Traditionsmarke aus Zschopau Nummer 1 auf Kubas Straßen

MZ ist tot, es lebe MZ. Die hiesige Motorradproduktion ist längst Geschichte. Doch die Maschinen haben weiter eine große Fangemeinde. Besonders in dem karibischen Inselstaat hängen die Menschen an den Oldies aus der DDR.

Zschopau.

95 Jahre, nachdem in Zschopau das erste Zweirad in Serie ging, ist der Motorradbau in der Region längst passé - die Marke MZ lebt weiter. In Deutschland haben die Maschinen Anhänger - auf Kuba sind sie Kult. Vom "König der Motorräder" spricht Manuel Carcía Paz. Der in der Stadt Morón in der Provinz Ciego de Ávila lebende Kubaner ist als Reiseleiter oft wochenlang mit Touristen unterwegs. Mit einer Handykamera hat er in seiner Heimat zahlreiche Schnappschüsse von MZ-Maschinen und ihren stolzen Besitzern gemacht (Fotos).

"Kubaner, die eine MZ haben, pflegen und lieben sie wie eine ,zweite Frau'", berichtet Manuel Carcía Paz mit einem Augenzwinkern. Er spricht vom beliebtesten und am häufigsten anzutreffenden Motorrad, das mitunter als Einpassagier-Taxi oder auch schon mal als Beförderungsmittel für eine dreiköpfige Familie dient. Ersatzteile für die betagten Zweiräder kommen aus der Türkei oder werden vor Ort mit rustikalen Dreh- und Fräsmaschinen hergestellt.

Unmittelbar nach Aufnahme der Handelsbeziehungen mit der DDR begann auch die Einfuhr der Motorräder aus Zschopau. "Zuerst für das Landwirtschaftsministerium, die Post, die Polizei und andere Einrichtungen des Staates", berichtet Carcía Paz. Ab den 1970er-Jahren wurden die Maschinen von den Gewerkschaften gegen einen geringen Aufpreis als Auszeichnung für "Helden der Arbeit" und hervorragende Arbeiter verkauft. Die meisten MZ kamen aber Ende der 1970er-Jahre bis zur Wende ins Land, als Tausende von kubanischen Jugendlichen, die in der DDR für vier Jahre gearbeitet hatten, ein Motorrad mitbrachten, erzählt der 56-jährige Familienvater, der in der DDR auch als Dolmetscher und Übersetzer arbeitete. Bis zur Wende 1989 gehörte das Motorradwerk Zschopau zu den größten Herstellern der Welt. Sechs Jahre zuvor lief das zweimillionste Motorrad vom Band - eine MZ ETZ 250. So eine Maschine nahm auch Manuel Carcía Paz nach Abschluss seines Maschinenbau-Studiums in der DDR mit in die alte Heimat. "Schweren Herzens musste ich das geliebte Motorrad zu Hause verkaufen. Ich brauchte das Geld für eine Wohnung für unsere junge Familie mit zwei Kleinkindern." Zu Zschopau hat Manuel Carcía Paz noch heute Kontakt. "Dort habe ich mit Harald Weyprecht einen innig geschätzten Freund, den ich durch meine Reiseleitungsarbeit auf Kuba vor mehr als 20 Jahren kennenlernte." Über den Zschopauer, der bis nach der Wende im alten MZ-Werk arbeitete, ergab sich schließlich der Kontakt zu den Mitarbeitern auf Schloss Wildeck.

Motorrad-Geschichten wie diese bekommen Joachim Junge und seine Kollegen an der Museumskasse oft zu hören. Zuletzt hatte sich bei ihm ein Finne per E-Mail gemeldet. Er schrieb von einem Brand seines Elternhauses, bei dem auch die Papiere seiner DKW Supersport 600 ein Opfer der Flammen wurden. Die Maschine hatte er von seinem Vater bekommen. In diesem Fall kann Joachim Junge helfen und dem Finnen eine Kopie der Unterlagen schicken.

Die Geschichte von Manuel Carcía Paz können Besucher im Dresdner Verkehrsmuseum nachlesen. Dort läuft bis 6. August die Sonderausstellung "Trophys & Trophäen", die sich mit MZ-Motorrädern aus den Jahren 1952 bis 2005 befasst. Neben Unterlagen, Pokalen und Medaillen hat die Stadtverwaltung vier Maschinen als Leihgabe bereitgestellt.


Ihre MZ-Geschichte

Was haben Sie, liebe Leser, mit Ihrer MZ erlebt? Wie sind Sie zu ihr gekommen? Haben Sie eine besondere Reise mit ihr unternommen oder eine MZ wieder auf Vordermann gebracht?

Schreiben Sie Ihre Erinnerungen und Anekdoten auf und schicken diese, wenn möglich, mit einem oder mehreren Fotos, an "Freie Presse", Ludwig-Würkert-Straße 2 in 09405 Zschopau, Kennwort "Meine MZ", oder per E-Mail an red.zschopau@freiepresse.de. Bitte Adresse und Rufnummer nicht vergessen.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...