Tartan statt Blumen zum 150. Geburtstag

Die Leichtathleten des SV 1870 Großolbersdorf kämpfen um Meter und Sekunden - und um eine neue Laufbahn. Nun wollen sie vom Gemeinderat eine Entscheidung.

Großolbersdorf.

Der Sportverein 1870 Großolbersdorf eilt mit Riesenschritten auf sein großes Jubiläum zu. Die Laufbahn des Sportplatzes an der Scharfensteiner Straße kann dafür aber kaum genutzt werden. "Sie befindet sich in einem katastrophalen Zustand und ist zudem völlig überaltert", sagt Nadine Beck. Nicht nur, dass Aschenbahnen längst nicht mehr zeitgemäß seien, so die Leichtathletik-Chefin des SV 1870 weiter. Auf dem braunen, 400 Meter langen, ausgelatschten und holprigen Oval rund um das Fußballfeld wuchere das Unkraut, was das Zeug hält.

"Da geht keiner mehr gern drauf. Sprinter schon gar nicht, die Verletzungsgefahr ist viel zu groß", sagt die 42-Jährige, die als Leiterin der etwa 100 Mitglieder starken Sektion fungiert sowie auch als Übungsleiterin und Aktive für den Verein unterwegs ist. Die Stadionrunde müsse dringend saniert werden, fordert Nadine Beck bereits seit einigen Jahren, zumal zu den Nutzern der Bahn neben den Leichtathleten auch die Schule, der Hort und der Kindergarten des Ortes zählten.


Tartan statt Asche, das wär's, sagt auch Philipp Richter, der Vorsitzende des SV 1870. Deshalb versuchen die Sportler, Bürgermeister und Gemeinderäte für ihre Pläne zu begeistern. Aus diesem Grund hatte Nadine Beck das Gemeindeoberhaupt und dessen Mannschaft am 1. Juli auf den Sportplatz eingeladen. "Wir sind die ganze Runde abgelaufen." Und auch die anschließende Diskussion sei in die richtige Richtung gegangen, berichtet die Hammer- und Diskuswerferin.

Rund eine Million Euro würde eine Komplettsanierung des Sportplatzes kosten, präsentierte Nadine Beck beim Vor-Ort-Termin gleich mit die unverbindliche Kostenschätzung eines Ingenieurbüros aus der Region. Der Plan beinhalte den Bau einer Tartanlaufbahn und einer Multifunktionsanlage für Springer und Werfer sowie Spielfelder für Volley- und Basketball. Dafür könne eine 75-prozentige Förderung aus dem Programm "Dorf vital" beantragt werden, hat sich die Sportlehrerin vom Zschopauer Gymnasium schlau gemacht.

Falls der erforderliche Eigenanteil die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde übersteige, sei auch eine Dreiteilung des Projekts denkbar. "Wie in Gornsdorf", sagt Nadine Beck. Bei der Sanierung des Sportplatzes in der flächenmäßig kleinsten Gemeinde des Erzgebirgskreises war 2012 zunächst mit der Sprintbahn begonnen worden. In weiteren Bauabschnitten entstanden dann bis 2015 Rundlaufbahn, Weit- und Hochsprunganlage, Kugelstoß- und Diskusanlage, Beachvolleyball- und Mehrzweckspielfeld.

Am Aufbringen des Eigenanteils der Gemeinde wollen sich die Leichtathleten der 1870er beteiligen. "In nur zwei Jahren ist es uns gelungen, 20.000 Euro an Spenden für die Sportplatzsanierung zu sammeln", verweist Nadine Beck auf das Ergebnis zweier Spendenläufe in den vergangenen beiden Jahren. Bei zwei weiteren Läufen im kommenden Monat - am 1. und 8. Oktober - soll das Spendenkonto weiter wachsen. Auch dieses Geld werde ausschließlich für Sanierung des Sportplatzes verwendet.

"Wir wollen mithelfen, dass unsere Gemeinde lebenswert bleibt und dass viele Kinder gern die sportlichen Angebote wahrnehmen. Dazu gehören aber ordentliche und intakte Sportanlagen, speziell ein Sportplatz mit einer Rundlaufbahn aus Tartan sowie gute Bedingungen für die Werfer und Springer", sagte Nadine Beck zur jüngsten Gemeinderatssitzung, in der sie erneut die Dringlichkeit des Vorhabens hervorhob. "Eine Sanierung wird nicht billiger, je länger man wartet. Zudem wollen Sportler, Eltern und Sponsoren wissen, was mit dem Geld wird - auch vor dem Hintergrund, dass der Verein im nächsten Jahr seinen 150. Geburtstag feiert."

Deshalb wird der Sportplatz auch bei der nächsten Zusammenkunft des Gemeinderats ein Thema sein. Andrea Pötzscher, die Regionalmanagerin des Vereins zur Entwicklung der Erzgebirgsregion Flöha- und Zschopautal, will über weitere Möglichkeiten informieren, wie die Sanierung einer von Verein, Schule, Kita und Hort genutzten kommunalen Sport- und Freizeitstätte gefördert werden kann.

Öffentliche Sitzung des Gemeinderates Großolbersdorf am Dienstag, 24. September, 19 Uhr im Mehrzweckraum Großolbersdorf, Meyweg 5.

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