Technik kann ihren Alltag erleichtern

"Freie Presse"-Leser sind ab heute wieder aufgerufen, für Menschen, denen das Schicksal Schweres auferlegt hat, zu spenden. Zwei Geschichten, die berühren.

Schneeberg/Pockau-Lengefeld.

Mit großen, erwartungsvollen Augen liegt Ulli Müller in seinem Bett. Der Junge aus Schneeberg ist zehn Jahre alt und leidet an den Folgen eines genetischen Defekts. Die Diagnose lautet: Adrenale Leukodystrophie (ALD) und bedeutet, dass sich die schützende Myelinschicht, die alle Nervenbahnen sowie das Gehirn ummantelt, allmählich zersetzt. Heilbar ist diese Krankheit in dem Stadium nicht mehr, sie lasse sich jedoch mittels einer Diät und etlichen Nahrungsergänzungsmitteln lindern, vielleicht sogar stoppen, so die Hoffnung der Eltern. Doch die Krankheit hinterlässt Spuren. Ulli kann nur im Bett liegen oder im Rollstuhl sitzen. Oft krampft er am ganzen Körper.

Seine Eltern Silke und Peter Müller tun alles, damit es ihrem Nesthäkchen gut geht. Aber sie haben bei aller Fürsorge ein großes Problem: Sie benötigen dringend einen Fahrstuhlanbau, um Ulli gefahrlos zu transportieren. "Er wächst ja, wird schwerer. Bislang tragen wir ihn immer zu zweit die steile Treppe hinunter", sagt Mutter Silke Müller und zeigt auf die enge und steile Holztreppe. Für den Transport packt sie meist den Jungen an den Armen und stützt den Kopf, der Vater nimmt ihn an den Füßen. Ulli wiegt zwar nur 33 Kilogramm, aber seine Mutter auch nur 48.

Die Eltern bewirtschaften die Gaststätte auf dem Aussichtsturm Gleesberg in Schneeberg. Das Wohnhaus gehört zum denkmalgeschützten Ensemble des Turms, der 1898 errichtet wurde. Der gesamte Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz, und doch gebe es vielleicht eine Variante, einen Fahrstuhl hinter dem Haus anzubauen. Eine Anfrage beim Denkmalschutzamt läuft. Doch die Kosten für den Bau übersteigen derzeit das finanziell Machbare der Familie. Daher hat der Verein "Leser helfen" der "Freien Presse" entschieden, den Müllers bei dem Vorhaben finanziell zu helfen.

Wenn Familie Seigert aus Pockau ihre Wohnung verlässt, dann muss dies gut geplant sein. Gut eine Stunde dauert es, bis alle im Auto sitzen. "Es ist eine regelrechte Tortur", sagt Herbert Seigert, ohne den im Alltag kaum etwas geht. Angela Seigert ist wie ihr Sohn Marian schwerbehindert. Sie leidet seit knapp 20 Jahren an Multipler Sklerose, er seit seiner Kindheit an Muskeldystrophie. Beide sitzen in Rollstühlen und sind täglich auf die Hilfe anderer angewiesen. Auch ihre Eltern packen mit an. Angela Seigert muss regelmäßig zum Arzt, der zum Beispiel den aktuellen Krankheitsstand überprüft. Arme und Beine kann sie nicht mehr bewegen, mit dem Fortschreiten der Krankheit starben die nötigen Nervenzellen ab. Marian Seigert ist weniger eingeschränkt. Zwar hat er durch seine Erkrankung an Muskelkraft verloren, seine Arme kann er noch nutzen und so einige Alltagsaufgaben selbst erledigen.

Das größte Problem der Familie: Ihr Auto reicht längst nicht mehr aus. Herbert Seigert kommt zunehmend an seine Grenzen. Zunächst muss er seine Frau und seinen Sohn anziehen, dann bringt er sie zum Treppenlift und zum Auto. Dort muss der 53-Jährige seine mehr als 90 Kilogramm schwere Frau herausheben und auf einen der Sitze heben. Danach das Gleiche mit seinem Sohn. Zudem verstaut er die Rollstühle. Sind sie beim Arzt oder bei der Physiotherapie angekommen, ist er erneut gefordert. Anschließend müssen sie wieder heim. Kurz um: achtmal schweres Heben - und das jede Woche. "Wir benötigen einen Kleintransporter", sagt Helmut Lindner, der Vater von Angela Seigert. Er hat die Familie für "Leser helfen" vorgeschlagen. "Die Rollstühle könnten über eine Rampe direkt hineingefahren und für die Fahrt gesichert werden." Kräftezehrendes Heben würde entfallen. Das würde den Alltag aller erleichtern.

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Das waren die Projekte 2017

Der Kleinbus für gut 38.000 Euro hat vieles im Leben der Familie Pfüller deutlich verbessert: Per Knopfdruck fährt der Sitz für Leonie (Foto) ein und aus, für den Rollstuhl, die Brüder und Gepäck ist genug Platz. Für Mutter Yvonne Pfüller und ihre Lieben ging ein Herzenswunsch in Erfüllung. Die 15-jährige Leonie erlitt unter der Geburt einen Schlaganfall mit Gehirnblutung. Sie benötigt bei allem Hilfe. Doch unterkriegen lässt sich das Quintett nicht. Das größere Auto mit Allradantrieb war ein großer Wunsch, weil der alte Kombi den steilen Anstieg am Lindenring, wo die Familie wohnt, im Winter oft nicht schaffte. (ane)

Ein neues Badezimmer war der große Wunsch von Familie Korb aus Oberwiesenthal. Die Leser der "Freie Presse" spendeten dafür mehr als 20.000 Euro. Doch gut Ding will Weile haben. Die Planungen laufen auf Hochtouren. Geplant sind unter anderem eine behindertengerechte Dusche und ein höhenverstellbares Waschbecken. Zudem ist ein Wasserhahn mit einem Sensor vorgesehen, sodass sich der Junge die Hände auch allein waschen kann. Sten Korb kam als extremes Frühchen auf die Welt. Nichtsdestotrotz soll er so viel wie möglich selbstständig machen können. Das neue Badezimmer ist ein weiterer Schritt dafür. (aed)

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