Stadtrat erteilt Tourismusplänen Abfuhr

Ein Projektteam hat im Auftrag der Stadt ein Konzept erstellt, wie Zschopau für Tagesgäste und Kurzurlauber attraktiver und bekannter gemacht werden könnte. Doch die Ideen stießen mehrheitlich auf Ablehnung.

Zschopau.

Nicht einmal eine Stunde haben Zschopaus Stadträte gebraucht, um dem Tourismuskonzept für die nächsten zehn Jahre eine Abfuhr zu erteilen. Nach der Präsentation des "Touristischen Entwicklungs- und Handlungskonzeptes für die Große Kreisstadt Zschopau" und einer anschließenden zum Teil kontrovers geführten Diskussion hat es der Fremdenverkehrsfahrplan 2030 für die Motorradstadt nicht von der Startrampe geschafft. Lediglich Oberbürgermeister Arne Sigmund (parteilos) sowie je zwei Vertreter der Fraktionen Die Linke und Wir - die Vereine (WdV) waren für das Zukunftspapier - zu wenig bei acht Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

Das Ergebnis hat Zschopaus Rathauschef, wie er sagte, "ebenso überrascht wie enttäuscht". Denn bei der Vorberatung des Konzeptes im Hauptausschuss habe es keinen Widerspruch gegeben. "Im Gegenteil, alle Fraktionen hatten ihre Zustimmung zugesagt", so Sigmund nach der Abstimmung ernüchtert. "Schade. Es sollte uns eigentlich als Arbeitsgrundlage dienen und vor allem auch als Voraussetzung, Fördermittel für Maßnahmen zur touristischen Entwicklung beantragen zu können", bedauerte der OB.

Harald Kunze zufolge hat Zschopau in Sachen Fremdenverkehr einen "erheblichen Nachholbedarf". Kunze war Leiter einer Projektgruppe der Tourismus- und Regionalberatung GmbH aus Weimar, die im Auftrag der Stadt Zschopau das Touristische Entwicklungs- und Handlungskonzept erstellt hat.

"Im touristischen Basisangebot gibt es gravierende Defizite", schätzte Kunze die Lage in der Großen Kreisstadt ein. So sei etwa das Beherbergungsangebot völlig ungenügend. Zudem habe die Stadt kein touristisches Gesicht, relevante Akteure arbeiteten nicht zusammen, und das Marketing sei ungenügend, nannte Kunze weitere Kritikpunkte.

Aber: Zschopau habe das Potenzial, um sich auf dem touristischen Markt durchaus profilieren zu können, betonte der Fachmann. Mit Angeboten für Aktivtouristen etwa. Dafür müsse jedoch das Wander- und Radwegenetz qualitativ aufgewertet werden (Beschilderung, Gastronomie, Übernachtungsangebote).

Größter touristischer Trumpf sei allerdings der Bekanntheitsgrad als Motorradstadt. Die Hälfte aller Besucher seien Motorradinteressierte. "Darauf muss sich Zschopau besinnen", unterstreicht Kunze. Dabei genüge es nicht, am Ortseingang ein Schild mit einer Aufschrift aufzustellen. Es müsse überall sicht- und erlebbar gemacht werden, dass es sich um die Motorradstadt handelt. Mit drei Veranstaltungen im Jahr und einer Motorradausstellung sei die Stadt von einer Alleinstellung auf diesem Gebiet weit entfernt. Organisierte Touren etwa, Biker-Hochzeiten oder die Erweiterung des Museums im Schloss Wildeck, seien einige Möglichkeiten, wie aus Zschopau ein Motorrad-Eventstandort gemacht werden könnte. Doch der Vorschlag, die Motorradschau im Schloss zu vergrößern, wodurch vermutlich andere Ausstellungen wegfallen würden, sowie die Empfehlung der Projektgruppe an die Stadtverwaltung, eine zusätzliche Stelle für touristische Belange zu schaffen, waren Ursachen dafür, dass die Ratsmehrheit gegen das Konzept stimmte.


