"Spätschicht" lockt zahlreiche Besucher an

Die Aktion anlässlich der Tage der Industriekultur hat auch im Erzgebirge viele Freunde gefunden. Die lieben das Technische, aber auch das Handwerkliche, wie sich jetzt zeigte.

Zschopau/Marienberg.

Ob Engel mit elf Punkten oder Heckenschere - hinter jedem Produkt stecken Menschen, die es entwickeln und herstellen. Genau die konnten bei der Aktion "Spätschicht" besucht werden. Eine kleine Auswahl.

Wendt & Kühn: In Grünhainichen wurden die Besucher auf den Weg des Holzes durch die Firma mitgenommen. Carola Schubert etwa zeigte, wie die Einzelteile montiert werden. Geschichten präsentierte Marlis Rokitta. Die Historikerin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Wendt & Kühn und arbeitet die Firmengeschichte auf. Einen besonderen Fokus legte sie bei der Führung auf die Sonderausstellung "Auftrag erteilt". "Hier handelt es sich um Sonderaufträge von Firmen wie Wanderer oder der Sächsischen Brotunion, die spezielle Figuren als Weihnachtsgaben für ihre Beschäftigten anfertigen ließen", erzählte die Historikerin. Diese kamen nicht in den Handel, dementsprechend rar sind heutzutage noch existierende Exemplare. Unter den genau 100 Besuchern waren auch Eva und Ulrich Korte aus Markdorf am Bodensee: "Die Fahrt nach Dresden hatte uns zwangsläufig über Grünhainichen geführt, denn unsere Familien sammeln schon seit Jahrzehnten die Figuren von Wendt & Kühn."

Mogatec Moderne Gartentechnik GmbH: Geschäftsführer Alexander Gränitz gab in Grießbach gleich zu Beginn die Richtung vor: "Sie werden unseren gesamten Produktionsprozess sehen können, aber Fotos zu machen ist untersagt, denn Sie werden auch sensible Bereiche sehen." Dazu gehört die Entwicklungsabteilung, in der an Computern die neuesten Gartengeräte erst virtuell entstehen. "Die Produkte durchlaufen ein strenges Qualitätsmanagement, das spätestens bei den Vorserienmodellen einsetzt", erzählte der Geschäftsführer. Patrick Stülpner, der für die CNC-Fertigung beispielsweise der Messer für Heckenscheren verantwortlich ist: "Die Messer werden nicht mehr ausgestanzt, sondern mit Lasern aus dem Material herausgeschnitten." Unter den 135 Neugierigen waren auch ehemalige Angestellte wie Karola Berndt, die von 1993 bis 2005 in der Produktion gearbeitet hatte und beim Rundgang einige Kollegen von früher begrüßte. "Ich war einfach neugierig. Es ist alles anders geworden", sagte die Ehrenfriedersdorferin.

Paper+Design GmbH tabletop: Seit 1999 werden an der Heinzebank neben Servietten unter anderem auch Tischdecken und -läufer aus Papier produziert. Von besonderem Interesse waren am Freitagabend, so Thomas Wetzke, der als Leiter der Qualitätssicherung auch Besucher durch den Betrieb führte, neben dem Papierlager und Druck und Verpackung vor allem die beiden Herzstücke des Unternehmens: das Hochregallager, das über 16.000 Stellplätze verfügt sowie das Druckwalzenlager, in dem mehrere Tausend Druckwalzen auf ihren nächsten Einsatz bei der Herstellung von einem der über 20.000 produzierten Designs warten. "Mich hat vor allem interessiert, wie der Rollendruck funktioniert und wie die Produktion an sich abläuft. Die ,Spätschicht' war dafür eine gute Gelegenheit, meine Neugier zu stillen", so Besucher René Butter aus Marienberg.

LSA GmbH Leischnig: Von dem regen Interesse an seiner Firma war Dr. Steffen Leischnig positiv überrascht. Im Gewerbegebiet an der Heinzebank befassen sich mehr als 40 Mitarbeiter mit Schaltschrankbau und Automatisierungstechnik. Die Besucher konnten den Ablauf der Entwicklung einer Sondermaschine von der Idee über die Konstruktion am Computer bis hin zum fast fertigen Exemplar verfolgen. An einigen Stationen durften sie zudem selbst Hand anlegen: beim Armdrücken gegen einen Servomotor oder beim Montage-Contest. Auch im Aufbau einer Schaltung konnten sie sich versuchen. Gymnasiast Matthias Klemm etwa brauchte 7 Minuten 45 Sekunden dafür. "Wir haben die Gelegenheit genutzt und uns diesen Betrieb ausgesucht, auch in Hinblick einer Berufsausbildung. Da hier viele Prozesse, von der Forschung über Informatik, Mechanik bis hin zu Elektrik und Elektronik miteinander verzahnt sind, könnte das für Matthias von Interesse sein", sagte seine Mutter Katrin Klemm.

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