Trabantverleih: Ostalgie zum Mieten

Marcel Spindler war noch nicht einmal geboren, als am 30. April 1991 der letzte Trabi vom Band lief. Dieser Fakt stört ihn allerdings wenig. Sein Herz schlägt für das DDR-Vehikel. Diese Leidenschaft will er mit all denjenigen teilen, die mittlerweile VW und Co fahren, aber noch einmal jung sein wollen.

Annaberg-Buchholz.

Auf den Straßen des Erzgebirges hört man es nur noch selten knattern. Nur hier und da taucht mal noch ein Trabant auf. Das will Marcel Spindler ändern. Er hat nun die erste Trabantvermietung in Annaberg-Buchholz gegründet. Das sei auch die einzige im Erzgebirgskreis, wie er sagt. Ein ähnliches Angebot gebe er erst wieder in Chemnitz.

Doch wie kommt ein 26-Jähriger auf die Idee, ausgerechnet DDR-Autos zum Verleih anzubieten? Die Antwort ist ziemlich einfach. Er mag diese Fahrzeuge einfach. Bereits 2010 kaufte sich Spindler seinen ersten Trabant. Damals sparte er sich das Geld für den neptunblauen 601er noch mühevoll vom Lehrlingsgehalt ab. Und auch wenn zum Zeitpunkt seiner Geburt schon keine neuen Trabis mehr produziert wurden, in Berührung kam er damit trotzdem. "Ich wurde im Trabant zum Kindergarten gefahren", erinnert sich der Annaberg-Buchholzer. Frühe Kindheitserinnerungen können prägend fürs Leben sein.

Und da Trabifahren einfach Spaß mache, es aber nicht mehr alle können, weil im Alltag Fahrkomfort und Modernität dann doch mehr gefragt sind, kam Spindler auf die Idee, einen Verleihservice aufzubauen. Schritt eins: Trabis besorgen. Aufgrund der Seltenheit nicht mehr ganz einfach. Doch nach und nach baute sich der 26-Jährige einen kleinen Fuhrpark auf. Dafür reiste er etwa nach Thüringen, Mittweida und Berlin. In einem Fall kam ihm die Familienplanung der ehemaligen Besitzer zugute, die dann doch auf ein größeres Gefährt umschwenkten. In einem anderen trennte sich ein älterer Mann damals von seinem Trabant.

"Ich habe darauf geachtet, unterschiedliche Farben zu bekommen." Ausleihbar sind: ein Trabant 601 in Baligelb (Baujahr 1981), einer in Gletscherblau (1988) und Panamagrün (1988). Und das Angebot soll weiter wachsen. Unter anderem ist Spindler auf der Suche nach einem sogenannten Kübel, wie er zu DDR-Zeiten beispielsweise von der Armee genutzt wurde. Auch ein Cabrio fände er nicht schlecht.

Viele seiner Kunden fuhren einst selbst Trabi und wollen noch einmal in diese Zeit zurückreisen. Schaltung, Klang, Geruch - sobald ein Trabi in der Nähe ist, bekomme man das mit. "Sie wollen das Fahrgefühl von früher", so Marcel Spindler. Heute würde man es wohl Entschleunigung nennen. Aber auch viele junge Leute, die noch nie einen Zweitakter gelenkt haben, kommen zur Annaberger Trabantvermietung. Gibt es da keine Probleme, zum Beispiel mit der Schaltung? Marcel Spindler lacht. "In allen Fahrzeugen liegt eine Schaltanleitung." Außerdem gibt er vor dem Start noch eine Einweisung. Da wird zum Beispiel erklärt, dass sich der Tank im Motorraum befindet. Mit einer Tankfüllung komme man je nach Fahrstil etwa 300 Kilometer weit. Den passenden Treibstoff für seine Trabis mischt Spindler übrigens selbst. Gewartet werden die Trabis von einer Partnerwerkstatt.

Seine eigene Rennpappe kommt übrigens nur bei schönem Wetter zum Einsatz. Viel zu wertvoll sei das nostalgische Stück, sagt Spindler zu seinem Trabi als Zweitwagen fürs Wochenende.

trabantvermietung-annaberg.de

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