Schon vor der Eröffnung 250 Termine vergeben

Laut Kassenärztlicher Vereinigung besteht an Hausärzten kein Mangel in der Region. Die ersten Tage in einer neuen Praxis zeigen eher das Gegenteil.

Zschopau.

Obwohl die Praxis erst nächste Woche öffnet, herrscht bereits seit Mittwoch volles Haus. Seitdem ist die neue Hausarztpraxis an der Illmhöhe 7a in Zschopau besetzt. "Rund 200 Frauen und Männer waren schon hier, um einen Termin zu vereinbaren. Dazu kommen noch 50 telefonische Terminabsprachen. Zum Teil sind die Schwestern zu Hause angerufen worden. Die Leute haben Angst, keinen Hausarzt mehr zu finden", berichtet Dr. med. Uwe Damme. Der 47-Jährige ist Facharzt für Innere Medizin/Angiologie und ab Montag als Hausarzt in der Motorradstadt tätig. "Dass Ärztemangel herrscht, wusste ich natürlich vorher. Aber das dann so auch in der Praxis zu erleben, ist schon erschreckend", sagt Damme. Der große Andrang bestätige ihm, dass sein Entschluss, als Hausarzt zu arbeiten, richtig war: "Die Arbeit als Hausarzt gehört zu den urärztlichen Aufgaben."

Damme stammt aus dem Erzgebirge. In Schneeberg aufgewachsen, studierte er von 1992 bis 1998 an den Medizinischen Fakultäten der Universität Leipzig und der TU Dresden. Nach verschiedenen ärztlichen Tätigkeiten in mehreren Krankenhäusern in Dresden und Kamenz fungierte Damme von 2007 bis 2016 am Universitätsklinikum Dresden als Leitender Oberarzt der Internistischen Notaufnahme. "Das war eine sehr schöne, aber auch sehr schwierige und kraftraubende Arbeit", so der Mediziner. "Ich wollte mich beruflich verändern."

So verschlug es Damme 2016 nach Zschopau, wo er bis vergangenes Jahr in der Gefäßpraxis an der Gabelsberger Straße arbeitete. Als sich die Gelegenheit bot, sich mit einer Hausarztpraxis in der Stadt selbstständig zu machen, habe er nicht lange überlegen müssen. Ein geeignetes Gebäude war schnell gefunden: ein neues Mehrfamilienhaus im Besitz der Grundstücks- und Gebäudewirtschaft Zschopau (GGG). Beim Umbau des Erdgeschosses zu Praxisräumen - unter anderem mussten zusätzliche Wände und Waschbecken eingebaut werden - habe sich der Vermieter sehr kooperativ gezeigt. Rund 100.000 Euro habe er selbst in die Praxiseinrichtung investiert, sagt Damme.

Neben der hausärztlichen Betreuung von Kassen- und Privatpatienten ab dem 16. Lebensjahr bietet die Praxis auch andere Leistungen an: zum Beispiel Diagnostik, Ultraschalluntersuchungen und Disease- Management-Programme. Zu Dammes Team gehören drei Schwestern, darunter seine Frau Rita.

Mit der Rückkehr aus der Großstadt Dresden ins Erzgebirge, seiner Heimat, schließe sich für den dreifachen Familienvater auch ein Kreis. "Mein Großvater Herbert Böhm hat in Zschopau Abitur gemacht und war nach dem Medizinstudium Hausarzt in Dorfchemnitz. 60 Jahre hat er dort als Dorfdoktor gearbeitet. Meine Großmutter stammt aus Grießbach, und jetzt bin ich in Zschopau", sagt der Musikfreund, dessen wenige Freizeit Frau und Kindern sowie dem Familienhund, einem schwarzen Hovawart, gehört.

Wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Sachsen auf Anfrage mitteilte, sind in der Stadt Zschopau aktuell sieben Hausärzte tätig. "Davon drei Ärzte in Einzelpraxen, drei als angestellte Ärzte im Medizinischen Versorgungszentrum sowie ein Arzt als Angestellter in einer der Einzelpraxen", zählt Pressesprecherin Katharina Bachmann-Bux auf. Laut einer Statistik der KV für die Region Zschopau gibt es für 29.212 Einwohner (Stand 2018) zusammen 21 Hausärzte (Stand 2017). Das ergebe einen Versorgungsgrad von 110,3 Prozent. Eine Unterversorgung bei Hausärzten besteht laut Pressesprecherin Bachmann-Bux erst bei unter 75 Prozent.

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