Spielwarenindustrie: Einstige Direktoren geben Einblicke

Trotz der Privatisierungen nach der politischen Wende gingen viele Arbeitsplätze verloren. Dabei hätte sich das Aus von Firmen wie Vero Olbernhau verhindern lassen, sagen diejenigen, die einst in den Unternehmen Verantwortung trugen. Sie treffen sich im Theater Variabel.

Olbernhau.

Einst zählte die Spielwarenindustrie im Erzgebirge zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Das weitgehende Aus der Branche sei vermeidbar gewesen, sagen ehemalige Direktoren und Werkleiter. Anfang Februar treffen sie sich in Olbernhau. Bei der Veranstaltungsreihe "Wirtschaft erzählt" geben sie gemeinsam neue Einblicke.

Unter den acht Teilnehmern ist Bernd Sauer, ehemaliger Direktor des VEB Kombinat Spielwaren Sonneberg. Zum Zusammenschluss gehörte zu DDR-Zeiten unter anderem der VEB Vero Olbernhau. Das Unternehmen stellte zum Beispiel die Baukästen Vero Construc her. Sie ließen sich einst in unzähligen Kinderzimmern antreffen. Mit den Holzteilen, Kunststoffwürfeln, Muttern sowie Schrauben ließen sich nicht nur Flugzeuge, Autos und Kräne konstruieren. Auch der VEB Plasticard Zschopau, der unter anderem Modellbausätze produzierte, war Teil des Kombinats.

Bernd Sauer hat in den vergangenen Jahren viel recherchiert. Er verfasst zum Thema derzeit ein Buch. Beim Gedanken an die Jahre nach der Wende kommt bei ihm noch immer Unmut auf. Kein Wunder: Zwar gab es einige Privatisierungen, dennoch gingen in dem Kombinat mehr als 26.000 der einst 27.000 Arbeitsstellen verloren. So mussten bei Vero Olbernhau, wo etwa 3300 Menschen beschäftigt waren, 1991 die Werkstore schließen. "Wir sollten bei der Spielwarenmesse in Nürnberg konkurrenzfähige Preise anbieten, konnten das aber nicht", wirft Sauer einen Blick zurück. Dabei hätte es laut dem 72-Jährigen vor allem eines gebraucht: Zeit.

Nicht nur Bernd Sauer treibt die Geschichte um. So ist bei der in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung vom Berliner Unternehmen Rohnstock Biografien organisierten Veranstaltung auch Joachim Hoyer dabei. Der ehemalige Direktor für Forschung und Entwicklung berichtet, dass die Produktion bei Vero fortschrittlich war. Moderne CNC-Fräsmaschinen kamen zum Einsatz. Darüber hinaus seien Maschinen und Werkzeuge, die für die Produktion nötig waren, selbst hergestellt worden - eine Besonderheit. Es habe zahlreiche Patente gegeben, so der Olbernhauer. Das Problem: Angesichts niedriger Stückzahlen sowie hoher Kosten hatte es das Unternehmen gegenüber der Konkurrenz schwer. "Das Potenzial war jedoch da."

Es sind Erinnerungen wie diese, die bewahrt werden sollen. Dazu trage der Erzählsalon in Olbernhau bei, sagt Sebastian Bertram, Sprecher von Rohnstock Biografien. Die Firma lebt davon, Lebensgeschichten aufzuschreiben und sie mithilfe von Verlagen zu veröffentlichen. So ist für die aktuelle Veranstaltung in Olbernhau ein Begleitheft vorgesehen. Hinsichtlich der DDR-Wirtschaft gebe es jede Menge aufzuarbeiten, betont Bertram. Inzwischen seien Zeitzeugen bereit, über ihre Erfahrungen zu berichten. Längst gebe es wieder Interesse am Thema, ohne dass Vorwürfe des Schönredens die Zeitzeugen verprellen.

Das Spielprinzip von Vero Construc hat dennoch überlebt. Dies zeigt sich auch daran, dass nach wie vor entsprechende Kästen im Handel erhältlich sind. Sie seien vorwiegend chinesischen Ursprungs, sagt Sauer. Die Qualität von Vero sei damals höher gewesen, betont er. Eine Eigenschaft, die heute bei Spielzeug wieder zunehmend gefragt ist.

Unterdessen hat sich auch der Mitteldeutsche Rundfunk des Themas angenommen. In den vergangenen Wochen entstand ein Beitrag zum Thema "Vero - Die legendären Spielzeugmacher aus Olbernhau". Auch darin wird noch einmal ein Blick zurückgeworfen.

Die Veranstaltungsreihe "Wirtschaft erzählt" findet am 5. Februar im Theater Variabel in Olbernhau statt. Beginn: 18 Uhr. Um eine Anmeldung unter 030/40504330 oder info@rohnstock-biografien.de wird gebeten. Der Eintritt ist frei. Der MDR-Beitrag wird am kommenden Dienstag in der Sendung "Der Osten - entdecke wo du lebst" 21 Uhr ausgestrahlt.

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