Spürnasen zeigen beim Fährtensuchen ihr Können

Zehn Jagdhunde aus dem Erzgebirgskreis haben in Pfaffroda ihre Fähigkeiten verglichen. Die Siegerin aus Waldkirchen hört auf den Namen "Ulla von der Dachsschlucht".

Pfaffroda.

Zehn Hunde und Hundeführer sind gestern zu einem Leistungsvergleich im Pfaffrodaer Wald an den Start gegangen. Eingeladen hatte der Jagdverband Marienberg, teilgenommen haben Hundeführer aus fünf erzgebirgischen Jagdverbänden. Eine mit einer Blutspur präparierte Strecke mussten die Hundegespanne bewältigen. In die Bewertung flossen dabei sowohl die Zeit als auch das Auffinden sogenannter Verweiserpunkte (Markierungen, die der Hundeführer finden muss) ein. Die Fährte wurde von den Organisatoren der Pächtergemeinschaft Pfaffroda um den Olbernhauer Hans-Jürgen Böttcher am Samstag angelegt, als Markierung dienten lediglich Spritzer von Hirschblut.

600 Meter war die jeweilige Entfernung der zehn Schweißfährten (Schweiß ist die waidmännische Bezeichnung für das Blut des Wildes), die gespickt waren mit zusätzlichen Schwierigkeiten wie abrupten Richtungswechseln und sogenannten Wundbetten - größeren Blutansammlungen - von denen aus der Jagdhund wieder die Fährte aufnehmen musste.

Die Schnellste war mit einer Zeit von 19 Minuten die Jagdterrierhündin "Ulla von der Dachsschlucht" von René Ratunde vom Jagdverband Zschopau. Ganz überrascht war der Hundebesitzer nicht. "Ich weiß, dass der Hund was kann", sagte der Waldkirchener, der seinen Jagdhund selbst ausgebildet hat. Auf Rang zwei landete der Rauhhaarteckel "Jäger von der Behlitzer Ranch" von Maik Schröter vom Jagdverband Marienberg, Dritte wurde "Cleo vom Wermsdorfer Forst" von René Harzer vom Jagdverband Stollberg.

"Die Leistungsprüfung war nicht nur sehr gut organisiert, sie war nah dran an der Praxis", lobte der Gelenauer Ronny Schaarschmidt die Ausrichter. Er selbst macht mit seinem Hund, der Beagledame "Hara von der Sachsenmeute", etwa zehn Nachsuchungen pro Jahr. "Oft werde ich auch von anderen Jägern angefordert", erzählte der 51-Jährige. Dabei liegt die Nachsuche nicht im Ermessensspielraum der Jäger. "Das Sächsische Jagdgesetz fordert brauchbare Jagdhunde. Selbst wenn der Schuss gut sitzt, kann das Wild noch mehrere hundert Meter zurücklegen. Um das Tier zu finden und von seinen Qualen zu erlösen, brauchen wir gut ausgebildete Jagdhunde", so Hans-Jürgen Böttcher.


"Bestimmte Rassen eignen sich mehr für die Fährtensuche"

Hans-Jürgen Böttcher vom Jagdverband Marienberg hatte die Leistungsprüfung vorbereitet. Mit dem 66-Jährigen hat Dirk Trautmann gesprochen.

Freie Presse: Wie bewerten Sie die Ergebnisse dieser Leistungsprüfung?

Hans-Jürgen Böttcher: Ich bin sehr zufrieden, denn die Hunde wurden von ihren Hundeführern sehr gut eingearbeitet.

Es haben nur zehn Hundeführer mit ihren Hunden teilgenommen. Ist das Interesse der Jäger an derartigen Wettbewerben ihrer Ansicht nach zu gering?

Im Gegenteil, das Interesse der Jäger, ihre Hunde zu vergleichen, ist viel größer. In der Ausschreibung habe ich bestimmt, dass pro teilnehmendem Jagdverband nur zwei Hundegespanne erlaubt sind. Für mehr reichen unsere Kapazitäten nicht aus.

Es fällt auf, dass die drei Erstplatzierten allesamt relativ kleine Hunde sind. Woran liegt das? Haben diese Tiere einen Vorteil gegenüber größeren Artgenossen?

Bestimmte Hunderassen eignen sich mehr für die Fährtensuche als andere, das stimmt. Aber letztlich entscheidend ist die Arbeit des Jägers mit seinem Hund, eben eine gute Ausbildung.


Was ist ein Jagdhund?

Rund 60 Hunderassen sind als Jagdhunde vom Jagdgebrauchshundverband (JGHV) zugelassen. Welche Standards für diese Rassen gelten, regelt der belgische Dachverband für Hundezucht FCI. Jagdhunde werden vom JGHV in sechs Kategorien aufgeteilt: Vorstehhunde, Stöberhunde, Schweißhunde, Erdhunde, Apportierhunde und jagende Hunde. Historisch bezog sich die Bezeichnung Jagdhund zuerst auf jagende Hunde - Bracken genannt. (smu)

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