Tierhalter im Erzgebirge rüsten gegen den Wolf auf

410 Anträge auf finanzielle Hilfe für Schutz gegen das Raubtier gingen beim Freistaat aus dem Erzgebirge und anderen Regionen ein. Dass die Vorkehrungen tatsächlich helfen, bezweifelt ein Landwirtschaftsexperte.

Zschopau/Marienberg.

Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis es auch im Erzgebirgskreis einen unschlagbaren Beweis für einen umherstreifenden Wolf gibt. Sechs Hinweise sind in diesem Jahr bislang aus verschiedenen Orten im Landratsamt eingegangen. "Die Meldungen erfolgen sehr sporadisch. Eine Bewertung, für die es meist keinerlei weitergehende Beweise gibt, ist schwierig", sagt Stefan Pechfelder, Mitarbeiter im Büro des Landrates. Deshalb zählen alle Sichtungsmeldungen zu den unbestätigten Hinweisen. Erst ein Foto aus einer Fotofalle oder mehrere sichere Hinweise wie Kot, Spuren oder Wolfsheulen gelten als Bestätigung. Ein eindeutiger Nachweis blieb also bisher aus.

Trotzdem rüsten Nutztierhalter auf. Denn seit der gesamte Freistaat zum Wolfsgebiet erklärt wurde, können sie für bestimmte Schutzvorkehrungen finanzielle Unterstützung erhalten. Im Landesamt für Umwelt und Geologie wurden in diesem Jahr zusammenfassend für die Landkreise Zwickau, Erzgebirge und Vogtland, die Stadt Chemnitz sowie den Landkreis Mittelsachsen dazu 410 Anträge gestellt, erklärt Sprecherin Karin Bernhardt auf Anfrage. "Für knapp die Hälfte der Antragsteller sind die Fördergelder bereits ausgezahlt. Alle anderen befinden sich noch in der Bearbeitung."

Laut Pressesprecherin wurden im vergangenen Jahr im Einzugsgebiet des Landesamtes, zu dem der Erzgebirgskreis zählt, Zuschüsse in Höhe von rund 175.000 Euro ausgezahlt - in diesem Jahr sind es bis jetzt rund 70.000 Euro. Gefördert werden mobile Elektrozäune, Herdenschutzhunde, Breitbandlitze, das ist Flatterband als Übersprungschutz, zudem ein sogenannter Unterwühlschutz bei Wildgattern. Der Fördersatz beträgt 80 Prozent der Nettoausgaben. Dass derartige Schutzvorkehrungen inzwischen in allen Regionen Sachsens notwendig sind, zeigen die allein in diesem Jahr von Wölfen verursachten Übergriffe auf Nutztiere. Nach Auskunft des Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz gab es bisher 21 Vorkommnisse im Freistaat - in sechs Fällen sei der Wolf als Verursacher wahrscheinlich. Bei den Übergriffen wurden 88 Tiere getötet, fünf Fälle sind noch in Bearbeitung.

Auch bei der im Mai bei Scharfenstein ausgebüchsten Jungrinderherde, von denen sieben Rinder von einem Zug überrollt wurden, wird vermutet, dass zuvor ein Wolf die Tiere aufgeschreckt hat. Zwei Augenzeugen berichteten später, unmittelbar vor und nach dem Unglück einen Wolf gesehen zu haben. Die Bauernland Agrar AG, zu der die Rinder gehören, hat die Landeszuschüsse für Wolfsschutzzäune schon in Anspruch genommen. Die gibt es zwar nicht für Rinder, aber beispielsweise für Schafe. Immerhin zählt die Großolbersdorfer Agrargesellschaft zu den größten Produzenten von Mastlämmern im Erzgebirge. 1500 Schafe stehen bei Großrückerswalde, Niederlauterstein und Rittersberg auf der Weide.

Die Tiere werden nicht von Schäfern gehütet, sondern auf Koppeln gehalten. Drei bis vier Mitarbeiter sind damit beschäftigt, erklärt der Vorstandsvorsitzende Matthias Espig. Rund 5000 Meter Schutzzaun habe Bauernland vom Freistaat gefördert bekommen. Die Anschaffung ist für das Unternehmen wichtig, um bei einem Wolfsriss Schadensersatz zu erhalten. Von der Wirksamkeit verspricht sich Espig allerdings nicht viel: "Die Netzzäune sind mit 1,80 Meter etwas höher und stabiler als herkömmliche Schafsnetze. Ist der Wolf aber erst einmal da, wird er auch davor nicht Halt machen." Falls das Raubtier im Erzgebirge gar heimisch werden sollte und seine Scheu verliert, kann Bauernland seine Schafe abschaffen, glaubt Matthias Espig. Nicht zuletzt, weil der bürokratische Aufwand für Entschädigungszahlungen in seinen Augen viel zu hoch ist.

600 Schafe hat auch der Olbernhauer Landwirtschaftsbetrieb auf der Weide. Noch in diesem Jahr will die Genossenschaft einen Antrag auf Förderung von Schutzzaun stellen, sagt Vorstand Klaus Fiedler. Über die sich möglicherweise anbahnenden Probleme mit dem Wolf habe er sich bislang noch nicht den Kopf zerbrochen. "Die Milchproduktion steht bei uns im Vordergrund. Wenn der Wolf das erste Schaf gerissen hat, sieht das vielleicht etwas anders aus."

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1Kommentare
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  • 5
    1
    Tauchsieder
    02.09.2016

    X-ter Artikel zur Wolfshysterie. Und ewig grüßt das Murmeltier.



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