Tanztee ohne Tanz sorgt für Gespräche

Seit zwölf Jahren wird in der Baldauf-Villa jeden Monat das Tanzbein geschwungen. Doch die Corona-Krise bremst das Vergnügen aus. Die Veranstalter haben sich nun etwas einfallen lassen, damit wenigstens wieder ein Treffen erfolgt.

Marienberg.

Statt das Tanzbein zu schwingen, haben sich am Dienstag einige Stammgäste vom Tanztee, wie das Angebot für Senioren in der Marienberger Baldauf-Villa genannt wird, getroffen, um in Erinnerungen zu schwelgen. 2020 findet die Veranstaltungsreihe im zwölften Jahr statt. "Wir wollen Menschen in den besten Jahren, die zuhause allein auf der Couch sitzen, die Möglichkeit geben, beim Tanz soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen", sagt Constanze Ulbricht, Leiterin der Kultur- und Freizeiteinrichtung.

Derzeit ist das eigentlich monatlich stattfindende Tanzvergnügen allerdings Corona-bedingt ausgesetzt. Und das nicht nur zum Leidwesen von Gertrud Schmidt. Seit wann genau sie nach Marienberg zum Tanzen kommt, kann die 78-Jährige gar nicht genau sagen. "Einige Jahre sind aber zusammengekommen", erklärt die Seniorin. Gemeinsam mit Manfred Kunze aus Gornau ist sie auf vielen Tanzböden der Region beinahe schon zuhause. "Manchmal ist das richtige Planungsarbeit, um die Veranstaltungen in Olbernhau, Annaberg, Thum, Zschopau, Marienberg und anderen Orten unter einen Hut zu bekommen", sagt Gertrud Schmidt, für die das Tanzen mehr als ein Hobby ist. Sie spricht von einem Lebenselixier, welches sie körperlich und geistig fit hält. Und seit dem Eintritt ins Rentenalter kann sie sich verstärkt ihrer Leidenschaft widmen. "Vorher haben Beruf und Familie wenig Zeit dafür gelassen", erklärt sie.

Dass derzeit und zumindest auf absehbare Zeit keine Tanzveranstaltungen stattfinden dürfen, bedauert sie sehr. Um die fehlende Bewegung auszugleichen, hat Gertrud Schmidt ersatzweise Nordic Walking für sich entdeckt. "Was aber fehlt, ist der Kontakt mit den anderen Tanzfreunden, mit denen wir in den Jahren Bekanntschaften geschlossen haben", sagt die 78-Jährige. Das Fehlen jener Kontakte und des Austauschs wurden in den letzten Wochen auch mehrfach an Constanze Ulbricht herangetragen. Etliche Anfragen erreichten sie, wann denn endlich wieder getanzt werden darf. "Damit sich unsere Tänzer wenigstens mal wieder treffen können, haben wir kurzerhand zu einem Tanztee ohne Tanz eingeladen", sagt Constanze Ulbricht.

Um Besuchern genügend Gesprächsstoff zu liefern, haben die Mitarbeiter der Baldauf-Villa ihr digitales Fotoarchiv durchstöbert und rund 500 Fotos, die allesamt bei Tanztees in den letzten zehn Jahren entstanden, zusammengestellt und auf der Leinwand des Saales der Villa präsentiert. "Besonders die Faschingsveranstaltungen sind immer eine besonderer Höhepunkt im Tanzjahr", schwelgt Gertrud Schmidt beim Betrachten der vielen Bilder in Erinnerungen.

Ihre Sehnsucht nach dem Tanz in Gesellschaft hat der Nachmittag somit nicht gerade verkleinert. "Damit wir nicht einrosten, tanzen wir zuhause", sagt Gertrud Schmidt schmunzelnd und ergänzt: "Sessel und Sofa beiseite, eine Kassette mit deutschem Schlager in den Rekorder und schon wirbeln wir los."

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