Traumberuf auf dem Dachboden entdeckt

Angelique Pál wird im August ihre Ausbildung in der Zschopauer Stadtbibliothek abschließen. Dorthin hat sie ihre Leidenschaft zum Lesen geführt. Die gibt sie jetzt auch an die Jüngeren weiter.

Zschopau.

Angefangen hatte alles auf dem Dachboden der Eltern. Durch Zufall fand Angelique Pál dort ein verstaubtes Exemplar von "Robinson Crusoe". "Da war ich gerade mal in der fünften oder sechsten Klasse", sagt die heute 22-Jährige. Daniel Defoes 300 Jahre alte Geschichte über einen Schiffbrüchigen sei für ihr Alter zwar noch ziemlich schwerer Lesestoff gewesen. Doch die junge Angelique nahm die Herausforderung an und kam so zu ihrer großen Leidenschaft.

Eben diese Leidenschaft, das Lesen, hat Angelique Pál nach Zschopau geführt. Nach dem Abitur in Annaberg und auch hunderte Bücher nach Robinson Crusoe entschied sie sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Der Trägerverein vermittelte auch eine Stelle in der Stadtbibliothek Zschopau. Der begeisterten Romanleserin fiel die Wahl nicht schwer. Nach dem FSJ begann die Abiturientin kein Studium, sondern startete eine Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste mit der Fachrichtung Bibliothek (FAMI). Für den praktischen Teil blieb sie in Zschopau. Im August wird die junge Frau ihren Abschluss erhalten. In der Bibliothek möchte sie bleiben - auch wenn während der Arbeit nur wenig Zeit zum Lesen bleibt. "Das hole ich gern in der Freizeit nach." Oder während der täglich anderthalb Stunden Zugfahrt zwischen Zschopau und dem Wohnort Freiberg.


Zur Ausbildung gehört eine Projektarbeit. Angelique Pál entschied sich, den Sächsischen Buchsommer in der Zschopauer Bibliothek mit zu organisieren. Elf- bis 16-jährige Schüler sollen dabei in den Ferien zum Lesen animiert werden. "Gerade in der Pubertät lässt das Interesse am Lesen oft nach", habe die ehemalige Abiturientin oft beobachtet. Ziel ist auch, leseschwache jüngere Schüler an anspruchsvollere Lektüre heranzuführen. "Das geht gut mit Comics oder Hörbüchern", sagt Angelique Pál, die schon ihren zehn Jahre alten Bruder mithilfe von Donald Duck zum Lesen motivieren konnte. Und dass Lesen keine einsame Tätigkeit sein muss, erfahren die Schüler, wenn sie untereinander über ihre Lektüre sprechen. Auch das gehört zum Buchsommer.

Doch um den Geschmack der Kids zu treffen, musste zunächst aus tausenden Büchern eine Auswahl getroffen werden. Das erfordert Durchblick in der Literaturschaft. Und die angehende FAMI steht gut im Stoff. Wie viele Werke sie gelesen hat, weiß sie selber nicht mehr genau. Darunter waren nicht nur Romane, sondern auch Superheldencomics und Jugendbücher. Ihre besondere Liebe gilt aber dem Fanstasygenre. Da geht es um Drachen, Helden und Magier. Den über tausendseitigen Klassiker "Herr der Ringe" habe sie fünfmal gelesen: "Ich liebe es, in diese fremden Welten abzutauchen." Eben diese Fantasyliteratur komme auch bei Schülern, Jungs wie Mädels, an. Mit Harry Potter etwa ist nicht nur Angelique Pál, sondern sind auch viele ihrer Klassenkameraden groß geworden. In den Pausen seien die Abenteuer des Zauberlehrlings oft Gesprächsthema gewesen. "Da geht es um eine Schülerclique, Konflikte, Freundschaften, und die Magie macht das alles noch etwas spannender."

Da Angelique Pál weiß, dass auch sie sich gerne mal während ihrer Lieblingstätigkeit vom Smartphone ablenken lässt, wird das Gerät aus dem Zimmer verbannt: "Sonst wird das mit dem Abtauchen schwer." Auch für Kinder und Schüler sei ungestörtesLesen gut, um Entspannung zu finden, glaubt die 22-Jährige. Bei aller Liebe für die Literatur gibt es jedoch ein Genre, das sie nicht mag: "Krimis finde ich langweilig, weil ich nach wenigen Seiten meist weiß, wer der Mörder ist."

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