Stromausfall: Wer kommt für Schäden auf?

Ansprüche prüft der Netzversorger Mitnetz in seiner Chemnitzer Rechtsabteilung. Offenbar ist es aber schwer, einen Ausgleich zu erhalten. "Vergebene Liebesmühe", meinen von "Freie Presse" befragte Unternehmen.

Zschopau.

Kleine Ursache, große Wirkung: Nur für den Bruchteil einer Sekunde ist am vergangenen Donnerstag bei mehr als 23.000 Mitnetz-Kunden im Erzgebirge und in Mittelsachsen der Strom weggeblieben. Während der kurzzeitige Ausfall in vielen Haushalten fast unbemerkt blieb, nicht einmal die Zeitangabe auf dem Radiowecker ausfiel, klagen andere Stromkunden über defekte Geräte. Margitta Liebsch, die in Zschopau eine Zahnarztpraxis betreibt, ist frustriert. Nach dem Spannungsabfall war ihre komplette Telefonanlage ausgefallen, der Monteur bis Freitagnachmittag mit der Reparatur beschäftigt.

Bis dahin musste die Diplom-Stomatologin für Terminabsprachen mit einer Rufumleitung über ihr Mobiltelefon vorlieb nehmen. "Zum Glück sind die Computer mit den Patientendaten ganz geblieben", ist die Zahnärztin erleichtert. Auf den Reparaturkosten für die Telefonanlage - nach einer ersten Schätzung um die 1000 Euro - bleibt sie wohl sitzen. "Meine Inventarversicherung kommt nur für Überspannungsschäden auf, die durch Blitzschlag verursacht wurden", klagt Liebsch und fragt sich, ob der Netzbetreiber für die Reparaturkosten aufkommen muss.


"Vergebene Liebesmühe", sagt Ulf Ender zu möglichen Schadenersatzforderungen. Der Geschäftsführer der Papierfabrik Grünperga in Grünhainichen beziffert den nach der Stromunterbrechung durch Produktionsausfall verursachten Schaden auf mindestens 4000 Euro. Zwei Stunden dauerte es, bis die Papiermaschinen wieder anliefen. Zwischen drei und 15 Mal im Jahr habe Grünperga mit Netzausfällen zu kämpfen. Bisher sei es noch nie gelungen, Schadenersatz zu bekommen. Selbst nachdem eine Baufirma mit dem Bagger ein Erdkabel fahrlässig beschädigt hatte, gab es keine Chance, erzählt Ulf Ender.

Ähnliches berichtet Anne Rolle-Baldauf, Juniorchefin der Waldkirchener Rolle-Mühle: "Vor Jahren haben wir einmal versucht, Schadenersatz zu bekommen. Damals ging es um einen höheren Schaden." Der Aufwand habe aber letztlich nichts gebracht. Diesmal hielt sich der Schaden in Grenzen. Bis auf eineinhalb Stunden Produktionsausfall gab es in der Mühle keine technischen Schäden, sagt Anne Rolle-Baldauf.

Die Haftung bei Netzstörungen regelt der Gesetzgeber in der sogenannten Niederspannungsanschlussverordnung. Demnach bleibt die Haftung des Netzbetreibers bei weder vorsätzlich noch grob fahrlässig verursachten Sachschäden auf jeweils 5000 Euro begrenzt. Bei grob fahrlässig verursachten Schäden haftet der Netzanbieter in Abhängigkeit von der Anschlussnutzer-Anzahl mit maximal 2,5 bis 40 Millionen Euro. Der Paragraf enthält zudem mehrere Klauseln, die den Schadenersatz regeln.

Bei Mitnetz befasst sich die in Chemnitz angesiedelte Rechtsabteilung mit Ansprüchen ihrer Kunden. Im Zusammenhang mit dem jüngsten Stromausfall liegen gegenwärtig sechs Schadensmeldungen von Unternehmen vor, erklärt Pressesprecherin Evelyn Zaruba. "Bislang gibt es noch kein Ergebnis, die Bearbeitung wird bestimmt noch einige Tage in Anspruch nehmen", fügt sie hinzu. Privatkunden empfiehlt Zaruba, zunächst zu prüfen, ob der Ausfall im Rahmen der Hausratversicherung mitversichert ist.

Rätselraten gibt es darüber, warum die kurzzeitige Unterbrechung der Stromversorgung defekte Technik hinterlässt. Eine Spannungsspitze im Netz könnte eine mögliche Ursache sein, wird vermutet. Das schließt Mitnetz aber aus. "Nach der Versorgungsunterbrechung erfolgte die Zuschaltung innerhalb von 0,2 Sekunden vollautomatisch. Eine Überspannung konnten wir nicht feststellen", erklärt Evelyn Zaruba. Amtsbergs Bürgermeister Sylvio Krause habe wiederum gehört, dass eine Phasenverschiebung der 50-Hertz-Netzfrequenz zu Schäden an Geräten geführt haben soll.

Auch das Alter der Geräte kann laut Mitnetz eine Rolle spielen. Zaruba: "Im Normalfall sollte die Technik einen Stromausfall aushalten können. Es kann natürlich bei längerer Nutzungsdauer von technischen Geräten wie PC, Steuergeräte oder Heizung passieren, dass diese einem Stromausfall nicht Stand halten und entsprechend ausfallen."

Betroffene Netzkunden können sich bei Mitnetz Strom, Rechtsabteilung (J-W), 09114 Chemnitz, Chemnitztalstraße 13, schaden@mitnetz-strom.de melden. Dort erfolgt eine Prüfung.


Aussetzer für 0,2 Sekunden

Die Stromversorgung im Netzgebiet Südsachsen ist am 23. November kurzzeitig unterbrochen gewesen. Infolge eines Kurzschlusses im Umspannwerk Niederwiesa kam es 12.06 Uhr zu automatischen Sicherheitsabschaltungen in den Umspannwerken Niederwiesa, Flöha, Mittweida, Zschopau, Frankenberg und Chemnitz/Zeisigwald.

Der Netzbetreiber Mitnetz Strom berichtete auch von Spannungsabsenkungen in nicht unmittelbar betroffenen Umspannwerken. Die Umspannwerke Flöha, Mittweida, Zschopau und Frankenberg wurden nach etwa 0,2 Sekunden automatisch wieder zugeschaltet. Im Mitnetz-Bereich waren rund 23.300 Kunden von dem kurzzeitigen Aussetzer betroffen. In Teilen von Chemnitz waren nach Angaben des Energieversorgers Eins etwa 30.000 Kunden sogar eine halbe Stunde lang ohne Strom. Das Umspannwerk Chemnitz/Zeisigwald konnte erst 12.31 Uhr manuell wieder zugeschaltet werden.

Monteure haben beschädigte Bauteile im Umspannwerk Niederwiesa inzwischen ersetzt. Die Ursache des Kurzschlusses wird laut Netzbetreiber noch untersucht.

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