Statt Gewinnmaximierung geht es nun um Arbeit für Behinderte

Mit Andreas Büttner hat ein Quereinsteiger die Leitung des Wichernhauses in Waldkirchen übernommen. Obwohl er aus einer ganz anderen Branche kommt, dürften seine Kenntnisse auch künftig von Nutzen sein.

Waldkirchen.

In sein Auto zu steigen, ist Andreas Büttner gewohnt. Dienstreisen führten den Gornauer zehn Jahre lang in viele Regionen Deutschlands. Doch von seinem Berufsalltag als Unternehmensberater hatte der 36-Jährige irgendwann genug. "Als überzeugter Christ wollte ich mehr für die Menschen tun", erklärt Büttner. Auch tue es dem Familienleben gut, nicht mehr so viel unterwegs zu sein. Wenn er jetzt morgens den Motor seines Wagens anlässt, dann ist das von kurzer Dauer.

Denn Andreas Büttner fährt nur nach Waldkirchen ins Wichernhaus. Seit Kurzem leitet er die Betreuungseinrichtung für behinderte Menschen. Der Gornauer weiß, worauf er sich eingelassen hat. Schließlich schnupperte er an der Seite seines Vorgängers Christoph Schaarschmidt, der sich mit seiner Ehefrau Doris inzwischen in den Ruhestand verabschiedet hat, schon seit Jahresbeginn in den neuen Job hinein. Dabei wurde Andreas Büttner rasch klar, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat. "Meine Motivation besteht darin, den Menschen mit Behinderungen, die in der freien Wirtschaft keinen Arbeitsplatz bekommen würden, eine sinnvolle und wertschöpfende Tätigkeit anzubieten", sagt er. Und das ist der Fall, sobald der 36-Jährige aus seinem Auto gestiegen ist. Ein freundlicher Gruß, ein hilfreicher Tipp oder schnell mal einen der 90 Menschen unter die Arme greifen, die in der Behindertenwerkstatt arbeiten - es gibt viele Möglichkeiten, den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Dafür braucht es keine sonderpädagogische Qualifikation. Doch auch die will der Gornauer in den nächsten eineinhalb Jahren nachholen: "Eine Woche pro Monat ist noch einmal Schulbankdrücken angesagt."


Ganz so tief in den Alltag eingebunden wie einst Christoph und Doris Schaarschmidt, die vor Ort wohnten, ist Andreas Büttner nicht. Um die Leitung des Wohnheims kümmert sich Sven Höppe. Doch der Gornauer ist auch so dort angekommen, wo er hinwollte: an der Basis, an der man den Menschen direkt und nicht per E-Mail hilft. "Mein Herz schlägt für die Werkstatt", betont der 36-Jährige. Und dort sind ihm gewisse Dinge aus seinem alten Berufsleben und dem Betriebswirtschafts-Studium noch immer von Nutzen. Etwa, wenn es darum geht, die Finanzierungsstruktur neu aufzustellen oder Kunden zu akquirieren. Auch gesetzliche Grundlagen, die die Behindertenhilfe neu regeln, stellen eine Herausforderung dar. "Das Konzept ist in die Jahre gekommen", sagt Büttner, der in einer Liegenschaft mit viel Bausubstanz auch an Umstrukturierung und Umnutzung denkt.

Wie viel Geld notwendig ist, um gesetzliche Auflagen zu erfüllen, weiß der neue Leiter noch nicht. Gedanklich feilt er aber schon an einem schlüssigen Konzept. Über mögliche Modelle, die er im Kopf hat, muss Andreas Büttner noch mit der Geschäftsführung der Stadtmission Chemnitz, zu der das Wichernhaus gehört, reden. Klar ist für ihn aber, dass dabei auf Notwendigkeiten und Wünsche aller Beteiligten eingegangen werden soll. Denn, egal ob Unternehmensberater oder Werkstattleiter: Teamgeist war für Andreas Büttner schon immer der Schlüssel.

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