Umleitungsärger: Lkw blockieren enge Straßen

Statt die offizielle Umgehung zu nutzen, fahren Pkw- und Lkw-Fahrer durch ein Chemnitzer Wohngebiet, in dem Tempo 30 gilt. Nicht nur das sorgt für Kritik.

Chemnitz.

Die Feudelstraße und der Kirchsteig im Chemnitzer Stadtteil Harthau sind normalerweise ruhige Anliegerstraßen. Es gilt Tempo 30. Doch mit der Ruhe ist es seit voriger Woche vorbei. Seitdem die parallel verlaufende Annaberger Straße wegen Bauarbeiten nicht befahrbar ist, haben Autofahrer die Straßen durch das Wohngebiet als kurzen Umleitungsweg entdeckt, obwohl eine andere Strecke als Umgehung ausgewiesen ist. Neben vielen Pkw sind auch Lkw und Schwerlasttransporter unterwegs, berichtet Anwohner Claus D. Härtel. "Es geht zu wie auf einer Transitstrecke." Vor allem die großen Lkw bereiteten Probleme, sagt er. Betroffen sei auch die Schulstraße.

"Dienstagfrüh donnerte ein 3,5-Tonner-Lkw mit Anhänger vorbei. Er kam aus der Stadt und wollte den engen Kirchsteig runter", berichtet Härtel. Doch dort ging es für den Transporter nicht weiter. "Deshalb wollte er zurückfahren und wenden." Doch das war aussichtslos. "Auf der engen Straße ohne Fußweg ist kein Platz zum Wenden", so der Anwohner. Die Polizei wurde gerufen. 90 Minuten habe es gedauert, bis der Transporter seine Fahrt fortsetzen konnte. "In dieser Zeit staute sich natürlich der Verkehr", sagt Härtel. An dem Vormittag seien es drei große Brummis gewesen, die über Feudelstraße und Kirchsteig abkürzen wollten, sagt er. Die offizielle Umgehung führt über Heckertgebiet und Südring. Dafür müssen Autofahrer rund zehn Kilometer zusätzlichen Fahrtweg in Kauf nehmen und je nach Tageszeit zwischen zehn und 20 Minuten mehr Fahrzeit einplanen.

Torsten Kleditzsch

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Claus D. Härtel nennt die Umleitungsstrecke über Feudelstraße und Kirchsteig "illegal". Autofahrer, die landwärts unterwegs seien, ignorierten die Ausschilderung der offiziellen Umgehung auf der Annaberger Straße an der Auffahrt zum Südring, sagt Härtel. Er fürchtet, dass die Verkehrsbelastung noch stärker wird. In dem Gebiet befinden sich rund 1000 Kleingärten, die über die Feudelstraße erschlossen sind, so Härtel. Wenn die Saison für die Kleingärtner starte und sie zu ihren Gärten fahren, "wird es richtig eng", sagt der Harthauer. Er schlägt vor, den Verkehr zwischen den Kreuzungen Feudelstraße/Kirchsteig und Stöcklstraße/Klaffenbacher Straße mit Ampeln zu regeln.

Eine Ampelregelung werde derzeit geprüft, teilte ein Rathaussprecher mit. Sicher ist dagegen, dass die Stadt gegen den Lkw-Verkehr in dem Gebiet vorgehen wird. Schilder für ein Lkw-Verbot werden aus Richtung Schulstraße aufgestellt, erklärte er. Zudem gibt es laut Stadt Geschwindigkeitskontrollen des Ordnungsamtes. In Abstimmung mit der Polizei werden auf der "gesamten Umleitungsstrecke, auch auf den Nebenstraßen, Messungen zu unterschiedlichen Zeiten in unregelmäßigen Abständen stattfinden".

Kritik an der Informationspolitik der Stadtverwaltung kommt unterdessen von der Fraktionsgemeinschaft CDU/FDP im Stadtrat. Deren Vorsitzender Tino Fritzsche fordert eine bessere Kommunikation mit den Anwohnern. "Sie benötigen Fakten, was auf sie während der Sperrung zukommt und an wen sie sich bei Fragen wenden können", so Fritzsche.

Nach Informationen der "Freien Presse" hat es keine Anwohnerversammlung der Chemnitzer Stadtverwaltung vor Baubeginn gegeben. Stattdessen gab es Gespräche mit der Bürgerinitiative (BI) Harthau und einen Brief des Tiefbauamtes mit der Bitte um Verteilung im Stadtteil. In dem Schreiben sei auch ein Ansprechpartner in der Verwaltung genannt. Zudem seien Vertreter der BI zu einem Gespräch im Tiefbauamt gewesen. Claus D. Härtel bestätigt den Termin. Er habe die Informationen über die Baustelle anschließend über einen Kabelfernsehkanal verbreitet. Aber den können nicht alle Harthauer empfangen, schränkt er ein. Auch Flyer mit den nötigsten Infos wurden nicht verteilt.

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