Sie machen ihren Heimatort ein Stück besser

Drei Bürgerpreise hat die Stadt Thum in diesem Jahr verliehen. Die Träger wirken auf ganz unterschiedlichen Feldern.

Der Ortschef: "Es ging nicht um Politik, sondern um unseren Ort und es hat trotz aller Anstrengungen Spaß gemacht", sagt Sebastian Dittrich. Er war Stadtrat, stellvertretender Bürgermeister, und insgesamt ein Jahr lang hat der 41-Jährige die Geschicke der Stadt als Bürgermeister in der Hand gehalten. Er hat ehrenamtliche Arbeit geleistet, die weit über das normale Maß hinaus ging. Als er jüngst von Thum für sein unermüdliches Engagement mit dem Bürgerpreis 2019 geehrt wurde, wusste er dennoch nicht so richtig, wie ihm geschah. "Ich hätte nie und nimmer mit so etwas gerechnet", freut er sich über die Auszeichnung. Neben seiner beruflichen Tätigkeit übte er seit 2009 zehn Jahre lang das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters aus. Er war Mitglied der Baumschutzkommission und arbeitete bis zur jüngsten Wahl 15 Jahre lang für die Bürgerliste als Stadtrat. Auch wenn er sich nicht mehr in dieser Funktion aufstellen ließ, hat er die Politik nicht an den Nagel gehängt und mischt jetzt im Kreistag mit.

Die größte Herausforderung für den dreifachen Familienvater war freilich die Vertretung des erkrankten Bürgermeisters Michael Brändel. Für insgesamt ein Jahr, von heute auf morgen Stadtoberhaupt. "Ich bin ins kalte Wasser gestoßen worden und bin geschwommen, weil eine Übergabe der Amtsgeschäfte krankheitsbedingt nicht möglich war", so der Metallhändler. Lediglich für eine Aufwandsentschädigung war Dittrich Mädchen für alles. Er musste Sitzungen leiten, war Gratulant bei Seniorengeburtstagen und Vereinsjubiläen, sang mit Hendrik Seibt Weihnachtslieder im Altenpflegezentrum, eröffnete die Bergparade zum Weihnachtsmarkt und bewährte sich selbst bei Fahrten in Sachen Winterdienst. Auch der Feuerwehrpiepser hat ihn so manche unruhige Nacht beschert. Er macht bei der Fülle der Aufgaben deutlich, dass er bei seiner Tätigkeit das Team der Verwaltung voll hinter sich hatte und alle Unterstützung fand. Auch Vereine und Bürger hätten an einen Strang gezogen. Er habe die Hilfe seiner Familie gehabt. "Und ohne das Verständnis und die gute Unterstützung meines Arbeitgebers, der Firma Metallrecycling Granz in Niederdorf, hätte das alles nicht funktioniert", ist sich der Thumer sicher. "Ich habe Akten gesichtet und entschieden, was ich ohne Stadtrat selbst entscheiden konnte. Eine hohe Verantwortung, denn jede Unterschrift war bindend", so der Kommunalpolitiker. "Manchmal hatte ich vom Bürgermeisterdasein den Kanal ganz schön voll, aber wir haben immer wieder ein gutes Ende gefunden", sagt Dittrich. Und eines habe er sich auf die Fahnen geschrieben: Es ist wichtig, keine Parteipolitik zu machen, sondern immer nur Politik zum Wohle von Jahnsbach, Herold und Thum, so Dittrich.