"Schon die Diskussion zeigte, dass Zschopau wohl im Dornröschenschlaf bleiben wird"

Das Tourismuskonzept für Zschopau ist zwischen November 2018 und Juni 2019 im Auftrag der Stadt von der Tourismus- und Regionalberatung GmbH Weimar erstellt worden. Es sollte als Arbeitsgrundlage für die nächsten zehn Jahre dienen. Zur jüngsten Stadtratssitzung wurde es mehrheitlich abgelehnt. Die Kosten für das Konzept (rund 12.000 Euro) sind Oberbürgermeister Arne Sigmund zufolge zu 80 Prozent mit Leader-Fördermitteln finanziert worden.

Zu den Befürwortern des Konzeptes gehörte Jürgen Hetzner (Die Linke): "Wenn wir etwas verändern wollen, dann sollten wir das Konzept annehmen. Die Umsetzung könnte in Jahresscheiben erfolgen. Die Mittel für Maßnahmen, die wir uns leisten können, sollten ab 2020 im Haushalt der folgenden Jahre festgelegt werden. Aber schon die Diskussion zeigte, dass Zschopau wohl im Dornröschenschlaf bleiben und sich in den nächsten 20, 30 Jahren vermutlich nichts ändern wird." Hetzner zur Seite stand Klaus Baumann (WdV). "Unser Alleinstellungsmerkmal ist die Motorradstadt. Und das ist eine gute Grundlage. Eine Wandererhochburg wird Zschopau nicht", so der frühere Oberbürgermeister.

Einer der acht Räte, die gegen das Konzept stimmten, war Frieder Meyer (BFW). "Woher nehmen wir das Geld für eine zusätzliche Stelle in der Verwaltung? Wenn wir nicht wissen, wie wir die Umsetzung des Konzepts bezahlen sollen, brauchen wir es auch nicht beschließen." Niels Sigmund (Grüne) begründete seine Ablehnung damit, dass er nicht zustimme, wenn nicht feststehe, ob und wie viel Raum im Schloss Wildeck eine Ausstellung zur Stadtgeschichte haben wird. Peter Uhlig (CDU) nannte die Diskussion um die Räume zwar "Kikifax", stimmte wie seine beiden Fraktionskollegen aber gegen das Konzept. (hd)


Kommentar: Starr vorAngst

Oberbürgermeister Sigmund und Projektleiter Krause sowie einige Stadträte haben mehrfach darauf hingewiesen, dass es sich beim Tourismuskonzept lediglich um eine Arbeitsgrundlage, einen Ideenpool, ein Leitbild handelt. Um einen Fahrplan für den Fremdenverkehr in der Stadt für die nächsten zehn Jahre. Aber keinesfalls um bis ins Jahr 2030 reichende Beschlüsse, die auf Biegen und Brechen durchgesetzt werden müssen - egal wie gut oder schlecht es in der Haushaltskasse aussieht. Selbst Änderungen und Ergänzungen im touristischen Zukunftspapier konnten das Gros der Volksvertreter nicht umstimmen. Zukunft gestalten setzt Mut voraus. Mut, etwas zu verändern, Missstände zu beseitigen, Sachen noch besser zu machen. Gut, Mut setzt auch ein gewisses Risiko voraus. Doch mit Angststarre lockt man keine Touristen in die Stadt.

2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    1
    kopper86
    12.12.2019

    Leute Leute Leute...
    Man kann nicht immer nur Nein sagen und alles ablehnen damit die Stadt schuldenfrei werden soll... es gibt genügend Kommunen die verschuldet sind und es funktioniert auch...
    Die Zinsen für Kredite sind günstig wie nie und mit eurer Einstellung wird es nie vorwärts gehen...
    Für die Vertreter unserer Stadt muss man sich direkt schämen... und sämtliche angrenzenden Ortschaften lachen über euch...

  • 6
    0
    Maschinenbauer
    11.12.2019

    Hierbei geht es ja nicht nur um Tourismus, sondern auch um die Identität einer Stadt. Und die Identifikation der Menschen mit ihrer Stadt und Region. Der Vorschlag des Projektteams klingt nach einer klaren Positionierung für die Stadt Zschopau mit viel Potential. Schade, dass die Stadträte hier so defensiv sind und dagegen gestimmt haben. Bleibt zu hoffen, dass der Bürgermeister Arne Sigmund einen neuen Aufschlag macht, bei dem er die Entscheidungsträger besser überzeugen und sich durchsetzen kann.



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