Technische Erneuerung am Fichtelberg läuft ins Leere

Das Ski-Gebiet hat eine gute Saison hinter sich. Verbessern wird sich für die Skisportler zunächst jedoch nichts, bedauert der Schwebebahn-Chef.

Oberwiesenthal.

Hatte der "Oberschneemeister" vom Fichtelberg nach dem Winter 2015/2016 noch zum Erstaunen von einer guten Saison gesprochen, trifft er diese Aussage diesmal nicht. Dabei kann er eigentlich auf 29 Skitage mehr als im vorhergehenden Winter verweisen.

Der Ausfall eines Lifts wirkt indes nach - und Besserung ist nicht in Sicht. Weder an der Himmelsleiter, wo die überalterte Technik ihren Geist aufgegeben hatte, noch am Haupthang. "Weder für die eine noch für die andere Trasse gibt es eine Baugenehmigung", sagt René Lötzsch leicht frustriert.


Denn er - und vorherige Verantwortliche der zuständigen Fichtelberg Schwebebahn GmbH - suchen seit Jahren nach Modernisierungsvarianten. Vergeblich. "Da verliert man die Lust, wenn einem immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen werden", sagt Lötzsch. Derzeit wartet der Geschäftsführer einmal mehr auf einen Bescheid von der Landesdirektion Sachsen. Diesmal geht es um Ersatz für die beiden vorderen Schlepplifte oberhalb der Freilichtbühne. "Ich weiß, dass es Einsprüche geben wird. Deren Inhalt kenne ich aber noch nicht. Deshalb warte ich sehnsüchtig auf das Papier", so der Schwebebahnchef.

Doch selbst wenn er eine Baugenehmigung ohne Auflagen erhalten würde, käme diese für die kommende Skisaison bereits zu spät. "Wir dürfen ja die zu fällenden Baume erst im Herbst ummachen. Und danach reicht die Zeit keinesfalls, um den neuen Sessellift zu bauen", begründet er seine Prognose und hofft weiter. "Vielleicht können wir im Mai 2018 loslegen."

Für den Bereich an der Himmelsleiter hat er diese Hoffnung bereits wieder begraben. Dabei wäre es dort noch notwendiger, die marode Technik zu tauschen. Die Warnsignale schlugen diesmal in einen Defekt um, vom 22. Januar bis zum 3. Februar stand der Schlepplift still - Getriebeschaden. Eine neue Welle musste her, eine niederländische Firma erhielt den Auftrag. "Doch nur für eine Hilfsvariante, die deutlich langsamer lief. Sonst wäre der Aufzug weitere Wochen ausgefallen. Nur müssen wir für kommenden Winter richtigen Ersatz besorgen", sagt der Geschäftsführer zerknirscht. Denn der seit Jahren vorgesehene Bau eines modernen Sessellifts in Ostdeutschlands bekanntestem Skigebiet scheitert immer wieder an Einsprüchen, Auflagen, Planänderungen. "Ich frage mich, warum das auf tschechischer Seite nicht so ist. Da gelten EU-Regeln offenbar nicht."

Etwas besänftigen ihn die Zahlen, die er zur abgelaufenen Saison vorweisen kann. Mehr als 270.000 Gäste an 117 Skitagen, 46-mal Nachtskilauf, mehr als 1,81 Millionen Liftfahrten. Um all dies präsentieren zu können, waren eine Menge Arbeit und ein hoher Aufwand notwendig. "An 31 Tagen haben wir 414 Stunden beschneit und dabei 328.000 Kubikmeter Kunstschnee produziert. Fürs Aufarbeiten der Pisten gingen 50.700 Liter Diesel drauf. Sieben Leute waren Nacht für Nacht fürs Präparieren und Beschneien im Einsatz", nennt Lötzsch einige Parameter. Dabei sei das Ganze einerseits wegen der Kälte, dem vielen Naturschnee und dem recht selten wehenden Wind deutlich preisgünstiger als in anderen Wintern gewesen, andererseits aber auch teurer. Logisch, da es 120 statt 91 Skitage gab und dadurch mehr Betreuungsaufwand nötig war. Der Kraftstoffverbrauch stieg um ein Viertel, dagegen sank die Menge des benötigten Wassers um rund 20.000 Kubikmeter.

"Alles in allem hatten wir eine gute Wintersportsaison - auch wenn einige statt mit dem Lift zeitweise mit dem Bus zum Gipfel fahren mussten", fasst es der Geschäftsführer zusammen.

Weitgehend bestätigt wird er von Vielfahrer Wolfgang Mank. Der Buchholzer war an 117 Tagen auf dem Fichtelberg. "2696 Liftbenutzungen, 4790 gefahrene Kilometer und dabei 648.900 Höhenmeter sind zusammengekommen", sagt der 64-Jährige. Beachtliche Werte, die er trotz der viel zu langsamen Schlepper schaffte. Aber: "Am Fichtelberg muss sich etwas tun, sonst wird er noch weiter von den Nachbarn abgehängt", sagt Mank.

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