Schwerlaster beschäftigen Behörden in der Region

Die meisten halten sich an die Regeln. Doch es gibt auch Spediteure, die fahren ungenehmigte Routen - oder ihre Lkw sind inoffiziell größer als offiziell erlaubt. Manche Fälle landen dann vor Gericht.

Stollberg/Zschopau.

Der Laster einer Spedition aus dem polnischen Poznan ist elf Zentimeter zu hoch, sein Anhänger zwölf Zentimeter über den zulässigen Maßen von vier Metern. Daher hat er von den Behörden im Saarland die Auflage bekommen, auf seiner Tour von Frankreich durch Deutschland über folgende Autobahnen zu fahren: 6, 63, 67, 3, 661, 5, 7, 4. Weitere Auflage: Er darf nicht am Tag unterwegs sein, sondern nur zwischen 19 und 6 Uhr. Die A 72 war nicht dabei. Trotzdem wurde der Laster auf dieser Autobahn von der Polizei erwischt, bei Stollberg. Am helllichten Tag, 9.09 Uhr.

Der Fall landete vor dem Amtsgericht Aue. Am Ende muss die Spedition 1096 Euro zahlen. Diese Summe hat die Landesdirektion eingefordert. Weil der Spediteur durch seine Abkürzung über die A72 nicht nur die Auflagen massiv verletzt, sondern so auch einen Vermögensvorteil gegenüber anderen Speditionen erzielt hatte, die sich an ihre vorgegebenen Fahrtrouten halten.


Wie oft kommt dies in der Region vor? Die Polizei führt keine spezielle Statistik, in der Verstöße oder Ordnungswidrigkeiten bei Schwerlasttransportern erfasst werden, so die Antwort auf eine Anfrage von "Freie Presse". "Eine Recherche ist zudem schwierig, da verschiedene Bußgeldvorschriften betroffen sein können oder sind", sagt Jana Ulbricht, die Pressesprecherin der Polizeidirektion Chemnitz. Sie konnte aber zwei besondere Fälle in diesem Zusammenhang nennen, die sich im Erzgebirgskreises abgespielt haben.

Im März 2018 wurde in Zschopau auf der B 174 ein Schwerlasttransport gestoppt, der die erforderliche Ausnahmegenehmigung für diese Fahrt nicht vorweisen konnte. Einen Monat später auf der A72, Parkplatz Beutenbach: Ein Schwerlasttransporter hatte seine Ladung unverantwortlich transportiert - eine Genehmigung lag auch hier nicht vor. Ulbricht: "Bei einer zulässigen Fahrzeugbreite von 2,55 Meter war die Ladung 50 Zentimeter breiter."

Kontrollen sind die eine Seite, das Regeln des Schwerlastverkehrs eine andere. Vor allem für die sächsischen Transporte sei die Situation laut der Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) schwieriger geworden - und damit zu einer Belastung für Sachsens Wirtschaft. Folge: enorme Schwierigkeiten bei der Einhaltung von Termingeschäften, zudem würden Prozess- und Lieferketten gestört. Und: Die Bearbeitungszeiten für die Genehmigungen von Transporten hätten sich verlängert. Zeiten von drei bis vier Wochen seien in Sachsen an der Tagesordnung, erklärte VSW-Präsident Jörg Brückner in einem "Freie Presse"-Bericht vom vergangenen Jahr.

Verantwortlich für die Erlaubniserteilung sind im Freistaat die 63 unteren Straßenverkehrsbehörden, die Landkreise, kreisfreien Städte und Kreisstädte. Laut Sächsischem Wirtschaftsministerium habe es - so eine Auskunft aus 2018 - einen Sprung bei den Transportbescheiden gegeben.

Zumindest spielt das Land auch Geld ein, wenn es um Schwerlasttransporte geht. 2018 hatte allein die Chemnitzer Polizei 521 Großraum- und Schwerlasttransport-Fahrten begleitet. Andere Polizeidirektionen lagen ähnlich - nur in Leipzig gab es mehr. Im Haushaltsjahr 2018 lagen die Gebühren-Einnahmen für die polizeiliche Begleitung in ganz Sachsen bei 458.781'84 Euro. (mit jdf)

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