Trotz großer Umleitung fließt in Zschopau der Verkehr

Dass auf dem Wochenmarkt Kunden wegbleiben, könnte neben dem neuen Standort auch etwas mit negativer Mund-zu-Mund- Propaganda über die Erreichbarkeit der Innenstadt zu tun haben. "Freie Presse" machte den Test.

Zschopau.

Trotz umfangreicher Umleitungen bleibt die Zschopauer Innenstadt mit dem Auto gut erreichbar. Sowohl ins Stadtzentrum hinein als auch bei der Ausfahrt müssen Kraftfahrer kaum mit bemerkenswerten Verzögerungen rechnen. Das hat ein Test der "Freien Presse" in einer vergleichsweise verkehrsreichen Zeit ergeben.

Gefühlsmäßig sieht das mancher offenbar anders. "Selbst Einwohner erzählen, dass man hier nicht mehr reinkommt", berichtete Wilfried Leibling vorige Woche zur Stadtratssitzung. In derart negativen Äußerungen vermutet der Ordnungsamtsleiter auch einen Grund, weshalb zum Einkauf weniger Menschen ins Stadtzentrum kommen. Zuvor hatte Linke-Stadtrat Jürgen Hetzner die Verwaltung aufgefordert, schnellstmöglich etwas zu unternehmen, um den Zschopauer Wochenmarkt zu retten. Am vergangenen Dienstag hatte schon zum zweiten Mal nur ein Händler im Schlosshof seinen Stand aufgebaut. Andere kommen nicht mehr, weil Kunden fernbleiben. Die Ursache dafür wurde bislang im neuen Standort gesehen.

Christoph Ulrich

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"Wir haben den Wochenmarkt vom Neumarkt verlegt, um Parkplätze zu gewinnen", erinnerte Wilfried Leibling an die auf die Zeit des Kanalbaues in der Gartenstraße begrenzte Entscheidung. Gelänge es zu vermitteln, dass Zschopau trotz Umleitung erreichbar ist, wäre hinsichtlich der Belebung des Wochenmarktes schon einiges erreicht, machte der Ordnungsamtsleiter deutlich.

Der Umleitungstest erfolgte am vergangenen Freitag im Zeitraum zwischen 15 und 16 Uhr. "Freie Presse" hat dazu vier Routen gewählt, auf denen der Verkehr ins Zentrum und wieder heraus rollt. Fünfeinhalb Minuten dauerte die längste Tour, die von der Tankstelle in der Scharfensteiner Straße über die Johannisstraße bis zur Tankstelle in der Chemnitzer Straße führte. An der Ampel-Anlage am Schillerplatz gab es Wartezeiten zwischen einer und zweieinhalb Minuten.


Vier Routen durch Zschopaus Innenstadt

Mike Baldauf ist vom Neumarkt aus gestartet und hat drei Ziele an der Peripherie angesteuert.

Route 1 - Neumarkt bis Tankstelle B 174-Abfahrt/Süd in 2:20 Minuten: Die Strecke vom Neumarkt in Richtung Scharfenstein ist die Gleiche wie vor der Umleitung. Ich biege rechts auf die Lange Straße ab und trete wenige Meter weiter auf die Bremse. Aus der Einfahrt zum Altmarkt zieht kurz vor mir ein Auto nach links auf die Lange Straße. Dass die Einbahnstraßenregelung aufgehoben ist, fühlt sich noch immer ungewohnt an. Die Fahrbahn vor mir ist leer, auf der anderen Seite kommen mir hinter der Zschopau-Brücke mehrere Autos entgegen. Ich halte mich an die 30 Km/h-Begrenzung. Rechts auf der Bahnhofstraße sehe ich jede Menge freie Parktaschen. Nach reichlich zwei Minuten ist das Ziel erreicht.

Route 2 - Tankstelle B 174-Abfahrt/Süd bis Tankstelle Chemnitzer Straße in 5:30 Minuten: Für die längste Teststrecke benötige ich die meiste Zeit. Das klingt logisch. Wobei fast die Hälfte der Fahrzeit Wartezeit ist. Bis die Ampel am Schillerplatz auf Grün schaltet, vergehen zweieinhalb Minuten. Sieben Autofahrer warten mit mir. Die längste Kfz-Schlage, die ich auf der Johannisstraße schon gesehen habe, reichte bis zur Kirchentreppe. Ins Auge fiel auf diesem Abschnitt ein kleiner Schilderwald an der Zschopaubrücke.

Route 3 - Tankstelle Chemnitzer Straße bis Parkplatz Penny-Markt in 4:30 Minuten: Zunächst geht es in gewohnter Weise vorwärts bis zur Ampelanlage am Schillerplatz. Vor mir stehen ein Bus und drei Pkw. Nach reichlich einer Minute schaltet die Ampel auf Grün. Ich biege links ab auf den Brühl. Auf der anderen Straßenseite warten acht Pkw. Vor der nächsten Ampel stehe ich zehn Sekunden, die folgende an der Waldkirchener Straße zeigt freie Fahrt.

Route 4 - Parkplatz Penny-Markt bis Neumarkt in 4:45 Minuten: Zurück ins Zentrum geht die Fahrt über die Gabelsbergerstraße. Höchstgeschwindigkeit: Tempo 30. An der Auffahrt auf den Brühl an der Nexö-Schule ist Vorsicht geboten. Die Fußgängerampel ist nicht gleich einsehbar. Bevor ich auf die Lange Straße abbiege, warte ich knapp zwei Minuten am Schillerplatz.

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