Trotz Sahara-Glut: An diesen drei Orten lässt es sich aushalten

Hoch Ulla lässt die Erzgebirger schwitzen. Heiße Luft aus Afrika sorgt für Temperaturen bis über 30 Grad Celsius. Wie und wo man sich davor schützen kann.

Marienberg/Zschopau.

Glutofen Erzgebirge. Die Region hat mit einer Hitzewelle zu kämpfen. Hoch Ulla macht einfach keine Pause - im Gegenteil. Der Wind bläst weiter heiße Luft aus der Sahara ins Gebirge. Am heutigen Mittwoch soll das Thermometer in einigen Regionen sogar die 40-Grad-Marke erreichen.

Ein hitzebedingter Anstieg der Anzahl von Kreislaufpatienten sei noch nicht zu verzeichnen, sagte der Ärztliche Leiter des Klinikums Mittleres Erzgebirge, Dr. Norbert Heide, am Dienstag. "Sollten die Wettervorhersagen zutreffen, kann es aber durchaus dazu kommen", fügt der Chefarzt hinzu. Schwülheißes Wetter sei besonders für Übergewichtige, Diabetiker sowie für Menschen mit Herz- und Kreislaufproblemen eine enorme Belastung. Deshalb sein Rat: "Möglichst Anstrengung vermeiden, ein schattiges Plätzchen suchen und viel trinken."


Schulen haben sich auf die Hitze eingestellt. Das Zschopauer Gymnasium hat die Unterrichtsstunden zunächst bis zum heutigen Mittwoch auf 30 Minuten verkürzt. An der Nexö-Oberschule ist spätestens nach der fünften Stunde Schluss.

"Lange - fit und munter" lautet das Motto von Kati Lange und ihrer gleichnamigen Firma. Die Zschopauerin ist Alltagscoach und hat jede Menge Tipps fürs Wohlbefinden - auch an heißen Tagen: "Luftige Kleidung, ausreichend trinken und leichtes Essen." Trinkmuffeln empfiehlt sie, die Wasserflasche mit Markierungen zu versehen - zur Selbstkontrolle des regelmäßigen Flüssigkeitsnachschubs. "Etwas Gurke, Melone oder Zitrone verleihen Wasser nicht nur etwas Geschmack, sondern füllen auch den Mineralienspeicher auf." Von Eiswürfeln rät die Expertin dagegen ab. Ebenso von zuviel Kaffee: "Nach einem kurzen Hoch fällt der Körper in ein extremes Leistungstief." Kühlakkus, die zur Erfrischung aufgelegt werden können, oder Kühlspray machen Hitzetage ebenfalls erträglicher. Auf Sport sollte ausnahmsweise verzichtet werden: "Das ist extremer Stress." Gegen ein Eis oder den Freibadbesuch nach Feierabend sei dagegen nichts einzuwenden.

Eine Übersicht über Bäder mit Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und weiteren Infos gibt es unter www.freiepresse.de/freibaeder


Platz 1: Kühlschrank unter Tage zwischen Großolbersdorf und Hilmersdorf

Die kühle Luft im Pumphaus ist schon eine Wohltat. Hinter der Tür, die den Zugang zum St.-Gideon-Erbstolln in Großolbersdorf versperrt, ist es noch kälter. Am gemauerten Mundloch zeigt das Thermometer exakt 11 Grad Celsius an. "Weiter drinnen sind es vielleicht 10 - konstant", sagt Steve Pergelt. Ideal als Weinlager, so der 39-Jährige. Der "Kühlschrank" ist 1260 Meter lang. Der Eingang befindet sich auf Pergelts Grundstück in der Grünauer Straße. 1552 hatten Bergleute begonnen, einen unterirdischen Gang in Richtung Lauta in den Fels zu schlagen - zur Entwässerung des Reviers, Erz wurde nie abgebaut. Allerdings kann der St.-Gideon-Erbstolln nur zu bestimmten Anlässen betreten und besichtigt werden. Aber vielleicht hält die Hitzewelle ja bis zur Museen-Erlebnisnacht am 23. August in Großolbersdorf. (hd)


Platz 2: Erzgebirgswald am Röthenbach

Wer sich der Hitze entziehen möchte, sollte einen Waldspaziergang unternehmen. Forstwirt Reiner Petzold kennt im Borstendorfer Revier die Plätze, die eine besondere Frische versprechen. An dieser Stelle zwischen Eppendorf und Reifland fließt der Röthenbach, der auch ein kleines Kneippbecken speist. Die Außentemperatur betrug am gestrigen Dienstag gegen 10.30 Uhr 26 Grad Celsius. Das Wasser ist an der Stelle gut gekühlt. "Das tut gut", sagte Reiner Petzold und genoss jeden Schritt. Der Forstwirt hatte sich eine kurze Auszeit für einen Besuch des Kneippbeckens gegönnt. Der Erzgebirgswald schafft sein eigenes, kleinräumiges Klima.

Dabei spenden die Bäume nicht nur Schatten, sondern kühlen auch in gewisser Weise. Das liegt daran, dass Bäume Wasser verdampfen. Dieser Prozess verbraucht Wärme, die der Luft entzogen wird. (dit/mik)


Platz 3: Deutschlands Kältekammer Kühnhaide

Es weht ein angenehmer lauer Wind. Und auch die Temperaturen lassen sich in Kühnhaide aushalten. Nicht umsonst gilt der Ortsteil von Marienberg als Deutschlands Kältekammer, als kältester bewohnter Ort der Bundesrepublik. Die Lage lässt sogar Frost bis in den Sommer zu. Ganz so frisch ist es am gestrigen Dienstag zwar nicht gewesen. Dennoch zeigte das Thermometer niedrigere Temperaturen an als an vielen anderen Plätzen im Erzgebirge. 15 Uhr waren es an der Schwarzen Pockau zwei Meter über dem Boden exakt 27,8 Grad Celsius. Laut den Daten der Wetterstation des Kühnhaidener Hobbymeteorologen Peter Weiße wurde die höchste bisher in dem Marienberger Ortsteil registrierte Temperatur am 16. Juli 1987 mit 33,6 Grad Celsius gemessen. Die niedrigste wiederum mit minus 33,5 Grad Celsius am 1. Februar 1998. (faso/rickh)

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