Die Sportler: "Wir waren total überrascht, damit haben wir nicht gerechnet", sagt Frank Wolf. "Wir freuen uns wahnsinnig darüber, es ist eine große Ehre so etwas zu bekommen, eine große Wertschätzung für uns", fügt seine Frau Annette hinzu. Für sein ehrenamtliches Engagement beim LSV Waldfrieden Thum, vor allem für sein Engagement und seine regen Aktivitäten in Sachen Kinder- und Jugendarbeit, ist das Ehepaar geehrt worden. Seit 1997 sind die Thumer Mitglied im Laufsportverein. Schon nach kurzer Zeit begannen sie das Vereinsleben wesentlich zu bereichern, legten sich dabei richtig ins Zeug, brachten sozusagen frischen Wind in die Gemeinschaft. "Vor 21 Jahren haben wir eine Kinderlaufgruppe ins Leben gerufen", erinnert sich Annette Wolf. Dabei fiel der Apfel nicht weit vom Stamm. Die "Wölfe" kommen beide aus der Leichtathletik, waren als Übungsleiter tätig und von Kind auf sportbegeistert. Sie wollten die Kinder für die Bewegung begeistern und eine Laufgruppe einfach mal ausprobieren. Die "Wuselgruppe" legte mit 12 bis 15 Kindern ab dem Vorschulalter los und sollte sich prächtig entwickeln. Aktuell beteiligen sich mehr als 50 Kinder und Jugendliche. Dabei wird gelaufen, gibt es Spiele und Wettkämpfe. "Wir möchten die Kinder zur Bewegung in der Natur animieren, und es wird keiner benachteiligt, der nicht ganz so sportlich ist", unterstreicht die Ehefrau. Der Spaßfaktor steht im Vordergrund. Bei allem kommt auch die Kultur nicht zu kurz: Ein Beispiel dafür sind die gemeinsamen Herbstwanderungen. Auch eine Aktion mit dem Sachsenforst ist noch geplant. Immerhin bekam der Verein 2018 das Siegel "Umweltbewusster Sportverein". Auch auf das Prädikat, "So geht Sächsisch" kann der LSV verweisen. "Die Wölfe" haben auch dazu ihren Beitrag geleistet. Im Großen und Ganzen geht es bei den Aktivitäten darum, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. So auch in der "Stackelgruppe", die Annette und Frank Wolf einst ins Leben gerufen haben. Seither hat Nordic Walking im Verein einen Namen. Übrigens sind die Wolfs zweifache Großeltern, wobei die ältere Enkeltochter ebenfalls schon im Laufverein aktiv ist.

Der Jugendclub: Es gibt viele Veranstaltungen in Jahnsbach, bei denen der Jugendclub seine Finger mit im Spiel hat. Das Sommerfest, die Skiwanderung und Pfingsten an der Quelle schmeißt der Club selber, bei der Kirmes ist er mit anderen Vereinen involviert. Auch beim Schleppen der Käfige für die Geflügelschau der Züchter oder beim Pyramidenaufbau packen Mitglieder kräftig mit an. Und die tolle Einweihungsfeier zur Wiedereröffnung des Mühlteichs hatte der Jugendclub binnen weniger Tage aus dem Boden gestampft. Wenn man so will, war die Vergabe des Bürgerpreises an Vereinsvorsitzenden David Becker und seine 30-köpfige Truppe fast schon überfällig. "Ich finde, sie haben den Preis völlig zurecht erhalten", sagt Astrid Decker, die Leiterin des Kindergartens, der sich im selben Gebäude wie der Jugendclub befindet und mit dem es ein gutes Miteinander und gegenseitige Unterstützung gibt. "Ich glaube, wir können mittlerweile ganz gut Veranstaltungen ausrichten", hält David Becker mit einem Grinsen fest. Dabei wurde die Organisiererei auch ein wenig aus der Not geboren, wie der 29-Jährige erklärt: "Vor einigen Jahren wurde im Club eingebrochen, und plötzlich war unser Geld weg." Es mussten also Einnahmen her. Doch es ist natürlich mehr als das. Solche Feste und Veranstaltungen sind es, die den Zusammenhalt in einem Dorf fördern, es lebenswert machen. "Wir gehen auch gerne zu anderen Vereinen und freuen uns, wenn die zu uns kommen", so Becker. Dabei verhehlt er nicht, dass neue Leute im Jugendclub willkommen sind, schließlich ist der Stamm bereits zwischen 25 und 30 Jahre alt. Den Bürgerpreis hat der Jugendclub Jahnsbach mit Freude entgegengenommen. "Das größte Dankeschön ist es für uns", sagt der Vereinschef, "wenn Leute bei einem Fest auf uns zukommen und sagen: ,Da habt ihr was Tolles auf die Beine gestellt.'"

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