrern, Reisen, Skifahren, Handball. (hd)

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