Städtefreundschaft mit Zwettl bekommt nach 17 Jahren Risse

Die Niederösterreicher haben ihren Besuch zum diesjährigen Schloss- und Schützenfest abgesagt. Standmiete und Kulturbeitrag tragen zur Verstimmung bei.

Zschopau.

Über der zwischen Zschopau und Zwettl bestehenden Städtefreundschaft sind dunkle Wolken aufgezogen. Seit 17 Jahren war fast immer eine Delegation der Niederösterreicher beim Schloss- und Schützenfest vertreten. Diesmal sagten Andreas Teufl und seinen Mitstreiter ab.

Ein Grund für die Verstimmung: Zschopau will den Niederösterreichern für den Verkauf von Bier und Speisen eine Standgebühr berechnen. Es sei denn, die Freunde aus Zwettl finden für nächstes Jahr einen Termin, zu dem die Zschopauer in Österreich standkostenfrei ihr eigenes Festbier anbieten dürfen. Diese Bedingung stellte Zschopaus Kultur- und Tourismusbetrieb Mitte Juni per E-Mail. Im gleichen Schreiben erfolgte eine Absage an die Kulturgruppe. "Wir sind mit der Planung des Programms schon sehr weit vorangeschritten, sodass wir in diesem Jahr leider keine Möglichkeit mehr sehen, Ihre Volkskunstgruppe ins Programm einzubinden", schrieb Tourismusbetriebsleiterin Christiane Schlegel. Stattdessen würde sich die Stadt über einen bis zwei Musiker für einen Auftritt am Samstag freuen.

Vier Wochen später folgte die Absage aus Österreich. "Es entspricht einfach nicht den Gepflogenheiten der vergangenen 16 Jahre, dass wir uns vom Gefühl her aufdrängen müssen, das Schloss- und Schützenfest zu besuchen. Mein Team und ich betrachten uns einfach nicht so eingeladen, wie es in den vergangenen Jahren der Fall war", stellt Andreas Teufl seinem Schreiben voran. Den Vorschlag von Christiane Schlegel, eine Ein- oder Zweimann-Band mitzubringen, hält er für abwegig. Sowohl wegen der möglicherweise höheren Kosten, als auch wegen des gesungenen Dialekts, den wohl niemand in Sachsen verstehen würde.

In seiner Antwort macht Teufl deutlich, dass jedes Jahr Zschopauer die Stadt Zwettl besuchen, sei es mit Handwerk oder Kulinarik. So ist eine hiesige Bäckerei beim Zwettler Weihnachtsmarkt dabei. "Unsere Freunde aus Zschopau haben noch nie Kosten für etwaige Hüttenmiete oder Ähnliches zu tragen gehabt", sagt Teufl und erwartet dieses Entgegenkommen auch von Zschopau.

Oberbürgermeister Arne Sigmund hält auf Nachfrage von "Freie Presse" daran fest, dass dann auch die Stadt Zschopau in Zwettl ihr Festbier verkaufen dürfen sollte. Andreas Teufl ist sich jedoch sicher: Die Zschopauer würden mit dem Bier in Zwettl kein Geschäft machen, weil es den Einheimischen nicht schmecken würde.

Anders in Zschopau: Die Zwettler sind mit ihrem Brauereierzeugnis beim Schloss- und Schützenfest stets gefragt. "Was für Zschopau die Motorräder darstellen, ist für Zwettl das Bier", hatte Andreas Teufl einmal gesagt. "Unser Dunkles ist süffiger als vergleichbare Biere hier." Als zum Stadtjubiläum 2017 wochentags alle Buden geschlossen und nur die Niederösterreicher ihren Stand geöffnet hatten, war der Andrang groß. Noch in der Nacht fuhr Teufl die 350 Kilometer lange Strecke zurück in die Heimat, um nachzuordern. So gut wie im Vorjahr lief der Verkauf nicht immer. In manchen Jahren habe unterm Strich ein Minus gestanden. Teufl: "Letztlich verdient kein Mensch an einer Städtefreundschaft. Hier geht es um Austausch und Repräsentation."

Am Wochenende will er trotzdem zum Schloss- und Schützenfest anreisen - ganz privat, um sich mit Freunden zu treffen. Vielleicht ergibt sich auch ein Gespräch mit den Stadtspitzen, hofft Andreas Teufl und darauf, dass sich die dunklen Wolken am Himmel wieder verziehen mögen.


Freund- und Partnerschaften

Städtepartnerschaften sind ein wichtiges Instrument zur Völkerverständigung. Sie geben den Bürgern die Möglichkeit, die Kultur und Lebensweise der jeweils anderen Stadt kennenzulernen. Das ist auf der Webseite der Großen Kreisstadt Zschopau zu lesen. Städtepartnerschaften unterhält Zschopau mit Louny (Tschechien), Neckarsulm und Veneux-Les Sablons (Frankreich).

Eine schwächere Form der Städtepartnerschaft ist die Städtefreundschaft. Sie ist laut Definition meist zeitlich begrenzt oder bezieht sich nur auf bestimmte Projekte einer Beziehung. Städtefreundschaften hat Zschopau neben Zwettl auch mit Budakeszi (Ungarn) geschlossen.

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