Über die Waldbühne ab in den Süden

Die Operngala, die der Lionsclub am 8. Juli zum fünften Mal nach Augustusburg bringt, entführt nach Italien und Frankreich. Vier Spitzensolisten, 50 Musiker, zwei Stunden Unterhaltung - das muss den Organisatoren erst einmal einer nachmachen.

Augustusburg.

Wenn eine Handvoll Ehrenamtlicher eine zweistündige Operngala auf die Beine stellt - mit vier Spitzensolisten, dazu einem 50-köpfigen Orchester bei einem Eintrittspreis von 20 Euro -, spricht das schon für sich. Drei Busse werden anrollen, dazu zwei Lastwagen, um Ausrüstung und Künstler für die Veranstaltung am 8. Juli auf der Augustusburger Waldbühne herbeizuschaffen.

Wird dieser Versuch, der schon vier Vorgängerauflagen seit der Premiere im Jahr 2012 erlebt hat, dann noch auf dem Lande unternommen, das manche "Provinz" nennen, ist das zudem ziemlich mutig. Doch damit nicht genug: Denn die Beteiligten treten nicht nur zu deutlich reduzierten Gagen auf.

Die Einnahmen der unter dem Motto "Nacht der Leidenschaft" stattfindenden Veranstaltung fließen überdies in das Hilfswerk des Lionsclubs Flöha-Augustusburg, mit dem Projekte der Jugendarbeit umgesetzt werden, berichtet Lionsclub-Sekretär Werner Sieber für die Veranstalter. Was mit dem Geld aus früheren Auflagen gemacht wurde? Zum Beispiel ein Mannschaftszelt für die Jugendfeuerwehr Wingendorf und eine Klarinette für das Oederaner Jugendblasorchester angeschafft oder Hilfe für die Flöhaer Musikschule geleistet. Und, und, und. Hinzu kommt der Versuch, jene zu überzeugen, die meinen, ein derartiger Abend mit Musik und Gesang "hat hier keinen Sinn".

Wie wenig diese Befürchtung aus der Luft gegriffen ist, zeigt, dass die Operngala im vergangenen Jahr nicht stattgefunden hat, sagt Sieber. "Nachdem 2015 etwas mehr als 310 Gäste kamen, obwohl wir mindestens 400 benötigen, um die Kosten zu decken, brauchten wir eine Verschnaufpause", so Sieber. Denn Platz sei auch für 600 bis 700 Personen. Nicht von ungefähr waren einige der 25 hiesigen Lionsclub-Mitglieder skeptisch, "ob man eine weitere Auflage wagen soll", räumt er ein. Sieber und der Künstlerische Leiter der Veranstaltung, Matthias Bantay, selbst im Club aktiv und Solocellist der Erzgebirgischen Philharmonie Aue, haben die Herausforderung angenommen.

"Wir freuen uns aber über weitere Sponsoren", sagt der frühere Augustusburger Schlosschef, der angesichts der Vielzahl und des hohen Ansehens vieler Mitwirkender auf das überschaubare Budget von 10.000 Euro verweist. Beinahe 25.000 Euro würde der Abend kosten, erhielten alle die übliche Gage, hat er ausgerechnet. Zudem sind die Organisatoren auf Kritik an den teils unbequemen Bierbänken eingegangen. "Diesmal werden zwei Drittel der Plätze mit Stühlen abgesichert", sagt er. Nachdem die Veranstaltung bislang freitags stattfand, wird sie nun auf Samstag verlegt. "Und wir sind froh und dankbar, dass uns die Stadt Augustusburg die Bühne wieder kostenfrei überlässt", so der 71-Jährige, der mit Theaterwissenschaftlerin Heike Leschner vom MDR eine so bewährte wie versierte Moderatorin gewann. Ausgerichtet wird die Gala unabhängig von der Witterung. Sollte es regnen, werde in die Stadtkirche ausgewichen.

Bei der 19 Uhr beginnenden "Nacht der Leidenschaft" mit Auszügen aus Bizets "Carmen", Saint-Saëns "Samson et Dalila" oder Verdis "Don Carlos", Jules Massenets "Werther" wie Puccinis "Manon Lescaut" und vielen weiteren hat der Wiener, an der Semperoper engagierte Tenor Roman Payer genauso seinen Einsatz wie die russische Mezzosopranistin Maria Pantiukhova von der Oper Frankfurt und die Sopranistin und Richard-Wagner-Stipendiatin Sonja Maria Westermann. Hinzu kommt die Violinistin Liv Migdal, die im Oktober 2016 bei den Berliner Philharmonikern debütierte, sowie die Erzgebirgische Philharmonie Aue unter Leitung von Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi.

Karten zu der Veranstaltung sind für 20 Euro in der Touristinformation im Stadthaus erhältlich, unter www.lions-floeha-augustusburg.de und in den "Freie Presse"-Ticketshops.

Die historischen Postkarten zeigen die Waldbühne um 1900 und stammen aus der Sammlung von Rico Näther, Augustusburg.

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